Direkt zum Hauptbereich

Bis zu 50.000 Demonstranten blockieren AfD-Kongress in Gießen

Der Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation in Gießen hat am Samstag mit mehr als zwei Stunden Verspätung begonnen. Massiver Protest und Straßenblockaden verhinderten die pünktliche Anreise Hunderter Teilnehmer – darunter die AfD-Spitze Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie der designierte Vorsitzende Jean-Pascal Hohm. Die Polizei erwartete im Tagesverlauf rund 50.000 Demonstranten aus ganz Deutschland.

Demonstranten blockierten bereits am frühen Morgen Zufahrtsstraßen zur Messehalle mit Sitzblockaden und Barrikaden. Das Protestbündnis "Widersetzen" berichtete von mehr als 200 Bussen, mit denen Aktivisten nach Gießen gereist waren. Die Polizei setzte an mehreren Stellen Wasserwerfer und Pfefferspray ein, um Blockaden zu räumen – unter anderem auf der Bundesstraße 49, wo rund 2.000 Menschen die Fahrbahn besetzten.


Verletzte und Ausschreitungen

Bei den Auseinandersetzungen wurden zehn bis 15 Polizisten leicht verletzt. Das Uniklinikum Gießen behandelte rund zehn leicht verletzte Zivilisten, hauptsächlich mit Verletzungen an Händen und Beinen. Die Polizei berichtete von Steinwürfen und Flaschen, die auf Beamte geworfen wurden. An der Schlachthofstraße feuerte eine Gruppe von rund 1.500 Personen Leuchtmunition gegen Polizeikräfte ab. Mehrere Fahrzeuge und Straßenlaternen wurden beschädigt.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Julian Schmidt wurde nach Angaben seiner Partei von Antifa-Aktivisten geschlagen und verletzt. Insgesamt waren 4.000 bis 5.000 Polizisten aus Hessen, 14 weiteren Bundesländern und der Bundespolizei im Einsatz.

Scharfe Kritik von Merz und Dobrindt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisierte auf einem Landesparteitag der sachsen-anhaltischen CDU in Magdeburg die Konfrontationen. «Sie werden heute Abend Fernsehbilder aus der Stadt Gießen sehen, die alles andere als erfreulich sind, eine Auseinandersetzung zwischen ganz links und ganz rechts», sagte Merz.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verurteilte bei einem Landesparteitag der sächsischen CDU in Leipzig die Gewalt scharf. «Demonstrieren ist ein Grundrecht, deswegen muss man das ermöglichen. Sich versammeln ist auch ein Grundrecht, das muss man auch ermöglichen», betonte Dobrindt. Zugleich stellte er klar: «Aber ich kann nur sagen: Größten Respekt vor den Polizistinnen und Polizisten, wenn ich jetzt schon wieder sehe, wie Vermummte, wie Chaoten, wie Leute mit Bengalos, mit Fackeln, gewaltbereit auf die Polizei zugehen.» Es gebe «kein Grundrecht, das es rechtfertigt, dass man gewaltsam gegen unsere Sicherheitskräfte vorgeht.»

AfD spricht von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen"

AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla sprach beim Kongress in Gießen von «bürgerkriegsähnlichen Zuständen» am Morgen. Er kritisierte die Beteiligung von Gewerkschaftern an den Protesten. Die neue Jugendorganisation müsse «wilder» und «forscher» werden, forderte Chrupalla. «Wir müssen zusammen bissig sein.» Als Ziel gab er aus: «Regieren statt tolerieren, das muss unser Ziel sein.»

Alice Weidel berichtete von Gewalt gegen AfD-Mitglieder. Sie hatte vorab von einem «Spießrutenlauf» für die Teilnehmer gesprochen.

Der Gewerkschaftsvertreter Michael Rudolph vom DGB Hessen-Thüringen bezeichnete die Demonstration mit über 20.000 Teilnehmern als «beeindruckendes, sichtbares und zutiefst demokratisches Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit und Spaltung». Er forderte den hessischen Innenminister Roman Poseck (CDU) auf, ein Verbotsverfahren gegen die AfD vorzubereiten.

"Reale Bedrohung für uns alle"

Suraj Mailitafi vom Bündnis "Widersetzen" rechtfertigte die Blockaden. Die neue AfD-Jugendorganisation sei eine «reale Bedrohung für uns alle». «Wir lassen nicht zu, dass sich in den Hessenhallen die nächste Generation gewaltbereiter Faschisten organisiert. In diesen Minuten stellen sich ihnen Zehntausende Menschen aus Gießen und ganz Deutschland in den Weg», erklärte Mailitafi.

Die neue Organisation soll voraussichtlich "Generation Deutschland" heißen und als direkter Ableger der AfD fungieren. Anders als bei der aufgelösten Vorgängerorganisation "Junge Alternative" müssen Mitglieder in der Regel auch AfD-Mitglieder sein. Die "Junge Alternative" hatte die Partei im Frühjahr aufgelöst, nachdem der Verfassungsschutz sie als "erwiesen rechtsextremistisch" eingestuft hatte.




JZ-App
Vorlesen lassen

Kommentare

Beliebte Beiträge

Bluetooth-Tracker AirTag 2: Apple verspricht bessere Ortung und lauteren Ton

Apple hat einen Nachfolger für den AirTag vorgestellt. Das Ortungsgerät bietet eine größere Reichweite und einen deutlich lauteren Lautsprecher. Der Preis bleibt unverändert. Knapp fünf Jahre nach Einführung des ersten Modells bringt Apple eine überarbeitete Version seines Bluetooth-Trackers auf den Markt. Das Unternehmen bezeichnet das Produkt offiziell als “neuer AirTag“, womit der faktische Nachfolger des ursprünglichen AirTag gemeint ist. Ultrabreitband-Chip der zweiten Generation Die große Neuerung stellt der Ultrabreitband-Chip der zweiten Generation dar. Diese Hardware findet sich bereits in aktuellen Apple-Geräten wie dem iPhone 17, iPhone Air sowie den Smartwatch-Modellen Apple Watch Ultra 3 und Series 11. Die Precision-Finding-Funktion arbeitet laut Hersteller nun aus 50 Prozent größerer Distanz als zuvor. Diese Funktion leitet Anwender über haptisches, visuelles und akustisches Feedback zum gesuchten Gegenstand. Zusätzlich erhöht ein aktualisierter Bluetooth-Chip di...

Chinesische Autobauer verdoppeln Europa-Absatz – Plug-in-Hybride explodieren um 600 Prozent

Chinesische Autohersteller haben ihre Verkäufe in Europa 2025 nahezu verdoppelt – während der Gesamtmarkt nur um zwei Prozent wuchs. Der Erfolg basiert vor allem auf Plug-in-Hybriden, deren Absatz bei chinesischen Marken um mehr als 600 Prozent explodierte, wie aus Daten des Branchendienstes Dataforce hervorgeht. Der chinesische Hersteller BYD verkaufte in der EU 128.827 Fahrzeuge und verzeichnete damit mehr als eine Verdreifachung seiner Absätze. Zum Vergleich: Tesla musste einen Rückgang von fast 38 Prozent auf 150.504 Neuzulassungen hinnehmen. Insgesamt wurden in der Europäischen Union 10,8 Millionen Pkw neu zugelassen, ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber 2024, wie der Branchenverband Acea mitteilte. Die chinesischen Hersteller konzentrieren sich strategisch auf Plug-in-Hybride – entgegen den lange gehegten EU-Befürchtungen, wonach vor allem reine Elektroautos aus China den Markt erobern würden. Deutsche Hersteller mit gemischter Bilanz Der Volkswagen-Konzern steigerte seine Verkäufe...

Swarovski und Ostrowski moderieren ESC in Wien: Fünf Länder boykottieren Event

Victoria Swarovski und Michael Ostrowski moderieren den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) in Wien. Der österreichische Fernsehsender ORF gab das Moderationsduo für die Musikshow bekannt, die im Mai mit neun Live-Shows über die Bühne geht. Das Finale findet am 16. Mai statt. Die 32-jährige Swarovski zeigte sich bei ihrem ersten Auftritt vor der Presse geehrt. Sie sagte dem ORF: «Als die Anfrage kam, musste ich im ersten Moment zweimal hinschauen. Aber mir war klar, dass ich sofort zusagen muss und mich dieser Herausforderung stellen will.» Die TV-Moderatorin ist vor allem durch RTLs «Let's Dance» bekannt, wo sie seit Jahren als Moderatorin tätig ist. Auch Ostrowski freut sich auf die Zusammenarbeit. Der Schauspieler, der unter anderem aus Filmen wie «Der Onkel» und TV-Serien wie «Ein Krimi aus Passau» bekannt ist, erklärte: «Victoria ist eine tolle Partnerin, und ich bin überzeugt davon, dass wir das gemeinsam super schaukeln werden.» Format und Termine Der ESC umfasst insg...

Verdi-Warnstreik ab Montag: U-Bahnen und Busse fallen aus – rund 270.000 Schüler betroffen

Ein 24-stündiger Warnstreik legt am Montag den öffentlichen Nahverkehr in Hamburg weitgehend lahm. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Hamburger Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) zum Ausstand aufgerufen. Ab drei Uhr morgens fahren weder U-Bahnen noch die meisten Busse. Auch die Nachtbusse von Montag auf Dienstag fallen aus. Rund 270.000 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Fahrgäste sind betroffen. Hochbahn und VHH teilten mit, sie rechneten nicht damit, den Bus- und U-Bahn-Betrieb aufnehmen zu können. Die Unternehmen bitten Fahrgäste, auf unnötige Fahrten zu verzichten und auf Alternativen auszuweichen. Der Streik betrifft S-Bahn und Hadag-Fähren nicht, sie fahren planmäßig. Forderungen der Gewerkschaft Verdi fordert für die Hochbahn-Beschäftigten eine Lohnsteigerung von 7,5 Prozent mit einer Sozialkomponente für untere Lohngruppen. Auszubildende sollen ebenfalls 7,5 Prozent mehr Vergütung erhalten sowie einen monatlichen Mietkostenzuschuss von...

'Gehirne nicht verkäuflich': Macron will Social Media für unter 15-Jährige verbieten

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drängt auf ein rasches Verbot von Social Media für Kinder unter 15 Jahren. Er hat sein Kabinett angewiesen, ein beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren einzuleiten, damit die Regelung bereits im September zum Start des neuen Schuljahres in Kraft treten kann. Das Parlament prüft die Gesetzesvorlage am Montag in öffentlicher Sitzung. Der französische Sender BFM-TV veröffentlichte am späten Samstagabend ein Video, in dem sich Macron unmissverständlich äußerte: «Die Gehirne unserer Kinder und Jugendlichen sind nicht verkäuflich.» Er fügte hinzu: «Die Emotionen unserer Kinder und Jugendlichen sind nicht verkäuflich oder manipulierbar. Weder von amerikanischen Plattformen noch von chinesischen Algorithmen.» Was geplant ist Das Verbot umfasst nicht nur Social Media für unter 15-Jährige. Macron kündigte in einem Video an die Abgeordnete Laure Miller an, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete: «Wir verbieten soziale Medien für unter 15-Jährige, und wir werd...