Szajna wies die Idee entschieden zurück: «Der Vorschlag ist technisch überkomplex, ökonomisch ineffizient, bürokratisch belastend und sein Nutzen für Verbraucher wird deutlich überschätzt.» Der Lebensmittelhandel sei bereits transparent genug. «Die Angabe eines Grundpreises pro Kilogramm ist gesetzlich vorgeschrieben. Prospekte und Angebots-Apps sind allgegenwärtig, Preisvergleiche längst etabliert», so der Experte.
Die Umsetzung würde nach Einschätzung Szajnas enorme Kosten verursachen. «Eine App, die diesen Anspruch ernst nimmt, müsste enorme Datenmengen in Echtzeit erfassen, prüfen, standardisieren und veröffentlichen», erklärte er. Große Supermärkte führen über 10.000 Artikel mit sich regelmäßig ändernden Preisen. Die Kosten für IT-Schnittstellen, Datenpflege und Updates würden an die Verbraucher weitergegeben - «und damit für höhere Preise sorgen, statt Verbraucher zu entlasten».
Grüne wollen Macht der Ketten brechen
Dröge verteidigte den Vorschlag ihrer Partei. «Wenn die Verbraucher sich informieren können, haben sie der Macht der großen Ketten mehr entgegenzusetzen», sagte die Fraktionschefin. Die Grünen wollen mit der App ein niedrigschwelliges Instrument gegen unfaire Preise schaffen. «Für Krisenzeiten wollen wir Möglichkeiten, die Gewinnmargen der Supermärkte zu begrenzen», ergänzte Dröge.
Szajna warnte vor einer einseitigen Fokussierung auf den Preis. Ein reiner Preisvergleich würde Qualitätsaspekte ausblenden: «Blieben sie unberücksichtigt, entstünde ein verzerrtes Bild, das Qualität systematisch benachteiligt und den Preis überbetont.» Verbraucher treffen ihre Kaufentscheidungen nach seinen Worten nach komplexeren Kriterien: «Nähe, Bequemlichkeit, Sortiment, Qualität, Einkaufsatmosphäre und Vertrauen spielen eine zentrale Rolle.»
Verbraucher unter Preisdruck
Der Vorschlag kommt vor dem Hintergrund stark gestiegener Lebensmittelpreise. Seit 2020 haben sich die Preise um über 35 Prozent erhöht. In einer Verbraucherbefragung im November gaben 45 Prozent der Befragten an, ihren Einkauf wegen gestiegener Preise einschränken zu müssen - ein Jahr zuvor waren es 39 Prozent gewesen.
Ramona Pop, Verbandschefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, forderte die Bundesregierung auf, eine Beobachtungsstelle für Lebensmittelkosten und -preise einzurichten. Diese solle die gesamte Wertschöpfungskette überwachen. «So lassen sich unfaire Preistreiber aufdecken, denn die hohen Preise lassen sich nicht allein durch gestiegene Produktionskosten erklären», sagte Pop.
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