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Copilot-Modus in Microsoft Edge ausprobiert: Wie nützlich ist KI im Browser?

Surft ihr noch allein durchs Netz? Muss doch nicht sein! Der neue Copilot-Modus im Edge-Browser soll euch tatkräftig dabei unterstützen. Doch was bietet das KI-Feature – und braucht man das wirklich? Wir haben es ausprobiert.

Es ist noch nicht lange her, da war die Surf-Geschwindigkeit noch das wichtigste Kriterium für die Wahl des Browsers. Google Chrome hatte hier in der Regel die Nase vorn. Geht es nach den führenden Unternehmen, ist das mittlerweile zweitrangig. Heute wird Platzhirsch, wer die meisten KI-Features im Programm hat. Unternehmen wie Perplexity bringen deswegen sogar eigene Browser an den Start. Und auch Microsoft darf da natürlich nicht fehlen. Schließlich war das Unternehmen eines der ersten, das einen KI-Chat in seinen Browser integrierte – zunächst über die Websuche Bing, später als Copilot in der Seitenleiste.



Mit dem Copilot-Modus für Edge treibt Microsoft diese Entwicklung nun voran. Das Versprechen: Die KI soll auf die Inhalte eueres Browsers zugreifen können, und zwar nicht nur auf eine geöffnete Seite, sondern auf alle Tabs gleichzeitig. Daraus kann Copilot dann Informationen ziehen und soll euch besser beim Surfen durchs Netz unterstützen. Alles, was ihr dafür braucht, ist die neueste Version des Browsers für Windows oder macOS. Ist die installiert, klickt ihr einfach auf diesen Link, um den Copilot-Modus zu aktivieren.

Copilot-Modus mit neuem Design

Zum Start stehen drei neue Funktionen zur Verfügung. Die erste ist eine überarbeitete Startseite. Wer einen neuen Tab öffnet, landet nicht mehr auf Bing, sondern sieht ein Chatfenster und darunter einige Vorschläge für den Start. Dadurch wirkt das Erlebnis direkt cleaner. Es erinnert zudem stärker an die Google-Startseite.

Fragen über mehrere offene Tabs gleichzeitig stellen

Schon etwas praktischer ist die mögliche Analyse mehrerer geöffneter Tabs. Microsoft nennt als Beispiel die Suche nach einem geeigneten Hotel. Habt ihr fünf dazu geöffnet, könnt ihr Copilot fragen, welches am nächsten zum Strand liegt. Um das Erlebnis nicht eins zu eins nachzuspielen, haben wir beim Ausprobieren mehrere Rezepte für Reiskuchen in diversen Tabs gesucht und Copilot gefragt, welches davon sich am ehesten für Sportler:innen eignet. Der KI-Helfer konnte prompt eine Antwort samt Begründung liefern. Dazu untersuchte Copilot die Zutatenliste der jeweiligen Rezepte

Gleiches funktioniert mit ganz anderen Dingen ebenfalls. Bei der Suche nach einem geeigneten Lenkerband fertigte Copilot sogar eine Tabelle und wertete die Rezensionen aus. Auch ein Vergleich dreier Smartphones aus drei offenen Tabs war für das KI-Tool kein Problem. Anhand von Nachfragen führt es dann zum passenden Produkt, Hotel oder eben Rezept.

Copilot ist stets verfügbar

Eine weitere Funktion eignet sich ebenfalls für Rezepte. Schließlich ist es auf Rezeptseiten ein etabliertes Vorgehen, aus SEO-Gründen zunächst den eigenen und den familiären Bezug zum jeweiligen Gericht („Schon meine Oma …“) darzulegen. Über einen Copilot-Button links neben der Adressleiste könnt ihr den KI-Assistenten aber beauftragen, direkt nach den Zutaten und der Anleitung zu suchen. Die liefert das Tool ohne Probleme. Für Webseiten-Betreiber:innen und Nutzer:innen ist das eine Win-Win-Situation. Man besucht die Seite trotzdem, kommt so aber schneller ans gesuchte Rezept.

Das funktioniert mit anderen Anleitungen auf Webseiten ebenso gut. Ihr könnt zusätzlich auch Nachfragen zum Webseiteninhalt stellen. Copilot erkennt den Kontext und liefert Antworten. Um Anleitungen muss es sich dabei nicht handeln. Ihr könnt etwa Fragen zu längeren Artikeln stellen, die der KI-Helfer für euch zusammenfassen soll.

Diese Dinge funktionieren noch nicht

Zum Funktionsumfang des Copilot-Modus soll zudem eine natürliche Spracherkennung gehören. Heißt: Ihr könnt der KI einfach einen Befehl oder eine Frage ins Notebook-Mikrofon sprechen. Das klappte auf Deutsch jedoch nicht. Copilot begrüßte uns mit einem starken englischen Akzent und ging im Nachgang nicht mehr auf unsere Fragen ein. Wenn wir etwas wissen wollten, mussten wir die Tastatur bemühen.

Weitere Features fehlen bislang noch komplett. So soll Copilot künftig in der Lage dazu sein, die Suchhistorie und den Browserverlauf auszulesen, um Nutzer:innen so gut wie möglich kennenzulernen – wenn ihr das wollt. Darauf baut eine zweite Funktion auf: Offene Projekte soll Copilot künftig außerdem auf der Startseite präsentieren. Microsoft zeigt das anhand des Planes, ein eigenes T-Shirt-Unternehmen zu gründen. Copilot soll hier wichtige Insights und Tutorials liefern, zusammen und eben auch nachhalten.

Schlussendlich gibt es in den USA die Möglichkeit, direkt via Copilot Hotels, Restauranttische oder andere Dinge zu reservieren. Laut Microsoft geschieht das einfach im Dialog. In Deutschland bremste uns die KI hier aus. Reservierungen seien nicht möglich. Auch das konnten wir also nicht ausprobieren.

Wichtig zu wissen

Natürlich ist die Verwendung von Copilot mit der Nutzung eurer Daten verbunden. Auf einer Support-Seite erklärt Microsoft, dass das Unternehmen „Daten von Bing, MSN, Copilot und Interaktionen mit Anzeigen auf Microsoft für KI-Schulungen“ nutzt. Dabei werden eure Daten anonymisiert. Wenn ihr das nicht wollt, müsst ihr die Funktion vorab deaktivieren. Außerdem werden eure Unterhaltungen mit der KI für bis zu 18 Monate gespeichert. Es sei denn, ihr löscht die Daten manuell über das Microsoft-Dashboard.

Zudem erklärt Microsoft, dass die Nutzung des Copilot-Modus zunächst kostenlos sei. Es kann also gut sein, dass die Funktionen in Zukunft ins kostenpflichtige Abo Copilot Plus wandern.

Erstes Fazit: Durchaus praktisch, aber …

Mit dem Copilot-Modus liefert Microsoft einige praktische Funktionen für Nutzer:innen. Die Möglichkeit, mehrere Tabs automatisch miteinander vergleichen zu lassen oder direkt die beste Lösung für sich selbst zu finden, könnte künftig Auswirkungen auf Online-Shopper:innen und Tourist:innen haben. Die Möglichkeit, auf Webseiten schneller zum relevanten Inhalt zu gelangen, dürfte nicht nur Hobby-Bäcker:innen ansprechen.

Allerdings müssten alle, die davon Gebrauch machen wollen, den Edge-Browser installieren. Davon versucht Microsoft die Nutzer:innen schon seit Jahren mehr oder weniger erfolglos zu überzeugen. Laut Statista belegte Edge im Mai 2025 mit einem Marktanteil von 13,65 Prozent den zweiten Platz unter den meistgenutzten Browsern – mit weitem Abstand hinter Google Chrome (65,17 Prozent). Dass Nutzer:innen dessen Vorzüge nun für drei KI-Features links liegen lassen, ist unwahrscheinlich. Zumal Google hier selbst schnell nachlegen dürfte.

Und: Ein echter persönlicher Assistent, so wie es Microsoft im oben verlinkten Video nahelegt, ist Copilot in Edge zumindest in der von uns getesteten Version bislang nicht. Quelle: t3n






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