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Nexperia-Krise: Deutschen Autobauern drohen Produktionsstopps

Der deutschen Autoindustrie drohen kurzfristige Produktionsstopps. Der niederländische Chiphersteller Nexperia hat die Lieferung von Wafern an sein chinesisches Werk in Dongguan eingestellt - und verschärft damit eine bereits angespannte Versorgungslage dramatisch. Seit dem 26. Oktober erhalten die Fertigungsanlagen in China keine Vorprodukte mehr für die Chip-Herstellung.

Grund für den Lieferstopp ist ein Zahlungsstreit. Interim-Chef Stefan Tilger begründete die Entscheidung in einem Brief als «Reaktion darauf, dass das örtliche Management sich nicht an seine Zahlungsverpflichtungen gehalten hat». Nexperia stellte klar: «Solange die vertraglichen Verpflichtungen nicht vollständig erfüllt werden, können wir die Versorgung mit Wafern nicht wieder aufnehmen.» Das chinesische Werk hatte zuletzt auf Yuan-Zahlungen statt auf Fremdwährungen wie den US-Dollar umgestellt.



Politischer Konflikt verschärft Krise

Die Eskalation hat eine politische Vorgeschichte. Ende September hatte die niederländische Regierung die Kontrolle über Nexperia übernommen - das Unternehmen gehört zum chinesischen Konzern Wingtech. Als Reaktion verhängte Peking ein Exportverbot für fertige Nexperia-Produkte. Der aktuelle Lieferstopp verschärft die Lage zusätzlich.

Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius brachte die Dimension auf den Punkt: «Dies ist eine politisch verursachte Situation.» Er verwies auf Spannungen «vor allem im Verhältnis zwischen den USA und China, während Europa in der Mitte gefangen ist». Die Autoindustrie drängt auf eine schnelle diplomatische Lösung.

Dramatische Warnsignale aus der Branche

Die Lage spitzt sich täglich zu. Der europäische Herstellerverband Acea warnte: «Die Lage für die weltweile Automobilproduktion verschärft sich täglich.» Analyst Pal Skirta vom Bankhaus Metzler erklärte: «Das Risiko, dass es zu Produktionsunterbrechungen kommen könnte, wird von Tag zu Tag größer.»

Besonders alarmierend: Selbst Bosch, als resilientester Lieferant der Branche bekannt, bekommt keine Nexperia-Chips mehr. Chip-Experte Martin Geißler sagte: «Wenn selbst Bosch keine Chips von Nexperia mehr bekomme, zeigt das: Die Lieferkette bricht. Bosch ist in der Hinsicht ein Seismograf der Branche.» Die Lagerbestände in Europa leeren sich rapide, die Preise sind laut Noureddine Seddiki vom Elektronik-Broker Sand & Silicon «exorbitant gestiegen».

Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW suchen fieberhaft nach alternativen Lieferanten. Die Zertifizierung neuer Bauteile dauert allerdings Monate. An großen deutschen VW-Standorten bereitet man sich intern bereits auf Kurzarbeit vor. Nexperia arbeitet nach eigenen Angaben an alternativen Lösungen, um die Versorgung der Kunden sicherzustellen.





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