Direkt zum Hauptbereich

Hals kratzt, Nase läuft: So wirst du die Erkältung los

Die Nase läuft, Schlucken tut weh, Arme und Beine fühlen sich schwer an: So fühlen sich derzeit viele. Das eine Wundermittel gegen Infekte gibt es zwar nicht. Aber wir können einiges tun, um besser durch eine Erkältung zu kommen.

Ich merke ein Halskratzen. Was mache ich jetzt am besten?

Bahnt sich eine Erkältung an, «dann sollte man versuchen, sich warm zu halten und ausreichend zu schlafen», rät Uwe Popert. Er ist Sektionssprecher Hausärztliche Praxis der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin.

Vielleicht gehören sie aber auch zur Fraktion «Nun schnell so viele Vitamine wie möglich in den Körper!» – in der Hoffnung, den Infekt noch aufzuhalten. «Ob eine Menge an Vitamin C hilft, darüber gibt es verschiedene Studienaussagen», sagt Popert. «Zumindest eine Einnahme von hoch dosierten Tabletten scheint nicht förderlich zu sein.» Was nie schadet: eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Und auch wenn uns ein Infekt so gar nicht in den Kram passt: Wir müssen akzeptieren, dass er da ist – und den Signalen des Körpers Aufmerksamkeit schenken. «Wenn man sich ausgepowert, kraftlos, müde, kaputt fühlt – dann sollte man nicht einfach weitermachen, sondern einen Gang herunterschalten», sagt Ivo Grebe, Hausarzt in Aachen.

Es gibt kein Wundermittel gegen Erkältungen, aber wir können einiges tun, um Halsschmerzen und Schnupfen in den Griff zu bekommen. Symbolfoto: Bernd Weißbrod/dpa

Es gibt kein Wundermittel gegen Erkältungen, aber wir können einiges tun, um Halsschmerzen und Schnupfen in den Griff zu bekommen. Symbolfoto: Bernd Weißbrod/dpa

Kann ich erkennen, ob es eine normale Erkältung, eine Grippe oder eine Coronainfektion ist, die mich lahmlegt?

Eine klare Unterscheidung nur anhand der Symptome ist kaum möglich – einige Anhaltspunkte gibt es aber.

Kommt der Infekt auch mit Magen-Darm-Beschwerden und Kopfweh, kann die Coronavirus-Variante Pirola dahinterstecken. «Und wenn ein schlagartiger Beginn da ist – mit hohem Fieber, starker Abgeschlagenheit -, kann das eine beginnende Influenza-Infektion sein», sagt Uwe Popert. Die Grippe spielt derzeit – Ende November – im Infektionsgeschehen aber noch keine große Rolle. In aller Regel setzt die Grippewelle im Januar ein.

Auch wenn wir alle seit der Pandemie ein größeres Interesse daran haben, mit welchem Virus unser Immunsystem gerade kämpft: Für Medizinerinnen und Mediziner ist diese Info relativ unerheblich, wie Popert sagt. Denn: Diese Viren lassen sich allesamt nicht medikamentös behandeln.

Einzige Ausnahme: Antivirale Medikamente, die zu Beginn einer Coronainfektion bei Risikopatientinnen und -patienten eingesetzt werden können und schwere Verläufe verhindern sollen. Ihr Einsatz muss aber gründlich abgewogen wird.

Ansonsten gilt: «All die Mittel, die es gegen Erkältungen gibt, dienen am Ende nur dazu, die subjektiven Symptome und Beeinträchtigungen zu lindern», sagt Ivo Grebe. Die Lutschtablette sorgt dafür, dass der Hals beim Schlucken weniger schmerzt. Die Schmerztablette lindert die Gliederschmerzen. «Aber dadurch verkürzt sich der Krankheitsverlauf nicht», stellt der Mediziner klar.

Was muss ich wissen, wenn ich jetzt einen Corona-Selbsttest mache?

Was zu beachten ist bei Kits, die viele Monate in Schubladen verbracht haben: «Sie haben ein Verfallsdatum. Und auch die Lagerung kann sie beeinflussen: Wenn der Test etwa auf der Heizung oder in der Sonne gelegen hat, würde ich nicht dafür bürgen, dass das Ergebnis stimmt», sagt Uwe Popert.

Und natürlich gilt weiterhin: Beim ersten Halskratzen werden längst noch nicht genug Virus-Bestandteile ausgeschieden, um den zweiten Strich auf der Testkassette zu färben. «Einen positiven Selbsttest hat man erst zwei, drei Tage später», sagt Popert.

Was hilft gegen die lästigen Beschwerden?

Abwarten und Tee trinken ist ein Anfang. Oder ein anderes Getränk. Denn den Körper mit viel Flüssigkeit zu versorgen, ist bei einem Infekt ein Muss. Aus mehreren Gründen, wie Ivo Grebe erklärt: «Das reduziert die Viruslast im Nasen-Rachen-Raum. Außerdem ist der Körper nun stärker gefordert und setzt mehr Flüssigkeit um.»

Wer Gliederschmerzen hat, kann Schmerzmittel einnehmen. Hat man allerdings Magenbeschwerden, verzichtet man besser auf Schmerzmittel wie Ibuprofen oder ASS (Acetylsalicylsäure). «Paracetamol belastet den Magen weniger», sagt Uwe Popert.

Wohltuend kann Inhalieren sein. Welche Zusätze – ätherische Öle etwa – am besten helfen, ist Popert zufolge noch nicht ausreichend erforscht. Wer sich also mit Handtuch über dem Kopf über einen Topf mit warmem Wasser beugt, entscheidet am besten nach seinen persönlichen Vorlieben, ob er etwas zugibt und was. «Wer einen Kamillendampf angenehmer findet als reinen Wasserdampf, sollte den auf jeden Fall wählen.»

Was lässt uns besser schlafen?

Auf vielen Nachttischen steht bei Erkältungen ein Nasenspray, um nachts Luft durch die Nase zu bekommen. «Ich empfehle allerdings ein Kinder-Nasenspray», sagt Popert. Präparate für Erwachsene sind höher dosiert. Das macht die Nase zwar gut frei, sorgt aber für stärkere Schädigungen der Nasenschleimhaut, wenn man es länger als eine Woche nutzt.

Ansonsten kann man vor dem Schlafengehen auf eine Nasenspülung mit einer Kochsalzlösung setzen. «Wenn man die selber herstellt – bitte nicht salziger machen, als Meerwasser wäre. Denn das kann Nasenbluten verursachen», warnt Popert. Wer ein bis zwei gestrichene Teelöffel Kochsalz in einem Liter Wasser auflöst, ist auf der sicheren Seite.

Und gegen den Husten? «Heiße Milch mit Honig ist tatsächlich ein in Studien erprobtes Mittel, das gar nicht so schlecht gegen Husten hilft», sagt Popert.

Ich hangele mich von einem Infekt zum nächsten – habe ich eine Immunschwäche?

Der Verdacht auf eine Immunschwäche besteht laut Uwe Popert erst, wenn mehr als zwölf schwere Infekte in einem Jahr auftreten. «Viel öfter steht hinter häufigen Atemwegsinfekten eine Allergie im Bereich der Nasenschleimhäute.»

Wer aufgrund einer Allergie gegen Hausstaub, Schimmelpilze oder Pollen ohnehin oft eine verstopfte Nase hat, ist Popert zufolge oft auch anfälliger für Atemwegsinfekte. Das kann eine mögliche Erklärung sein, warum es einige immer wieder erwischt.

Wie schütze ich mich vor Infekten?

Ganz umgehen lässt sich wohl kein Infekt – aber wir können einiges tun, damit unsere Immunabwehr möglichst gut arbeiten kann.

Sich jeden Tag einen kleinen Spaziergang durch den Wald oder Park vorzunehmen, tut im Herbst nicht nur der Stimmung gut – auch das Immunsystem profitiert davon. Und natürlich: bunt und ausgewogen ernähren. «Wer es nicht schafft, so viel Obst und Gemüse zu essen, kann gerne auch mal eine Multivitamin-Tablette in Wasser auflösen», sagt Ivo Grebe. Der Mediziner rät außerdem, eine Grippeschutzimpfung in Betracht zu ziehen. Sie schützt vor schwerem Grippe-Verlauf. dpa


JZ-App
Vorlesen lassen

Kommentare

Beliebte Beiträge

Verdi-Warnstreik ab Montag: U-Bahnen und Busse fallen aus – rund 270.000 Schüler betroffen

Ein 24-stündiger Warnstreik legt am Montag den öffentlichen Nahverkehr in Hamburg weitgehend lahm. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Hamburger Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) zum Ausstand aufgerufen. Ab drei Uhr morgens fahren weder U-Bahnen noch die meisten Busse. Auch die Nachtbusse von Montag auf Dienstag fallen aus. Rund 270.000 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Fahrgäste sind betroffen. Hochbahn und VHH teilten mit, sie rechneten nicht damit, den Bus- und U-Bahn-Betrieb aufnehmen zu können. Die Unternehmen bitten Fahrgäste, auf unnötige Fahrten zu verzichten und auf Alternativen auszuweichen. Der Streik betrifft S-Bahn und Hadag-Fähren nicht, sie fahren planmäßig. Forderungen der Gewerkschaft Verdi fordert für die Hochbahn-Beschäftigten eine Lohnsteigerung von 7,5 Prozent mit einer Sozialkomponente für untere Lohngruppen. Auszubildende sollen ebenfalls 7,5 Prozent mehr Vergütung erhalten sowie einen monatlichen Mietkostenzuschuss von...

YouTube blockiert kostenlose Hintergrundwiedergabe und Downloads von Videos

Wenn du ohne Premium-Abo YouTube-Videos herunterladen willst, sieht es momentan ziemlich düster aus. Viele der bekannten Drittanbieter-Tools verweigern plötzlich den Dienst. Statt einer Videodatei bekommst du nur eine Fehlermeldung serviert. Entwickler berichten, dass Google Download-Anfragen systematisch blockiert. Betroffen sind offenbar die meisten Dienste, die Clips für die Offline-Nutzung bereitstellen. YouTube geht dabei ungewöhnlich hart vor. Nicht nur Downloader geraten ins Visier, sondern auch Apps und Webseiten, die Hintergrundwiedergabe oder Werbeblockade ermöglichen. Alles Funktionen, die Google offiziell nur im Rahmen eines Premium-Abos erlaubt. Premium oder nichts – Googles klare Linie Wenn du YouTube so nutzen willst, wie es Google gern hätte – also Videos herunterladen, ohne Werbung schauen oder im Hintergrund abspielen – brauchst du ein Premium-Abo. Für Einzelpersonen kostet das aktuell 12,99 Euro im Monat oder 129,99 Euro im Jahr. Natürlich gab es bisher zahlreiche To...

Windows 11: Microsoft will das Vertrauen in Windows zurückgewinnen

Das Jahr 2026 soll laut dem Windows-Chef Pavan Davuluri genutzt werden, um auf Kritik aus der Community einzugehen und  Windows 11  zu verbessern. Microsoft will im Jahr 2026 auf das Feedback der Kundschaft hören. Windows 11 soll so verbessert werden, dass es wieder zu einem würdigen Nachfolger von Windows 10 wird. Das gab Windows-Chef Pavan Davuluri in einer Stellungnahme an The  Verge bekannt.  "Wir müssen Windows auf eine Weise verbessern, die für die Menschen sinnvoll ist" , sagte er. In den vergangenen Monaten und Jahren hat sich Windows 11 nicht gerade beliebt gemacht. Der stetige Drang, Microsoft-Produkte zu bewerben und KI-Funktionen zu integrieren, hält viele User bisher noch immer davon ab, vom bald nicht mehr unterstützten Windows 10 abzukehren und auf die neuere Version zu wechseln. "In diesem Jahr werden wir uns darauf konzentrieren, die Probleme anzugehen, die uns immer wieder von unseren Kunden gemeldet werden" , sagte Davuluri.  "D...

20 Milliarden Dollar für KI und Roboter - Tesla beendet Produktion von Model S und X

Tesla beendet die Produktion seiner ersten großen Elektroautos Model S und Model X – und setzt voll auf Roboter und künstliche Intelligenz. Der Elektroautobauer kündigte am Mittwoch während einer Telefonkonferenz an, die Fertigung beider Luxusmodelle im kommenden Quartal einzustellen. Gleichzeitig plant das Unternehmen Investitionen von 20 Milliarden Dollar in diesem Jahr, um die strategische Neuausrichtung voranzutreiben. Die Produktionslinien in Fremont, Kalifornien, werden künftig für die Herstellung des humanoiden Roboters Optimus genutzt. Tesla-Chef Elon Musk treibt die Fokussierung auf künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und Robotik massiv voran. Das traditionelle E-Auto-Geschäft des Unternehmens stagniert. Das Model S kostet rund 95.000 Dollar, das Model X fast 100.000 Dollar. Beide Luxusmodelle verkaufen sich deutlich schlechter als die günstigeren Varianten Model 3 und Model Y, die im vergangenen Jahr fast 97 Prozent aller Auslieferungen ausmachten. Die strategische Entsc...

20 Prozent Wertverlust - US-Dollar stürzt unter Trump massiv ab

Der US-Dollar hat seit Beginn des neuen Jahres massiv an Wert verloren. Seit Donald Trumps Amtsantritt im Januar 2025 büßte die Währung rund 20 Prozent ein – der Wechselkurs rutschte von 1,05 Dollar pro Euro auf zeitweise über 1,20 Dollar. Investoren fliehen aus dem Dollar, Experten warnen vor Risiken für die weltweite Leitwährung. Trumps erratische Politik gilt als Hauptgrund für den Absturz. Der US-Präsident kritisiert wiederholt die Zinspolitik der Notenbank Fed und attackiert deren Chef Jerome Powell mit Beleidigungen. Zusätzlich setzt er Fed-Mitglieder unter juristischen Druck. Seine aggressive Zollpolitik und direkte Eingriffe in die Kapitalmärkte – etwa die Begrenzung von Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen bei Rüstungsunternehmen – erschüttern das Vertrauen der Anleger. Trump befürwortet selbst einen schwächeren Dollar. Er will damit US-Exporte ankurbeln und das Handelsdefizit reduzieren. Kritiker zweifeln jedoch, ob amerikanische Unternehmen überhaupt die Produktionskapaz...