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Handelskrieg, Stellenabbau Wirtschaftsflaute: Was das für Arbeitnehmer bedeutet

Die schwierige Wirtschaftslage macht sich derzeit auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Der Arbeitnehmermarkt – in dem sich gut ausgebildete Fachkräfte Konditionen und Arbeitgeber aussuchen konnten – wandelt sich zunehmend zum Arbeitgebermarkt. Viele Unternehmen bauen Stellen ab, die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf offene Stellen steigt.

Das beeinflusst auch den Bewerbungsprozess. So gibt ein Drittel der Bewerberinnen und Bewerber in einer Umfrage im Auftrag des Stellenportals Jobtensor an, dass mindestens ein laufender Bewerbungsprozess in den vergangenen beiden Jahren vom Arbeitgeber eingestellt wurde – mit der Begründung, dass die wirtschaftliche Situation nun doch keine Einstellung mehr zulasse.

Ein junger Mann lehnt an eine Glaswand. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Ein junger Mann lehnt an eine Glaswand. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Bei 39 Prozent der gut 1000 Befragten pausierte der Einstellungsprozess aus dem gleichen Grund zumindest. «Für Talente, die in Boom-Zeiten noch auf der Pole Position standen und die Regeln des Bewerbungsprozesses weitgehend bestimmt haben, wird es nun anspruchsvoller», so Thomas Hense, Geschäftsführer von Jobtensor zu den Ergebnissen der Studie. «Sie merken, dass sich die Ausgangssituation für sie ändert und sie es sind, die nun liefern müssen.»

Flexibilität und Bereitschaft für Kompromisse

Wie positionieren sich Bewerberinnen und Bewerber jetzt am besten auf der Suche nach einem neuen Job? Grundsätzlich gilt: In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sind Arbeitgeber stärker als früher gezwungen, sehr kosteneffizient zu agieren. Die Nachfrage nach Fachkräften bleibe aber weiterhin hoch. So beschreibt Andre Stephan-Park das Umfeld, in dem sich Arbeitssuchende und Arbeitgeber derzeit begegnen. Er ist Pressesprecher in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg.


Bewerberinnen und Bewerber sollten daher aktuell eine «gewisse Flexibilität und erkennbare Bereitschaft für Kompromisse» mit in Vorstellungsgespräche nehmen, rät Stephan-Park. Inwieweit sie die eigenen Ansprüche an einen neuen Job einschränken müssen – etwa, was Gehaltswünsche, Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten angeht – hängt aber auch von der Branche ab.

Unterschiede je nach Branche und Region

Eher schlechter sieht es in Branchen aus, die sich in einem starken Strukturwandel befinden, zum Beispiel die Automobilindustrie. Hier gebe es in der Tendenz weniger individuelle Verhandlungsoptionen im Bewerbungsgespräch, so Stephan-Park. Dies liege aber auch daran, dass gerade in größeren Betrieben Tarifverträge meist die Leitlinien für die Beschäftigten vorgeben.

Aber nicht nur die Branche spielt eine Rolle. Es gibt auch größere regionale Unterschiede. So lasse sich teilweise beobachten, dass gerade in ländlichen Gegenden hoch spezialisierte Arbeitnehmende weiterhin sehr gefragt und schwerer zu bekommen sind als im urbanen Raum, sagt Stephan-Park. «Entsprechend sind hier Arbeitgeber gegenüber Wünschen von Bewerbenden entgegenkommender, sofern sich dies in einem akzeptablen Rahmen bewegt.»

Worauf Bewerberinnen und Bewerber achten sollten

Wer sich als Bewerberin oder Bewerber auf dem Arbeitsmarkt durchsetzen will, sollte darauf achten, dass das Bewerbungsschreiben individuell auf den potenziellen neuen Arbeitgeber zugeschnitten ist und eine persönliche Note hat. Das rät die Karriereberaterin Jutta Boenig.

Im Vorstellungsgespräch sollte man mit persönlichen Forderungen eher zurückhaltend agieren, so die Expertin weiter. Besser stellt man offene Fragen wie: «Was ist bei Ihnen üblich in Bezug auf Gehalt, Homeoffice und Zusatzleistungen?»

Daneben kommt dem Thema Qualifikation weiterhin eine entscheidende Rolle zu. «Arbeitgeber achten sehr genau darauf, dass ihre Mitarbeitenden ‚auf Stand' sind», sagt BA-Sprecher Stephan-Park. Absolvierte Weiterbildungen würden sich daher positiv auswirken.

Hinzu kämen aber auch die sogenannten Softskills wie Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, Veränderungsbereitschaft und Methodenkompetenz wie Transferdenken. Rahmen- und Marktbedingungen und die Informationstechnik würden sich immer schneller ändern.

Mit Jugend und Erfahrung punkten?

Und welche Rolle spielt der Faktor Berufserfahrung? Für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger gilt: Sie haben nach wie vor gute Karten, wenn sie gut ausgebildet und gewillt sind, sich weiterzubilden. Hier kann es sich Boenig zufolge lohnen, mit potenziellen Arbeitgebern klare Vereinbarungen zu treffen – und dafür gegebenenfalls auf große Forderungen zu verzichten. Zum Beispiel, indem man vereinbart, dass es beim Erreichen eines bestimmten Ziels mehr Gehalt gibt.

Ältere Arbeitnehmende könnten wiederum gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten mit ihren Erfahrungen im Vorstellungsgespräch punkten. «Hier ist es auch wichtig, dass sie sich vor dem Gespräch noch einmal vergegenwärtigen, welche Erfolge sie in ihrem bisherigen Berufsleben für sich verbuchen konnten und hiervon im Gespräch erzählen», so Boenig.

Welche Faktoren weiter für Unsicherheit sorgen

Aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit ist derzeit schwer zu sagen, wie sich der Arbeitsmarkt langfristig entwickeln wird. Viel hänge zum Beispiel auch davon ab, wie sich der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU auf die Exportnation Deutschland und damit auf den Arbeitsmarkt auswirke, so BA-Sprecher Stephan-Park.

Mittelfristig ist zudem nicht ohne Bedeutung, welche Folgen die demografische Entwicklung und damit einhergehend das Ausscheiden vieler erfahrener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Berufsleben auf die Personalnachfrage von Unternehmen hat. Zeitgleich verändern sich bereits jetzt durch immer mehr marktreife KI-Anwendungen und die voranschreitende Digitalisierung Berufe und Bedarfe der Unternehmen.

Das alles ist aber aus Sicht von Karriereberaterin Boenig kein Grund für Pessimismus. «Gut ausgebildete Fachkräfte, die sich regelmäßig weiterbilden und sich flexibel zeigen, werden auch künftig am Arbeitsmarkt gebraucht.» Quelle: dpa




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