Direkt zum Hauptbereich

Bleiben die «Titan»-Insassen für immer auf dem Meeresgrund?

Gerade einmal knapp 500 Meter vom Bug der «Titanic» entfernt wurden die Trümmerteile des Tauchboots «Titan» entdeckt. Hoffnungen, die fünf Männer an Bord noch lebend zu finden, waren damit umgehend zerschlagen. Alles deutet darauf hin, dass der Rumpf des Boots dem enormen Wasserdruck nachgegeben hat und implodiert ist. Manche Fragen sind jetzt endgültig geklärt, viele Fragen sind noch immer offen.

Wann geschah das Unglück?

Der genaue Zeitpunkt des Unglücks ist noch unbekannt. Sonarbojen hätten kein «katastrophales Ereignis» wahrgenommen, teilte die Küstenwache mit. US-Medien zufolge registrierte aber ein akustisches Unterwassererkennungssystem der US-Navy bereits am Sonntag ein auffälliges Geräusch. Das könnte darauf hinweisen, dass die «Titan» bereits implodiert war, als das Mutterschiff keinen Kontakt mehr herstellen konnte.

Dem Hollywood-Regisseur und Tiefsee-Entdecker James Cameron zufolge spricht aber auch der Fundort der Trümmer dafür, dass das Unglück bereits unmittelbar beim Kontaktabbruch geschah, als das Tauchboot noch unterwegs zum «Titanic»-Wrack war. Grund sei, dass nicht nur die Kommunikation mit der «Titan» abbrach, sondern das Boot gleichzeitig auch nicht mehr habe geortet werden können. «Das einzige Szenario, das mir in den Sinn kam und das dies erklären konnte, war eine Implosion», sagte Cameron am Freitag dem Sender CNN.

Haben die Insassen die Implosion mitbekommen?

Die Insassen des «Titan»-Tauchboots haben Experten zufolge von der Implosion ihres Gefährts nichts mehr mitbekommen. Der Druck auf das Tauchboot sei in so großer Tiefe enorm gewesen – die Implosion sei im Bruchteil einer Millisekunde passiert, zitierte der Sender CNN am Freitag Ex-Marineoffizierin Aileen Marty, eine Professorin für Katastrophenmedizin.

Das menschliche Gehirn könne die Lage so schnell gar nicht erfassen. «Das ganze Ding ist kollabiert, bevor die Menschen darin überhaupt bemerken konnten, dass es ein Problem gab», betonte Marty. «Letztlich ist dies mit Blick auf die vielen Möglichkeiten, auf die wir sterben können, schmerzlos.»

Warum ist das U-Boot implodiert?

Bei einer Implosion bricht ein Objekt schlagartig zusammen, wenn der Außendruck größer ist als der Innendruck. Sie steht im umgekehrten Kräfteverhältnis zu einer Explosion. Schon der kleinste strukturelle Defekt kann in großer Tiefe eine solche Katastrophe auslösen.

Erkenntnisse darüber dürften sich die Experten durch die entdeckten Trümmerteile erhoffen. Während Personal und Schiffe nun vom Unfallort abgezogen werden, soll die Operationen auf dem Meeresboden zunächst fortgesetzt werden, teilte die US-Küstenwache mit. Im Moment konzentriere man sich darauf, den Ort zu dokumentieren. Die Daten würden analysiert. Die «Titanic» liegt in rund 3800 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund.

Im Einsatzgebiet rund 700 Kilometer südlich der kanadischen Insel Neufundland hatten Trupps aus den USA und Kanada mit Hilfe weiterer Länder seit Verschwinden des Boots am Sonntag eine großangelegte Suche sowohl an der Wasseroberfläche als auch in der Tiefe des Ozeans gestartet. Im Einsatz waren Schiffe, Flugzeuge, Tauchroboter und andere Spezialausrüstung.

Können die Leichen geborgen werden?

An Bord der «Titan» waren der Franzose Paul-Henri Nargeolet (77), der britische Abenteurers Hamish Harding (58), der britisch-pakistanische Unternehmensberater Shahzada Dawood (48) und dessen 19-jähriger Sohn Suleman sowie der Chef der Betreiberfirma Oceangate, Stockton Rush (61), der das Boot steuerte.

Auf die Frage, ob ihre Leichen der geborgen werden könnten, gab es zunächst keine Antwort. Es handele sich in der Gegend des «Titanic»-Wracks um eine «unglaublich erbarmungslose Umgebung», teilte die Küstenwache lediglich mit. Ob sie damit andeutete, dass die Körper durch die Implosion zerstört wurden oder ob sie sich auf Schwierigkeiten bei der Bergung bezog, blieb unklar.

Was das Unglück vermeidbar?

Nach Angaben verschiedener Experten hatten die Entwickler und Betreiber des Tauchboots, die Firma Oceangate, anerkannte Standards umgangen und Warnungen missachtet. Medienberichten zufolge warnte schon 2018 ein Brief der Organisation Marine Technology Society (MTS) vor dem experimentellen Charakter des touristischen Angebots, und dass die Fahrten in einer Katastrophe enden könnten. Auch ein ehemaliger Oceangate-Mitarbeiter soll bereits vor fünf Jahren Sicherheitsbedenken geäußert haben.

«Titanic»-Regisseur James Cameron sieht gar Parallelen zur Katastrophe des Jahres 1912. «"Titan", Titanic, wissen Sie, der Größenwahn, die Arroganz. Das ist alles wieder da», sagte Cameron der BBC in einem am Freitag ausgestrahlten Interview. «Es ist eine große Ironie, dass da jetzt ein weiteres Wrack neben der Titanic liegt, und zwar aus dem gleichen Grund» – weil die Warnungen nicht beachtet worden seien, sagte Cameron.

Das Unternehmen äußerte sich laut BBC zunächst nicht zu den Vorwürfen. Oceangate Mitbegründer Guillermo Söhnlein verwies im Gespräch mit dem Radiosender BBC 4 auf die 14-jährige Entwicklungsdauer der «Titan». Wer daran nicht beteiligt gewesen sei, dürfe sich kein Urteil anmaßen, so Söhnlein, der nicht mehr aktiv in dem Unternehmen ist, aber noch Anteile daran hält.

Welche Konsequenzen hat die Katastrophe?

Die Erforschung der Tiefsee in internationalen Gewässern, in denen die «Titan» unterwegs war, ist weitgehend unreguliert, wie der Meereskunde-Experte Simon Boxall von der University of Southampton der BBC sagte. Spekuliert wird nun, dass sich dies infolge der «Titan»-Tragödie ändern könnte.

Und der Chef der auf «Titanic»-Ausstellungsstücke spezialisierten Firma White Star Memories, David Scott-Beddard, sagte dem Sender CNN: «Es wird sicherlich eine Untersuchung nach dieser Katastrophe geben, und deutlich striktere Regeln und Vorschriften werden eingeführt werden.»

Der Bug der «Titanic». Archivfoto: Oceangate Expeditions/PA Media/dpa
Der Bug der «Titanic». Archivfoto: Oceangate Expeditions/PA Media/dpa

JZ-App
Vorlesen lassen

Kommentare

Beliebte Beiträge

MWC 2026: Wenn das Smartphone zur Rolle wird und Roboter tanzen

Während die Weltpolitik den Atem anhält, zeigt Barcelona heute am 3. März 2026 , dass die technologische Entwicklung kein Halten kennt. Der Abschied vom Knick: Die Ära der "Rollables" Das große Thema dieses Jahr ist nicht mehr nur das Falten, sondern das Rollen . Motorola & Samsung: Beide Giganten haben heute Prototypen gezeigt, bei denen das Display per Motor aus dem Gehäuse fährt. Der Vorteil: Keine nervige Falte mehr in der Mitte! Das Display rollt sich wie eine antike Pergamentrolle im Inneren auf. Das Gerät bleibt kompakt wie ein normales Handy, wird aber auf Knopfdruck zum 8-Zoll-Tablet. Ein Rollable Laptop von Lenovo. Sieht so die Zukunft aus? Haltbarkeit: Samsung behauptet, die Mechanik halte nun über 300.000 Rollvorgänge aus – das reicht locker für mehrere Jahre. Motorola "Razr Fold": Der neue Endgegner für Samsung Motorola hat heute alle Details zum Razr Fold bestätigt, und das Teil ist eine Ansage an das Galaxy Z Fold 7: Helligkeit: Unfassbare 6....

Die Weltwirtschaft am Abgrund: Was die Hormus-Blockade wirklich kostet

Die Straße von Hormus ist zu und das ist kein kleines Problem, sondern ein wirtschaftlicher Flächenbrand.  Die Zahlen der Krise: Der tägliche Preis: Experten sprechen von Kosten in zweistelliger Millionenhöhe pro Tag , allein durch explodierende Versicherungsprämien für Tanker und Zusatzkosten durch Umwege. Die Blockade der Straße von Hormus kostet die Weltwirtschaft jeden Tag Millionen!  Der wirtschaftliche Kollaps: Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt vor einem BIP-Verlust in Deutschland von rund 40 Milliarden Euro über die nächsten zwei Jahre, falls der Ölpreis auf einem hohen Niveau verharrt. Das Volumen: Ein Fünftel des weltweiten Öls und ein Viertel des globalen Flüssiggases (LNG) stecken fest. Über 68 Tanker liegen derzeit völlig untätig vor der Meerenge – Stillstand statt Energieversorgung. Warum trifft uns das in Deutschland? Auch wenn wir unser Öl aktuell aus anderen Quellen beziehen: Der globale Marktpreis ist eins. Steigt der Preis für Brent-Öl, steigen ...

Pixel Desktop-Modus: Wird dein Smartphone jetzt zum echten PC-Ersatz?

Es ist offiziell: Mit dem März-Update 2026 hat Google das Feature freigeschaltet, auf das viele Pixel-Nutzer seit Jahren gewartet haben. Der neue Desktop-Modus verwandelt dein Pixel-Smartphone (ab der 8. Generation) bei Anschluss an einen externen Monitor in eine waschechte Produktivitätsmaschine. Was steckt wirklich unter der Haube? Das Update basiert auf dem neuen Jetpack WindowManager 1.5.0 , der dafür sorgt, dass Apps nicht mehr einfach nur großgezogen werden, sondern sich dynamisch an die Desktop-Umgebung anpassen. Echtes Multitasking: Du kannst endlich mehrere Fenster gleichzeitig öffnen, ihre Größe ändern und sie wie in Windows oder macOS über den Bildschirm schieben. Google Pixel Handys haben endlich einen Desktop Modus Taskleiste & Snap-Funktion: Wer Windows liebt, wird sich sofort zu Hause fühlen. Die Taskleiste am unteren Rand und das Andocken von Fenstern an die Bildschirmränder („Window Snapping“) machen das Arbeiten am großen Screen extrem effizient. Extern-Support...

Historische Wende: Der Kölner Dom kostet künftig Eintritt!

Das Domkapitel gestern auf einer Pressekonferenz das Unfassbare bestätigt: Touristen müssen ab der zweiten Jahreshälfte 2026 erstmals zahlen, um das UNESCO-Weltkulturerbe von innen zu sehen. Warum jetzt die Kehrtwende? Finanzielle Not: Der Unterhalt des Doms verschlingt unfassbare 16 Millionen Euro pro Jahr;  das sind etwa 44.000 Euro jeden Tag . Reserven aufgebraucht: Seit 2019 hat der Dom jedes Jahr ein Minus gemacht.Die Rücklagen sind nun schlichtweg am Ende, und das Erzbistum hat die Zuschüsse eingefroren. Das Ende einer Ära in Köln! Ab Mitte 2026 kostet der Besuch im Dom für Touristen erstmals Eintritt. Wer muss zahlen – und wer nicht? Touristen: Wer nur zum Schauen kommt, wird zur Kasse gebeten. Die genaue Höhe der „Besichtigungsgebühr“ steht noch nicht fest, aber die Entscheidung ist gefallen. Gläubige: Wer zum Beten , für einen Gottesdienst oder zum Anzünden eines Opferlichts kommt, hat weiterhin freien Eintritt . Es soll spezielle Bereiche für das stille Gebet geben,...

Das iPhone 17e: Flaggschiff-Power zum Sparpreis?

Apple nennt es das günstigste iPhone mit voller Apple Intelligence -Unterstützung. Während das Design vertraut bleibt, hat sich unter der Haube massiv was getan: Der Chip-Hammer: Im Inneren werkelt der brandneue A19-Chip (mit 4-core GPU), genau wie im normalen iPhone 17. Das bedeutet brachiale Leistung für Gaming und KI, die man in dieser Preisklasse sonst nicht findet. Apples iPhone 17e Endlich MagSafe: Das iPhone 16e wurde noch für das fehlende MagSafe kritisiert – Apple hat zugehört. Das 17e unterstützt jetzt volles MagSafe-Laden und Qi2 mit bis zu 15W . Speicher-Upgrade: Der Einstiegspreis bleibt stabil bei 599 $ (in Deutschland ab ca. 700 €), aber Apple verdoppelt den Basisspeicher von 128 GB auf satte  256 GB . Display & Design: Es bleibt bei handlichen 6,1 Zoll . Während einige auf die Dynamic Island gehofft hatten, bleibt Apple bei der klassischen Notch , um den Preis niedrig zu halten. Auch die Bildwiederholrate ist weiterhin auf 60 Hz begrenzt. Kamera: Die 4...