Direkt zum Hauptbereich

TV-Duell: Biden taucht ab, Trump tönt: «brauche kein Training»

Erstmals seit vier Jahren kommt es zu einem direkten Showdown der erbitterten politischen Gegner Joe Biden und Donald Trump. In der deutschen Nacht zu Freitag treten der US-Präsident und sein Amtsvorgänger im laufenden Wahlkampf zum TV-Duell gegeneinander an. Es ist das erste direkte Aufeinandertreffen der beiden seit Oktober 2020, als sie im damaligen Wahlkampf gemeinsam auf einer Fernsehbühne standen. Seitdem waren sie nie wieder zusammen im gleichen Raum – soweit bekannt ist. Damals war Trump noch der Amtsinhaber und Biden der Herausforderer. Diesmal sind die Rollen vertauscht. Und: Trump ist inzwischen ein verurteilter Straftäter.

Sein Schuldspruch in einem New Yorker Prozess um illegal verbuchte Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar hat dem Republikaner im Wahlkampf bislang allerdings nicht geschadet. Trump liegt trotz aller Skandale in Umfragen in etwa gleichauf mit dem demokratischen Amtsinhaber, der mit Imageproblemen rund um sein hohes Alter zu kämpfen hat. Biden ist 81 Jahre alt, Trump ist mit 78 Jahren allerdings kaum jünger.

Die Kombo zeigt US-Präsident Joe Biden am 2. Mai 2024 in Wilmington, N.C. (l) und den republikanischen Präsidentschaftsbewerber und ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung am 1. Mai 2024 in Waukesha, Wisconsin. Foto: -/AP/dpa

Die Kombo zeigt US-Präsident Joe Biden am 2. Mai 2024 in Wilmington, N.C. (l) und den republikanischen Präsidentschaftsbewerber und ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung am 1. Mai 2024 in Waukesha, Wisconsin. Foto: -/AP/dpa

Die Vorbereitung

Der Präsident tauchte für die Vorbereitung auf das Duell über Tage ab und trainierte eine Woche lang im abgelegenen Landsitz Camp David für die Debatte, ohne auch nur einen öffentlichen Termin zu absolvieren. Trump dagegen tönte in den vergangenen Tagen, er brauche nicht viel Training – er habe sich im Grunde sein «ganzes Leben» auf das Duell vorbereitet, und zu debattieren sei ohnehin «vor allem eine Frage der Einstellung».

Die Regeln

Ausrichter der Debatte ist der Fernsehsender CNN. Moderatoren sind die CNN-Journalisten Jake Tapper und Dana Bash. Übertragen wird aus einem Studio in Atlanta im Bundesstaat Georgia. Die Debatte dauert 90 Minuten. Währenddessen wird jeweils das Mikrofon des Präsidentschaftsbewerbers stumm geschaltet bleiben, der gerade nicht spricht.

Biden und Trump müssen außerdem frei sprechen: Sie dürfen keine Spickzettel mit ans Rednerpult nehmen und bekommen lediglich Kugelschreiber und Notizblöcke gestellt. Kontakt zu ihren Wahlkampfteams ist ihnen auch während der beiden Werbepausen verboten. Die Debatte findet ohne Studiopublikum statt. Darauf soll Bidens Wahlkampfteam gedrungen haben.

Das Timing

Dass die erste TV-Debatte der beiden Präsidentschaftsanwärter bereits im Juni stattfindet, ist ungewöhnlich. Trump und Biden sollen erst im Juli und August bei Nominierungsparteitagen zu den offiziellen Kandidaten ihrer Parteien gekürt werden. Die notwendigen Delegiertenstimmen dafür haben sie sich bei den Vorwahlen aber früh im Rennen gesichert – deshalb gelten sie als Kandidaten für die Präsidentenwahl Anfang November gesetzt.

Frühere Aufreger

Im Wahljahr 2020 – damals noch mitten in der Corona-Pandemie – hatte das erste von zwei Biden-Trump-Duellen vor allem wegen des vielen Geschreis der beiden Aufsehen erregt. Doch die Debatte ist noch wegen eines weiteren Vorfalls denkwürdig. Wenige Tage nach dem Schlagabtausch teilte das Weiße Haus damals mit, dass Trump an Covid-19 erkrankt sei. In der Folge war der Republikaner für mehrere Tage im Krankenhaus. Trumps damaliger Stabschef Mark Meadows schrieb etwa ein Jahr später in einem Buch, dass Trump bereits vor der Debatte positiv auf das Coronavirus getestet worden sei, bei einem weiteren Test allerdings ein negatives Testergebnis erhalten habe. Trump wies die Darstellung zurück.

Die Abwesenden

Es gibt neben Biden und Trump zwar noch andere – chancenlose – Bewerber im aktuellen Rennen um das Weiße Haus, die auch gern auf der Fernsehbühne in Atlanta gestanden hätten. Der parteilose Robert F. Kennedy qualifizierte sich allerdings nicht. Der Neffe des früheren Präsidenten John F. Kennedy erreichte unter anderem nicht die von CNN festgelegte Schwelle bei Umfrageergebnissen. Auch der unabhängige Bewerber Cornel West oder Grünen-Kandidatin Jill Stein erfüllten die Voraussetzungen nicht.

Die Begleiterinnen

Offen ist, ob Trump bei der Debatte von seiner Ehefrau Melania begleitet wird. Die ehemalige First Lady zeigte sich seit dem Abschied aus dem Weißen Haus kaum öffentlich, hüllte sich weitgehend in Schweigen und spielte auch im Wahlkampf ihres Mannes bislang kaum keine Rolle. Biden jedenfalls wird laut Weißem Haus seine Frau Jill in Atlanta dabeihaben.

Zuschauen aus Deutschland

Die Fernsehsender Phoenix und ZDF übertragen die Debatte live in der deutschen Nacht zu Freitag ab 02.45 Uhr MESZ. Außerdem werden Livestreams im Internet angeboten, etwa bei Welt.de. Auch der Sender CNN selbst streamt das Duell live auf seiner Webseite CNN.com. Dies ist aus Deutschland allerdings nur mit einer VPN-Verbindung abrufbar.

Die nächste Runde

Eine weitere TV-Debatte zwischen Biden und Trump ist für September geplant und wird vom Sender ABC ausgerichtet. Offen ist noch, ob und wann es wie üblich eine TV-Debatte der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten geben wird. Biden geht wieder mit Kamala Harris an seiner Seite ins Rennen, Trump hat noch keinen Vize benannt. Quelle: dpa




JZ-App
Vorlesen lassen

Kommentare

Beliebte Beiträge

Kanzler Merz in China: Airbus-Milliarden und klare Kante

Friedrich Merz beendet heute seinen ersten China-Besuch als Bundeskanzler. Im Gepäck hat er einen Mega-Deal für die europäische Industrie, aber die Stimmung in Peking war alles andere als ein gemütlicher Kaffeeklatsch. Merz hat deutlich gemacht, dass die Zeiten der einseitigen Abhängigkeit vorbei sind. Der Mega-Deal: Airbus hebt ab Das ist die Schlagzeile, die heute die Börsen befeuert: China plant eine Großbestellung bei Airbus . Umfang: Es geht um bis zu 120 Flugzeuge . Das ist ein massives Signal für den Standort Europa. Hintergrund: Merz wurde von einer riesigen Wirtschaftsdelegation begleitet (die größte seit Merkels Zeiten). Neben Airbus gab es auch Einigungen im Bereich Schweinefleisch-Exporte und Kooperationen beim Klimaschutz. Fairer Handel oder gar keiner Trotz der Milliarden-Deals hat Merz kein Blatt vor den Mund genommen. Er hat drei kritische Punkte direkt bei Staatschef Xi Jinping angesprochen: Handelsdefizit: Deutschland importiert viel mehr aus China als umgekehrt (...

Samsung Galaxy S26 Ultra: Die Rückkehr der Rundungen und der Abschied vom Titan?

Es ist das klassische Spiel kurz vor dem Launch: Die offiziellen Pressebilder sind geleakt und verraten fast alles über das Design. Die wichtigste Nachricht für alle Samsung-Fans: Das kantige Design des Ultra-Modells wird deutlich verändert. Das Design: "Cobalt Violet" ist der neue Star Die Bilder zeigen das S26 Ultra in einem intensiven Cobalt Violet . Auffällig sind vor allem die abgerundeten Ecken . Samsung verabschiedet sich wohl vom extrem eckigen Look des S25 Ultra, um die Handlichkeit des riesigen 6,9-Zoll-Displays zu verbessern. Material-Wechsel: Es gibt heiße Gerüchte, dass Samsung den Titan-Rahmen wieder gegen spezielles, leichteres Aluminium tauscht, um das Gewicht zu drücken und die Kühlung zu verbessern. Kamera-Insel: Die Linsen stehen weiterhin einzeln hervor, sind aber jetzt von einem subtilen, ovalen Rahmen eingefasst, der für mehr Schutz sorgt. Die inneren Werte (Leaks) Power: In Europa wird wohl der brandneue Exynos 2600 (der erste 2nm-Chip von Samsung) ...

Check24: Der heimliche Herrscher über deutsche Verträge

Wenn es um Vergleiche in Deutschland geht, führt an Check24 fast kein Weg vorbei. Das Portal hat sich von einer simplen Website zu einem Giganten entwickelt, der in manchen Branchen eine fast monopolartige Stellung genießt. Doch genau diese Macht sorgt jetzt für Ärger mit den Wettbewerbshütern. Die nackten Zahlen zum Marktanteil Check24 ist nicht nur ein "bisschen" größer als die Konkurrenz, sondern dominiert ganze Sparten: Energie (Strom & Gas): Hier liegt der Marktanteil von Check24 bei neu abgeschlossenen Online-Verträgen bei massiven 60 bis 70 % . Zum Vergleich: Insgesamt werden fast 60 % aller Energieverträge in Deutschland mittlerweile online abgeschlossen. Kfz-Versicherungen: In der Wechselsaison (November) gehen Schätzungen davon aus, dass Check24 ebenfalls einen Marktanteil von 80 bis 90 % unter den Vergleichsportalen hält. Reisen & Finanzen: Auch hier jagt das Portal den etablierten Playern wie Booking.com oder klassischen Banken immer mehr Anteile ab. D...

Samsung Unpacked 2026: Viel KI, wenig Neues beim Design

Gestern am 25. Februar 2026 hat Samsung das S26 Ultra vorgestellt. Doch wer auf eine Design-Revolution gehofft hat, wurde enttäuscht. Das Rad wurde in Seoul heute nicht neu erfunden – stattdessen setzt Samsung auf Feinschliff im Inneren und ein Feature, das vor allem Pendler und Business-User freuen dürfte: den neuen „Privacy Screen“. Die S26-Serie: Optischer Stillstand? Das Galaxy S26 Ultra sieht auf den ersten Blick aus wie das S25 Ultra und das S24 Ultra davor. Samsung scheint sich im „Apple-Modus“ zu befinden: Ein Design wird über Jahre beibehalten. Zwar sind die Displayränder noch einmal minimal geschrumpft und das Gehäuse ist aus einem neuen, noch leichteren „Titanium Grade 5“, aber der optische Reiz des Neuen fehlt dieses Jahr fast komplett. Die wirkliche Power steckt im Snapdragon 8 Gen 5 , aber mal ehrlich: Merken wir im Alltag wirklich, ob die App in 0,02 oder 0,01 Sekunden öffnet? Das Highlight: Der „Advanced AI Privacy Screen“ Das Feature, über das nach der Keynote alle sp...

Spahn räumt auf: Die 65-Prozent-Regel fällt!

Lange wurde gestritten, jetzt ist es amtlich. Unionsfraktionschef Jens Spahn hat heute Abend verkündet, dass das umstrittene Heizungsgesetz der alten Ampel-Regierung Geschichte ist. In einem neuen Eckpunktepapier mit der SPD wurde das Gesetz komplett umgekrempelt. Die wichtigsten Änderungen Weg mit dem Zwang: Die berüchtigte 65-Prozent-Regel (dass jede neue Heizung zu 65 % mit Ökostrom betrieben werden muss) wird komplett gestrichen. Technologieoffenheit: Öl- und Gasheizungen dürfen weiterhin neu in Wohnhäuser eingebaut werden. Spahns Ansage dazu: „Der Keller wird wieder Privatsache.“ Förderung bleibt: Wer trotzdem auf Wärmepumpen oder andere klimafreundliche Systeme setzt, bekommt weiterhin staatliche Unterstützung – die Förderung wird bis mindestens 2029 sichergestellt. Neuer Name: Das Ganze heißt jetzt nicht mehr Gebäudeenergiegesetz (GEG), sondern wird passenderweise in Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) umbenannt. Die "Hintertür": Der CO2-Preis Ganz ohne Klimaschu...