Direkt zum Hauptbereich

ÖPNV-Warnstreik: Die wichtigsten Tipps für Pendler, Patienten und Schüler

Ob zur Schule, auf die Arbeit oder zum Arzttermin: Wer in dieser Woche auf Bus, Straßenbahn oder U-Bahn angewiesen ist, wird vielerorts vergeblich an der Haltestelle warten. Der Grund: eine bundesweite Warnstreikwelle.

Laut der Gewerkschaft Verdi sind bis Samstag regional an unterschiedlichen Tagen Arbeitskämpfe geplant, mit dem Freitag (1. März) als Hauptstreiktag. Bayern ist als einziges Bundesland nicht betroffen. Die Warnstreiks dürften zu Tausenden Ausfällen von Bussen, U- und Tram-Bahnen führen. Immerhin: Die meisten S-Bahnen in Deutschland werden wohl fahren. Wer kann, schwenkt also um.

Generell ist es ratsam, frühzeitig zu checken, ob die Verbindung fährt – etwa über die App des jeweiligen Verkehrsunternehmens. Denn was einem bewusst sein sollte: Dass Bus oder Bahn nicht fahren, hält oft nicht als Begründung für das Versäumen von Terminen und Verpflichtungen stand. Die wichtigsten Tipps für Pendler, Patienten und Schüler:

Arbeit: Warnstreik ist keine Entschuldigung

Auf der Info-Tafel gibts Hinweise zum Warnstreik der Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Symbolfoto: Paul Zinken/dpa
Auf der Info-Tafel gibts Hinweise zum Warnstreik der Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Symbolfoto: Paul Zinken/dpa

«Chefin, die U-Bahn fährt nicht! Ich komm' später!» Wer kurz vor Dienstbeginn so eine Nachricht absetzt, riskiert eine Abmahnung. Denn Berufstätige dürfen nicht einfach zu spät zur Arbeit kommen. Sie tragen das sogenannte Wegerisiko und sind selbst dafür verantwortlich, rechtzeitig im Betrieb zu erscheinen.

Andernfalls können Gehaltseinbußen oder Sanktionen drohen. «Wenn ich nicht zur Arbeit komme, gilt der Grundsatz: ohne Arbeit kein Geld», so Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Arbeitgeber können Beschäftigte auch abmahnen, wenn diese zu spät oder gar nicht im Unternehmen erscheinen. Das ist zumindest immer dann möglich, wenn der Streik – wie in diesem Fall – rechtzeitig vorher angekündigt worden ist.

Für Pendler heißt das: Nach Alternativen suchen. Dabei muss man in der Regel auch höhere Kosten in Kauf nehmen, etwa weil man mit dem Auto zur Arbeit fährt.

Grundsätzlich lautet die Empfehlung des Fachanwalts: frühzeitig Absprachen mit dem Arbeitgeber treffen. Unter Umständen können auch eine Freistellung, Urlaub oder der Abbau von Überstunden für den Warnstreik-Tag eine Möglichkeit sein. Oder außer der Reihe Homeoffice ist die beste Lösung, wenn es entsprechende Vereinbarungen gibt.

Arzttermin: Im Zweifel lieber absagen

Bei kurzfristigen Absagen verlangen Ärztinnen und Therapeuten mitunter Ausfallhonorare. Wann diese eingefordert werden dürfen und wann nicht und welche Absagefristen dabei gelten, das ist aus rechtlicher Sicht nicht in wenigen Sätzen zu beantworten.

Grundsätzlich gilt aber der Rat: Lieber so früh wie möglich absagen und um eine Verschiebung bitten, wenn man befürchtet, wegen des ÖPNV-Warnstreiks den Termin nicht wahrnehmen zu können. Was dabei nicht schaden kann: den Warnstreik als Grund für die Absage offenzulegen. Gut möglich, dass die Praxis dann ein Auge zudrückt.

Sinnvoll ist, die Absage zu dokumentieren. So hat man etwas in der Hand, sollte es doch Ärger geben. Das geht, indem man die Absage als Mail an die Praxis schickt und somit später nachweisen kann, wann sie herausgegangen ist. «Wenn man telefonisch absagt, sollte man sich den Namen der Person, mit der man gesprochen hat, notieren und auch den Zeitpunkt», rät der Rechtsanwalt Prof. Martin Stellpflug, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht im Deutschen Anwaltverein.

Schule: Erscheinen bleibt Pflicht

Der Schulbus oder die Bahn fährt nicht? Ärgerlich, aber keine Ausrede für einen freien Tag. «Der Streik im Nahverkehr ändert nichts an der Schulpflicht», sagt Wilhelm Achelpöhler, Anwalt für Verwaltungsrecht aus Münster.

Er vermutet zwar, dass kein Schulträger wegen eines einzelnen Tages ein Problem daraus machen wird. Streng genommen handele es sich aber um eine Ordnungswidrigkeit. Theoretisch könnte also ein Bußgeld verhängt werden.

Der Rat des Juristen an Eltern: Da sie von der Streiksituation nicht alleine betroffen sind, würde er als Erstes in der Schule nachfragen, ob dort nicht vielleicht schon etwas organisiert wurde – etwa Sammeltaxis. Wenn der Weg gerade auf dem Land sehr weit ist und mehrere Schüler betroffen sind, könne man auch selbst Fahrgemeinschaften organisieren.

Wenn alles nicht klappt und es dem Kind unmöglich ist, zur Schule zu kommen, gilt: zumindest rechtzeitig Bescheid geben.

Und was ist mit Entschädigungen?

Kommen der ICE oder die Regionalbahn streikbedingt mehr als eine Stunde zu spät oder fällt aus, stehen Betroffenen Entschädigungen gemäß der europäischen Fahrgastrechte zu. Doch beim ÖPNV sieht das anders aus: Der Nahverkehr wird von diesen Fahrgastrechten nicht erfasst, wie Beatrix Kaschel von der Schlichtungsstelle Nahverkehr erklärt.

Mit Blick auf den ÖPNV-Warnstreik an vielen Orten über die nächsten Tage heißt das: Verpasst man einen wichtigen Termin oder einen Fernzug, weil die U-Bahn oder der Bus nicht kommt? Leider Pech. Auf Entschädigungen braucht man nicht zu hoffen.

Auch Pünktlichkeitsversprechen, die kommunale Verkehrsbetriebe teils geben und wonach man ab gewissen Verspätungen eine Erstattung beantragen kann, gelten laut der Fachfrau in der Regel nicht bei Warnstreiks. Quelle: dpa


JZ-App
Vorlesen lassen

Kommentare

Beliebte Beiträge

MWC 2026: Wenn das Smartphone zur Rolle wird und Roboter tanzen

Während die Weltpolitik den Atem anhält, zeigt Barcelona heute am 3. März 2026 , dass die technologische Entwicklung kein Halten kennt. Der Abschied vom Knick: Die Ära der "Rollables" Das große Thema dieses Jahr ist nicht mehr nur das Falten, sondern das Rollen . Motorola & Samsung: Beide Giganten haben heute Prototypen gezeigt, bei denen das Display per Motor aus dem Gehäuse fährt. Der Vorteil: Keine nervige Falte mehr in der Mitte! Das Display rollt sich wie eine antike Pergamentrolle im Inneren auf. Das Gerät bleibt kompakt wie ein normales Handy, wird aber auf Knopfdruck zum 8-Zoll-Tablet. Ein Rollable Laptop von Lenovo. Sieht so die Zukunft aus? Haltbarkeit: Samsung behauptet, die Mechanik halte nun über 300.000 Rollvorgänge aus – das reicht locker für mehrere Jahre. Motorola "Razr Fold": Der neue Endgegner für Samsung Motorola hat heute alle Details zum Razr Fold bestätigt, und das Teil ist eine Ansage an das Galaxy Z Fold 7: Helligkeit: Unfassbare 6....

Die Weltwirtschaft am Abgrund: Was die Hormus-Blockade wirklich kostet

Die Straße von Hormus ist zu und das ist kein kleines Problem, sondern ein wirtschaftlicher Flächenbrand.  Die Zahlen der Krise: Der tägliche Preis: Experten sprechen von Kosten in zweistelliger Millionenhöhe pro Tag , allein durch explodierende Versicherungsprämien für Tanker und Zusatzkosten durch Umwege. Die Blockade der Straße von Hormus kostet die Weltwirtschaft jeden Tag Millionen!  Der wirtschaftliche Kollaps: Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt vor einem BIP-Verlust in Deutschland von rund 40 Milliarden Euro über die nächsten zwei Jahre, falls der Ölpreis auf einem hohen Niveau verharrt. Das Volumen: Ein Fünftel des weltweiten Öls und ein Viertel des globalen Flüssiggases (LNG) stecken fest. Über 68 Tanker liegen derzeit völlig untätig vor der Meerenge – Stillstand statt Energieversorgung. Warum trifft uns das in Deutschland? Auch wenn wir unser Öl aktuell aus anderen Quellen beziehen: Der globale Marktpreis ist eins. Steigt der Preis für Brent-Öl, steigen ...

Pixel Desktop-Modus: Wird dein Smartphone jetzt zum echten PC-Ersatz?

Es ist offiziell: Mit dem März-Update 2026 hat Google das Feature freigeschaltet, auf das viele Pixel-Nutzer seit Jahren gewartet haben. Der neue Desktop-Modus verwandelt dein Pixel-Smartphone (ab der 8. Generation) bei Anschluss an einen externen Monitor in eine waschechte Produktivitätsmaschine. Was steckt wirklich unter der Haube? Das Update basiert auf dem neuen Jetpack WindowManager 1.5.0 , der dafür sorgt, dass Apps nicht mehr einfach nur großgezogen werden, sondern sich dynamisch an die Desktop-Umgebung anpassen. Echtes Multitasking: Du kannst endlich mehrere Fenster gleichzeitig öffnen, ihre Größe ändern und sie wie in Windows oder macOS über den Bildschirm schieben. Google Pixel Handys haben endlich einen Desktop Modus Taskleiste & Snap-Funktion: Wer Windows liebt, wird sich sofort zu Hause fühlen. Die Taskleiste am unteren Rand und das Andocken von Fenstern an die Bildschirmränder („Window Snapping“) machen das Arbeiten am großen Screen extrem effizient. Extern-Support...

Historische Wende: Der Kölner Dom kostet künftig Eintritt!

Das Domkapitel gestern auf einer Pressekonferenz das Unfassbare bestätigt: Touristen müssen ab der zweiten Jahreshälfte 2026 erstmals zahlen, um das UNESCO-Weltkulturerbe von innen zu sehen. Warum jetzt die Kehrtwende? Finanzielle Not: Der Unterhalt des Doms verschlingt unfassbare 16 Millionen Euro pro Jahr;  das sind etwa 44.000 Euro jeden Tag . Reserven aufgebraucht: Seit 2019 hat der Dom jedes Jahr ein Minus gemacht.Die Rücklagen sind nun schlichtweg am Ende, und das Erzbistum hat die Zuschüsse eingefroren. Das Ende einer Ära in Köln! Ab Mitte 2026 kostet der Besuch im Dom für Touristen erstmals Eintritt. Wer muss zahlen – und wer nicht? Touristen: Wer nur zum Schauen kommt, wird zur Kasse gebeten. Die genaue Höhe der „Besichtigungsgebühr“ steht noch nicht fest, aber die Entscheidung ist gefallen. Gläubige: Wer zum Beten , für einen Gottesdienst oder zum Anzünden eines Opferlichts kommt, hat weiterhin freien Eintritt . Es soll spezielle Bereiche für das stille Gebet geben,...

Das iPhone 17e: Flaggschiff-Power zum Sparpreis?

Apple nennt es das günstigste iPhone mit voller Apple Intelligence -Unterstützung. Während das Design vertraut bleibt, hat sich unter der Haube massiv was getan: Der Chip-Hammer: Im Inneren werkelt der brandneue A19-Chip (mit 4-core GPU), genau wie im normalen iPhone 17. Das bedeutet brachiale Leistung für Gaming und KI, die man in dieser Preisklasse sonst nicht findet. Apples iPhone 17e Endlich MagSafe: Das iPhone 16e wurde noch für das fehlende MagSafe kritisiert – Apple hat zugehört. Das 17e unterstützt jetzt volles MagSafe-Laden und Qi2 mit bis zu 15W . Speicher-Upgrade: Der Einstiegspreis bleibt stabil bei 599 $ (in Deutschland ab ca. 700 €), aber Apple verdoppelt den Basisspeicher von 128 GB auf satte  256 GB . Display & Design: Es bleibt bei handlichen 6,1 Zoll . Während einige auf die Dynamic Island gehofft hatten, bleibt Apple bei der klassischen Notch , um den Preis niedrig zu halten. Auch die Bildwiederholrate ist weiterhin auf 60 Hz begrenzt. Kamera: Die 4...