- Die CDU in Mecklenburg‑Vorpommern steht laut aktuellen Umfragen bei nur sieben Prozent, ein historischer Tiefstand.
- Führende CDU‑Politiker warnen offen vor dem Scheitern an der Fünf‑Prozent‑Hürde und dem möglichen Rausflug aus dem Landtag.
- Spitzenkandidat Daniel Peters spricht von einem „Existenzkampf“, die Partei sei „in einer ernsten Lage“.
- Schuldzuweisungen gehen in zwei Richtungen: schlechte Stimmung gegenüber der Bundesregierung und ein polarisierender Wahlkampf von SPD‑Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
- Einordnung: Merkels Heimatverband steht vor einem Negativrekord, die CDU droht zwischen AfD und SPD zerrieben zu werden.
Das sind keine Sätze, die Politiker sagen, wenn sie zuversichtlich sind. Das sind Sätze, die jemand sagt, wenn er die Zahlen kennt und nicht mehr so tun kann, als wären sie kein Problem.
Die Zahlen: sieben Prozent. Eine Woche vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Für eine Partei, die seit Jahrzehnten im Landtag vertreten ist, die das Land mitregiert hat, die aus diesem Bundesland ihre bedeutendste Politikerin hervorgebracht hat.
Angela Merkel kommt aus Mecklenburg-Vorpommern. Das ist mehr als eine geografische Tatsache, das ist ein Teil der Parteigeschichte, der über 16 Jahre das Kanzleramt geprägt hat. Dass ausgerechnet dieser Landesverband jetzt um den bloßen Parlamentseinzug kämpft, hat eine symbolische Wucht, die man nicht wegredaktionieren kann.
Was ist passiert? Die Antwort ist mehrschichtig und keine davon ist besonders tröstlich für die CDU.
Erstens: der Bund. Friedrich Merz fällt im Wahlkampf häufig, allerdings selten positiv, heißt es aus der Landes-CDU. Das Bundeskabinett produziert Stoff, der im Kleinen einer Landtagswahl schadet. Wer in Berlin keine überzeugenden Signale sendet, wird im Schweriner Landtag für die Kosten bezahlt.
Zweitens: Manuela Schwesig. Die Ministerpräsidentin fährt einen Wahlkampf, den Reinhardt als „inhaltsleeren Populismus" bezeichnet, aber der funktioniert. Sie hat das Narrativ aufgebaut: entweder ich oder die AfD. Das ist eine binäre Entscheidung, und die CDU hat darin keinen Platz. Sie ist weder die Stabilitätsgarantin noch der Protest. Sie ist das Dazwischen.
Drittens: die Struktur. Die AfD dominiert große Teile des politischen Raums in Ostdeutschland mit einer Konsequenz, die klassische Volksparteien strukturell bedroht. Wer Protest wählen will, wählt AfD. Wer stabil wählen will, wählt Schwesig. Was bleibt für die CDU?
Reinhardt beschreibt es als „Mühlstein zwischen ganz rechts und links". Das ist ein Bild, das schmerzhaft präzise ist. Eine Partei, die in die Mitte will, aber keine Mitte mehr findet, weil beide Enden des Spektrums stärker geworden sind.
Was das für den Osten insgesamt bedeutet, geht über Mecklenburg-Vorpommern hinaus. Die CDU verliert im Osten nicht erst seit diesem Wahlkampf an Boden. Sie verliert dort seit Jahren, langsam, beständig, und jede Landtagswahl stellt die Frage neu, ob der Boden unter dieser Entwicklung irgendwann aufhört.
Sieben Prozent ist noch über der Hürde. Zwei Prozentpunkte Abstand, eine Woche vor der Wahl, mit einer Bundesregierung, die keinen Rückenwind schickt, und einer Ministerpräsidentin, die den Wahlkampf dominiert.
Es könnte reichen. Es könnte auch nicht reichen.
Und wenn Merkels Landesverband den Einzug in den Schweriner Landtag verpasst, ist das keine regionale Fußnote. Das ist ein Signal, das die CDU lange nachhallt.
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