Google rüstet auf: Die hauseigene Telefon-App soll künftig eine integrierte Aufnahmefunktion erhalten. Was für Journalisten oder Gedächtnisprotokolle wie ein Segen klingt, löst bei Datenschützern sofort die Alarmglocken aus. Denn während die Technik bereitsteht, steht das deutsche Strafgesetzbuch mit erhobenem Zeigefinger daneben.
Die Technik: Was Google plant
Die Funktion soll es ermöglichen, laufende Telefonate mit einem Klick mitzuschneiden. Google setzt dabei auf Transparenz durch Automatisierung: Sobald die Aufnahme startet, ertönt eine Roboterstimme, die beide Teilnehmer informiert: "Dieses Gespräch wird aufgezeichnet." Damit will der Tech-Riese sicherstellen, dass niemand heimlich belauscht wird.
Die Rechtslage: Das "Vertrauliche Wort"
In Deutschland ist die Sache klar geregelt – und ziemlich streng. Das Zauberwort heißt §201 StGB (Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes).
Ohne Einwilligung geht nichts: Wer ein Gespräch ohne die ausdrückliche (und am besten auf Band festgehaltene) Zustimmung des Gegenübers aufnimmt, macht sich strafbar.
Die Strafe: Es drohen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren.
Die Roboterstimme: Reicht der Hinweis von Google aus? Juristisch gesehen ja, sofern die Gegenseite nach der Ansage nicht sofort auflegt, sondern weiterspricht. Das gilt dann als "konkludente Einwilligung". Aber Vorsicht: Wenn der Partner sagt "Ich will das nicht", musst du sofort stoppen.
Checkliste: So bleibst du legal
Damit du nicht mit einem Bein im Knast stehst, wenn du die App nutzt, hier die goldene Regel:
Fragen: Bevor du den Button drückst, frag dein Gegenüber: „Ist es okay, wenn ich das für meine Notizen aufnehme?“
Bestätigung abwarten: Erst wenn das „Ja“ kommt, Aufnahme starten.
Nicht verbreiten: Die Aufnahme ist nur für dich. Sie ohne Erlaubnis bei WhatsApp zu teilen oder hochzuladen, ist ein absolutes No-Go und rechtlich brandgefährlich.
Fazit: Google liefert uns ein mächtiges Feature, aber die Verantwortung liegt komplett bei uns. In den USA mag "Record first, ask later" funktionieren – in Deutschland bleibt das Aufnahmegerät im Zweifel lieber aus, wenn man keinen Stress mit der Justiz will.
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