Direkt zum Hauptbereich

Epic Games entlässt 1.000 Mitarbeiter. Und ein Spiel, das zu viel tragen musste.

Tim Sweeney ist kein Mann, der gerne Schwäche zeigt. Der Gründer und CEO von Epic Games hat jahrelang Kriege gegen Apple und Google geführt, hat Milliarden in den App-Store-Streit gesteckt, hat Fortnite als kulturelles Phänomen und Unreal Engine als Infrastruktur der gesamten Spielebranche positioniert. Er war immer der, der angreift.

Jetzt entlässt er 1.000 Menschen. Und sagt öffentlich, dass Epic deutlich mehr ausgibt als es einnimmt.

Ein Smartphone zeigt einen digitalen Spiele‑Store mit den Titeln Fortnite und Fall Guys, jeweils mit Installationsbutton und farbenfrohen Vorschaubildern. Die Oberfläche ist dunkel gestaltet und hebt die Spielkacheln deutlich hervor.
Fortnite war lange Epic's Fundament



Fortnite war jahrelang das Fundament, auf dem alles andere stand. Creator-Fonds, Engine-Entwicklung, interne Studios, Marketing; all das wurde mit dem Geld bezahlt, das Millionen Spieler für bunte Avatare also Skins und Tanzanimationen ausgaben. Das Modell funktionierte. Bis es nicht mehr funktionierte.

Seit 2025 sinken Spielerzahlen und Spielzeiten spürbar. PlayStation-Spieler reduzierten ihre monatliche Fortnite-Zeit von 21 auf 16 Stunden, Xbox-Spieler von 19 auf 15. Das klingt nach wenig. Summiert man das über Millionen Nutzer, ist es das Ende einer Gewissheit. Weniger Zeit im Spiel bedeutet weniger Impulskäufe im Item-Shop, weniger V-Bucks, weniger von allem, wovon Epic lebt.

Epic hat reagiert, wie Unternehmen in dieser Lage reagieren: erst die Preise erhöht: V-Bucks kosten jetzt mehr, und dann festgestellt, dass das nicht hilft, wenn die Leute seltener spielen. Mehrere Spielmodi wurden eingestellt, darunter Rocket Racing und Ballistic. Dinge, in die echte Menschen echte Arbeitszeit investiert haben.

Was mich an dieser Geschichte interessiert, ist weniger die Entlassung selbst, so kalt das klingt, als die Frage, wie man dahin kommt. Ehemalige Mitarbeitende beschreiben intern eine Strategie, die Fortnite in etwas verwandelt habe, das niemand wollte. Die sogenannte UGC-Offensive: User Generated Content, also der Versuch, Fortnite zu einer Plattform für von Nutzern erstellte Spiele zu machen (wie der große Konkurrent Roblox) habe Milliarden verschlungen. Gleichzeitig sei das Kernprodukt vernachlässigt worden. 

Das Spiel, das Epic groß gemacht hat, wurde zum Vehikel für eine Vision, die die eigenen Spieler nicht teilten.

Das ist nicht das erste Mal, dass das passiert. 2023 gab es bereits eine große Entlassungsrunde. Damals hieß es auch, man ziehe Konsequenzen. Man spare, man fokussiere sich neu. Ohne nachhaltigen Effekt, wie Sweeney jetzt selbst einräumt.

Jetzt sollen über 500 Millionen Dollar eingespart werden. Personalabbau, weniger Marketing, Stopp offener Stellen, weniger externe Aufträge. Die Betroffenen bekommen mindestens vier Monate Gehalt, verlängerte Krankenversicherung, beschleunigte Aktienoptionen. Das ist mehr als viele Unternehmen bieten. Es bleibt trotzdem das, was es ist.

Sweeney nennt externe Faktoren: langsameres Wachstum der gesamten Branche, geringere Konsumausgaben, schwache Konsolenverkäufe, Konkurrenz durch andere Unterhaltungsformen. Das stimmt alles. Die Spielebranche hat gerade kein leichtes Jahr. Aber andere Studios mit ähnlicher Ausgangslage entlassen keine 1.000 Menschen auf einmal.

Was Epic jetzt plant: Fortnite stabilisieren, neue Inhalte, mobile Rückkehr, große Launches gegen Jahresende, Weiterentwicklung der Unreal Engine 6. Das klingt nach einem Plan. Es klingt aber auch nach dem Plan von vor zwei Jahren, leicht umformuliert.

Die Unreal Engine ist dabei das ruhigere Kapitel dieser Geschichte: Sie bleibt das Rückgrat der Branche, lizenziert von hunderten Studios weltweit. Wenn Fortnite irgendwann wirklich irrelevant wird, ist es die Engine, die Epic am Leben hält. Sweeney weiß das. Vermutlich wusste er es immer.

Trotzdem hat er jahrelang auf Fortnite gesetzt, als wäre das Spiel unverwundbar. Als könnte man endlos skalieren, endlos investieren, endlos neue Modi launchen, solange die Kinder weitertanzen.

Sie tanzen noch. Nur ein bisschen weniger als vorher.












Von: Jonas
Quelle: Epic Games (Offizielle Mitteilung), Bloomberg
Bildquelle: appshunter.io auf Unsplash
JZ-App

Kommentare

  1. Fortnite ist nicht mehr das, was es einmal gewesen ist. 😔

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Absolut wahr! 🙂‍↕️ Die Seele des Spiels scheint zwischen all den Kooperationen, "Roblox 2.0" und dem neuen Fokus etwas verloren gegangen zu sein.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Kommentar

Beliebte Beiträge

Galaxy S27 Leaks: Mehr Hardware, mehr KI und die alte Frage, wofür eigentlich

Samsung hat zum S27 noch nichts bestätigt. Das ist bei Samsung ungefähr so aussagekräftig wie ein Wetterbericht im Januar, denn die Leaks sind dieses Mal ungewöhnlich einheitlich. Was sich da zusammensetzt, ist kein Spektakel, aber ein paar Details sind interessant. JZ-Überblick (Kurz und knackig - Geprüfte KI-Zusammenfassung) : Release-Zeitraum: Januar-Februar 2027 wahrscheinlich. Line-up: Vier Modelle: S27, S27+, S27 Ultra, S27 Pro (neues Kompakt‑Flaggschiff). Chips: Snapdragon 8 Elite Gen 6 Pro für Ultra & Pro; Exynos 2700 in einigen Regionen für S27/S27+. Kameras: Neue Sony‑Sensoren für Standardmodelle möglich. Displays: Hardware‑Privacy‑Display soll auf mehr Modelle ausgeweitet werden. Akkus: Größere Akkus erwartet, aber nicht für alle Modelle. Software: Android 17 + One UI 9.0, bis zu sieben Jahre Updates. Preise: Noch keine Leaks, erneuter Anstieg möglich. Die Galaxy‑S27‑Serie rückt näher: Samsung testet neue Kamerasensoren und überarbeitet das Design seiner Flag...

Geheime Wahl, erzwungene Beichte: CDU-Abgeordnete sollten Abstimmung schriftlich gestehen

Die Wahl war geheim. Das ist ihr Sinn: Niemand soll erklären müssen, wo er sein Kreuz gemacht hat. Und trotzdem sollten CDU-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt offenbar genau das tun, und zwar nicht mit einem Handschlag, sondern mit einer eidesstattlichen Versicherung. JZ-Überblick (Kurz und knackig - Geprüfte KI-Zusammenfassung): Rechtlicher Ausnahmezustand: CDU‑Abgeordnete in Sachsen-Anhalt sollten eine eidesstattliche Versicherung unterschreiben, dass sie bei den geheimen Präsidiumswahlen Anfang Oktober nicht für die AfD‑Kandidaten gestimmt haben Die Betroffenen: Bei der Wahl wurde Tobias Rausch (AfD) zum bundesweit ersten AfD-Landtagspräsidenten und Hans‑Thomas Tillschneider (AfD) zum Vizepräsidenten gewählt. Beide erhielten mehr Stimmen, als AfD und BSW Sitze haben. Urheber-Streit: Fraktionschef Sven Schulze dementiert eine Beteiligung der Spitze: „Das kommt weder von mir noch aus dem Fraktionsvorstand.“ Berichten zufolge brachte ein Abgeordneter das Papier ein, um die Fraktion vom „Übe...

„Transformer": Amazon will mal wieder ein Handy bauen

Stellt euch kurz vor, ihr seid der Typ bei Amazon, der 2014 im Meeting saß und sagen musste: „Chefs, wir haben gerade 170 Millionen Dollar verbrannt und niemand hat das Ding gekauft." Das Fire Phone war kein Flop; es war ein sozusagen ein Totalschaden. Und jetzt, zwölf Jahre später, klopft Amazon wieder an die Tür des Smartphone-Markts. Mit Helm diesmal. Hoffentlich. Das Trauma von 2014: Eine kurze Erinnerung Zur Einordnung: Jeff Bezos persönlich hat 2014 das Fire Phone auf die Welt losgelassen: Inklusive 3D-Display-Trickserei und einer Kamera, die Gegenstände identifizieren sollte. Niemand wollte das. Fire OS hatte kaum Apps, die Kamera fraß den Akku leer und verursachte Überhitzung. Nach 14 Monaten war der Drops gelutscht – 170 Millionen Dollar Abschreibung inklusive. Jeff Bezos hat damals öffentlich gesagt, ein einziger großer Erfolg gleicht viele Fehlschläge aus. Klingt mutig. Klingt aber auch nach jemandem, der gerade sehr viel Geld verloren hat und eine schöne Erklärung d...

Machtkampf nach dem Drohnenalarm: Warum Merz auf seine Minister warten musste

Am 4. August wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine Sprengstoffdrohne zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt. Eine zweite verunfallte Drohne im Umland, eine dritte gesicherte Flugkomponente auf einem Feld. Der Flughafen Leipzig ist kein beliebiger Flughafen, er ist einer der wichtigsten Umschlagplätze für Waffenlieferungen in die Ukraine. Die Botschaft, die jemand mit dieser Aktion senden wollte, war nicht subtil. JZ-Überblick (Kurz und knackig - Geprüfte KI-Zusammenfassung): Verantwortung: Deutschland macht Russland offiziell für den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Frühe Warnung: Innenminister Dobrindt sprach kurz nach dem Fund Anfang August von einem „hybriden Angriff fremder Mächte“. Diplomatische Vorsicht: Außenminister Wadephul drängte hinter den Kulissen auf eine überlegte, nicht überstürzte Reaktion. Machtkampf im Kabinett: Bundeskanzler Merz kündigte früh harte Konsequenzen an, wurde jedoch von Wadephul und Dobrindt gebremst, um Ermi...

Ära der lokalen Agenten: Nvidia und Microsoft brechen mit RTX Spark das Cloud-Monopol

Es gibt Momente in der Technikgeschichte, in denen eine Ankündigung nicht nur ein neues Produkt beschreibt, sondern eine Verschiebung. Den Walkman. Das iPhone. Den ersten Grafikprozessor, der Spiele in Echtzeit renderte. Man erkennt solche Momente meistens erst im Rückblick. RTX Spark könnte einer davon sein, oder es stellt sich heraus, dass es ein sehr leistungsstarker Chip ist, der gut vermarktet wurde. Der Unterschied zeigt sich in den nächsten drei Jahren. JZ-Überblick (Kurz und knackig - Geprüfte KI-Zusammenfassung): Nvidia und Microsoft starten mit RTX Spark eine neue PC‑Generation , die lokale KI‑Agenten direkt auf Windows‑Geräten ausführt. 1 Petaflop KI‑Leistung, Blackwell‑RTX‑GPU + Grace‑CPU, bis zu 128 GB Unified Memory, erstmals laufen große KI‑Modelle vollständig lokal. Windows wurde für Spark tiefgreifend umgebaut : neue Sicherheits‑Container (MXC), optimierter Scheduler, native Agent‑Infrastruktur. Zielgruppe: Entwickler, Kreative, Gamer, lokale KI ersetzt Cloud‑Abhängi...