Direkt zum Hauptbereich

Pixel: Wie Google 7 Jahre Android-Updates hinbekommen will

Mit dem Pixel 8 hat Google die Update-Garantie auf sieben Jahre erhöht. Seang Chau, Googles Vice President of Devices and Services Software, erklärt, wie der Hersteller auf diesen Zeitraum gekommen ist – und wie man das ambitionierte Versprechen einhalten will.

Viele Hersteller von Android-Smartphones liefern in der Regel nicht mehr als maximal vier große OS-Versionen aus, wenn überhaupt. Mit den Modellen Pixel 8 und 8 Pro hat Google diesen Zeitraum fast verdoppelt und damit sogar Apple überholt, das seine iPhones in der Regel sechs Jahre lang mit neuen iOS-Versionen versorgt.

Um beim Pixel 8 auf sieben Jahre Android-Updates zu kommen, musste Google laut Chau im Made-by-Google-Podcast eng mit Zulieferern und Partnern zusammenarbeiten – aber auch mit dem Android-Team und den Netzbetreibern. Nicht zu vernachlässigen sei auch der Aspekt, dass „die Labore für diese Art von kontinuierlichen Tests ausgerüstet sind“, so der Google-Manager.

Tensor-Chip wichtiger Baustein für lange Updates

Wie Chau erklärt, hat Google die Komplexität von Android-Updates stark vereinfacht, indem es auf einen eigens entwickelten Tensor-Chip setzt. Denn nicht nur die Topmodelle, sondern auch die A‑Serie, die Foldables und das Pixel-Tablet sind mit dieser Chipfamilie ausgestattet. Andere Hersteller verwenden derweil unterschiedliche SoCs (System on a Chip) für ihre Geräte, was die Komplexität erhöht. Hier verfährt Google letztlich ähnlich wie Apple, die auf eigene Chips der A- und M‑Serien setzt.

Laut Chau ist es die Verwendung verschiedener Prozessoren, die die Entwicklung von Android-Updates „am komplexesten macht“. Derzeit bietet Google die lange Update-Periode allerdings nur für seine aktuellen Top-Modelle an. Ob ältere Modelle nachziehen werden, ist unklar. Es ist aber durchaus möglich, dass das in Kürze erscheinende Pixel 8a ebenfalls sieben Jahre lang Updates erhalten wird.

Sieben Jahre sind kein Zufall

Chau wurde während des Podcasts auch gefragt, warum man sich für sieben Jahre für Updates entschieden habe und nicht für sechs oder acht Jahre. Laut Chau habe man sich bewusst für diesen Zeitrahmen entschieden, der auf dem allerersten Google Pixel basiere.

Er erklärte, dass das erste Pixel, das 2016 auf den Markt kam, immer noch eine recht große Nutzerbasis habe. Das bedeute, dass das Smartphone eine Nutzungsdauer von bis zu sieben Jahren habe.

„Wenn wir also darüber nachdenken, ob wir in der Lage sein wollen, das Pixel so lange zu unterstützen, wie die Leute das Gerät nutzen, dann sind sieben Jahre ungefähr die richtige Zahl“, so Chau.

Der Google-Manager geht nicht zwingend davon aus, dass die Geräte über den gesamten Zeitraum von ein und derselben Person genutzt werden. Das sei zwar möglich, „aber viele Geräte werden auch an Verwandte, Freunde oder die Familie weitergegeben, gegen ein neues Pixel eingetauscht oder auf dem Sekundärmarkt verkauft“, erklärt Chau.

Was die Pixel-Feature-Drops mit längeren Updates zu tun haben

Google ist ferner vor langer Zeit dazu übergegangen, neue Funktionen nicht nur einmal im Jahr mit dem großen Android-Update zu verteilen. Stattdessen liefert der Hersteller sogenannte Pixel-Feature-Drops, mit denen die Geräte etwa vierteljährlich mit frischen Funktionen ausgestattet werden.

Wie bei den großen Updates bietet Google auch für die kleineren Drops ein Betaprogramm für interessierte Nutzer:innen an, sodass das Unternehmen im Grunde über das ganze Jahr hinweg Beta-Tester:innen für das Betriebssystem hat und so quartalsweise „ein zuverlässiges Update anbieten“ zu können, so der Manager.

Durch die Zerstückelung eines großen jährlichen Updates auf mehrere kleinere und das permanente Betaprogramm sei es leichter die sieben Jahre zu realisieren.

Neue Funktionen bis zum Support-Ende – aber womöglich fragmentiert

Ähnlich wie bei Apples iPhones (und iPads), die über viele Jahre hinweg neue iOS-Versionen erhalten, scheint es auch bei den Google-Pixel-Geräten langfristig eine Art Feature-Framing zu geben. Laut Chau will Google versuchen, die Pixel-Geräte auch gegen Ende der sieben Jahre mit neuen Features auszustatten. Diese Features sollen „reine Software-Features“ sein, die keinen zusätzlichen RAM, Speicher, Co-Prozessor oder „andere Hardware-Fähigkeiten“ benötigen.

„Wir tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass diese Funktion mit aktuell unterstützten Produkten verbunden ist“, sagte der Manager. „Wenn es sich um eine reine Softwarefunktion handelt, versuchen wir sicherzustellen, dass sie auf unterstützten Geräten verfügbar ist.“

7 Jahre Updates dürften eine Ausnahme bleiben

Während Samsung mit seiner Galaxy-S24-Reihe mit der Update-Garantie von Google nachzieht und diese Strategie voraussichtlich auch auf weitere hochpreisige Modelle wie Foldables ausweiten wird, sieht es bei anderen Modellen des Herstellers anders aus. So werden die Modelle Galaxy A35 und A55 wie bisher „nur“ vier große Android-Updates und fünf Jahre Sicherheitspatches erhalten.

Davon sind andere Hersteller selbst bei ihren Spitzenmodellen noch weit entfernt. Doch das wird sich in Europa ab 2025 ändern. Denn dann verlangt die EU eine Update-Garantie von fünf Jahren. Aber: Auch Google wird sich erst noch an den eigenen Aussagen messen lassen müssen. Quelle: t3n


JZ-App
Vorlesen lassen

Kommentare

Beliebte Beiträge

Metas KI-Hunger: Warum die Justiz den Datenklau kaum noch stoppt

Wer glaubt, dass seine Urlaubsfotos oder privaten Schnappschüsse auf Facebook und Instagram noch ihm ganz allein gehören, wurde in den letzten Monaten eines Besseren belehrt. Während in Deutschland gerade eine massive Verbandsklage gegen den Meta-Konzern anläuft, haben internationale Gerichte bereits Fakten geschaffen, die für Urheber und Datenschützer bitter schmecken. Der Konzern hat den „Kampf um die Bilder“ strategisch fast schon gewonnen, weil die Justiz – besonders in den USA – der Technologie den Vorzug vor dem klassischen Urheberrecht gibt. Erst kürzlich bestätigten US-Richter in richtungsweisenden Urteilen, dass das Training von KI-Modellen mit öffentlich zugänglichen Daten unter das „Fair Use“-Prinzip fällt. Das bedeutet: Meta darf deine Werke „transformieren“, um daraus etwas Neues zu schaffen, ohne dich um Erlaubnis zu fragen oder dich zu bezahlen. In Deutschland versucht die Verbraucherhilfe nun mit einer Sammelklage das Ruder rumzureißen. Hier geht es vor allem um den Vor...

Spion in der Tasche oder nützliches Tool? Das steckt hinter Googles neuer Aufnahme-Funktion

Google rüstet auf: Die hauseigene Telefon-App soll künftig eine integrierte Aufnahmefunktion erhalten. Was für Journalisten oder Gedächtnisprotokolle wie ein Segen klingt, löst bei Datenschützern sofort die Alarmglocken aus. Denn während die Technik bereitsteht, steht das deutsche Strafgesetzbuch mit erhobenem Zeigefinger daneben. Die Technik: Was Google plant Die Funktion soll es ermöglichen, laufende Telefonate mit einem Klick mitzuschneiden. Google setzt dabei auf Transparenz durch Automatisierung: Sobald die Aufnahme startet, ertönt eine Roboterstimme, die beide Teilnehmer informiert: "Dieses Gespräch wird aufgezeichnet." Damit will der Tech-Riese sicherstellen, dass niemand heimlich belauscht wird. Die Rechtslage: Das "Vertrauliche Wort" In Deutschland ist die Sache klar geregelt – und ziemlich streng. Das Zauberwort heißt §201 StGB (Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes) . Ohne Einwilligung geht nichts: Wer ein Gespräch ohne die ausdrückliche (und am bes...

12,34 Milliarden Euro: Der Deal für die Länder-Beschäftigten steht!

Nach zähen Verhandlungen in Potsdam gibt es endlich weißes Licht: Die Gewerkschaften und die Länder haben sich geeinigt. Für rund 925.000 Tarifbeschäftigte (und später wohl 2,2 Millionen inklusive Beamte) gibt es ein ordentliches Plus auf dem Konto. Aber der Preis dafür ist historisch hoch. Die Fakten: Wer kriegt wann wie viel? Der neue Tarifvertrag läuft stolze 27 Monate (bis Januar 2028). Das Geld kommt in drei Stufen: Stufe 1 (ab 01.04.2026): +2,8 % Gehalt, aber mindestens 100 Euro . Stufe 2 (ab 01.03.2027): Weitere +2,0 %. Stufe 3 (ab 01.01.2028): Nochmal +1,0 %. Zusätzlich steigen die Schichtzulagen massiv an – in Kliniken sogar auf bis zu 250 Euro im Monat. Auch Azubis gehen nicht leer aus und bekommen insgesamt 150 Euro mehr. Warum das Ganze so teuer ist Die 12,34 Milliarden Euro kommen nicht nur durch die 925.000 Angestellten zustande. Die Länder planen, das Ergebnis zeitgleich auf die Beamten und Pensionäre zu übertragen. Tarifbereich allein: ca. 4,11 Milliarden Euro. In...

Wachstum auf dem Papier, Frust in den Firmen: Warum Deutschlands Mini-Plus eine Mogelpackung ist

Wer derzeit auf die nackten Zahlen der Wirtschaftsinstitute blickt, könnte fast auf die Idee kommen, dass wir die Talsohle durchschritten haben. Mit einem prognostizierten Plus von rund 0,8 bis 1,0 % für das Jahr 2026 blinken die Ampeln statistisch gesehen endlich wieder auf Grün. Doch der Schein trügt gewaltig: Hinter diesem vermeintlichen Aufschwung steckt kein echter neuer Schwung, sondern ein Mix aus staatlichen Milliarden-Spritzen für Schiene und Rüstung sowie schlichtem Kalender-Glück. Allein die zusätzlichen Arbeitstage im Jahr 2026 treiben das BIP nach oben, ohne dass wir wirklich produktiver geworden sind. Während staatliche Investitionen im Wohnungs- und Tiefbau für einen Zuwachs von etwa 0,5 Prozentpunkten sorgen, verharrt der private Konsum trotz einer Normalisierung der Inflation auf 2,0 % weiterhin in der Schockstarre. In den Chefetagen der deutschen Industrie herrscht deshalb alles andere als Aufbruchstimmung. Der ifo Geschäftsklimaindex verharrte zuletzt bei ernücht...

Inflation klettert auf 2,1 Prozent – doch beim Kakao erhöht es sich richtig

Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes für den Januar 2026 sind da und sie wirken auf den ersten Blick fast beruhigend. Mit einer Inflationsrate von 2,1 % hat sich die Teuerung im Vergleich zum Vorjahr stabilisiert. Wer allerdings durch den Supermarkt schlendert, erlebt beim Blick auf die Preisschilder sein blaues Wunder. Besonders in der Süßwarenabteilung ist von "Stabilität" keine Rede: Schokolade kostet im Schnitt satte 21 % mehr als noch vor einem Jahr. Damit frisst der Heißhunger auf Süßes aktuell ein tiefes Loch in die Haushaltskasse, während andere Bereiche wie Energie sogar leicht günstiger geworden sind. Warum die Tafel zum Luxusgut wird Hinter dem Preissprung bei der Schokolade steckt eine toxische Mischung für die Hersteller. Die Rohstoffpreise für Kakao sind an den Weltbörsen explodiert. Missernten in Westafrika – dem Hauptlieferanten für den globalen Markt – haben das Angebot massiv verknappt. Gleichzeitig sind die Kosten für Zucker und die Verarbeit...