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Erste Asien-Reise: Merz setzt auf Indien statt China

Bundeskanzler Merz hat Indien zu seinem ersten Ziel in Asien gemacht – und damit ein deutliches Signal gesetzt. Anders als seine Vorgänger, die traditionell zuerst nach China oder Japan reisten, besuchte Merz die aufstrebende Wirtschaftsmacht. Die Wahl unterstreicht Indiens wachsende strategische Bedeutung für Deutschland und Europa.

Premierminister Modi empfing den Kanzler in seiner Heimatstadt Ahmedabad im Bundesstaat Gujarat. Die persönliche Geste zeigt: Beide Seiten wollen die Beziehungen vertiefen. Indien sucht neue Handelspartner, Deutschland braucht Zugang zum dynamischsten Wachstumsmarkt Asiens.

Wirtschaftsmotor mit enormem Potenzial

Die Zahlen sprechen für sich: Indien ist mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt und die fünftstärkste Volkswirtschaft – mit hohen Wachstumsraten. Mehr als 2.000 deutsche Unternehmen beschäftigen dort über 500.000 Menschen. Die deutschen Exporte nach Indien stiegen von Januar bis November 2025 um 3,1 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Die Importe erreichten 14,1 Milliarden Euro – mit steigender Tendenz.


«sicherlich eine Zeit, wo Indien auch danach strebt, die Handelsbeziehungen zum Beispiel zu Deutschland oder zu Europa insgesamt auszubauen», erklärte der Ökonom Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft. Hohe US-Zölle und Unsicherheiten auf anderen Märkten verstärken diesen Trend. Der Geschäftsführer der Deutsch-Indischen Handelskammer, Nöther, sprach von einem «absolut guten Zeitpunkt» für den Kanzlerbesuch.

Indien ist auch als Fachkräftereservoir wichtig: Indische Beschäftigte in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) verdienen in Deutschland im Median rund 5.300 Euro monatlich – der höchste Wert unter allen Vollzeitbeschäftigten. Der indische Arbeitsmarkt kann die junge Bevölkerung nicht vollständig aufnehmen, Deutschland kämpft mit Fachkräftemangel.

Freihandelsabkommen soll Dynamik bringen

Die seit Jahren stockenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und Indien könnten neuen Schwung bekommen. Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, erwartet «eine Dynamik in den lange festgefahrenen Verhandlungen». Als Ziel gilt eine Einigung noch in diesem Jahr.

Geopolitischer Balanceakt

Aus deutscher und europäischer Sicht birgt die Zusammenarbeit aber auch Herausforderungen: Indien pflegt enge sicherheitspolitische Beziehungen zu Russland, bezieht von dort Militärausrüstung, Gas und Öl. Die Bundesregierung fordert, Indien solle anti-russische Sanktionen unterstützen und Energieimporte aus Russland reduzieren – doch Neu-Delhi lehnt ab.

Indien verfolgt eine Politik des «Multi-Alignment», wie Christoph Mohr von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Indien erklärt. Das Land will sich Handlungsspielräume sichern, China ausbalancieren und als Stimme des Globalen Südens für eine gerechtere Finanzarchitektur eintreten. Auch die Mitgliedschaft in der BRICS-Allianz versteht Indien nicht als geopolitisches Bekenntnis, sondern als Forum für diese Ziele. Der Kauf von Öl zu Vorzugspreisen diene der Inflationskontrolle und Energiesicherheit – nicht der Russland-Unterstützung.







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