Verdacht auf Absprachen beim Klinikverkauf: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen SPD-Abgeordneten Ahmetovic
- Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den SPD‑Bundestagsabgeordneten Adis Ahmetovic.
- Der Bundestag hat seine Immunität aufgehoben, um Ermittlungen zu ermöglichen.
- Vorwurfskomplex: mögliche Beihilfe zu wettbewerbsverzerrenden Absprachen im Zusammenhang mit dem Verkauf des Klinikgeländes Lehrte.
- Ahmetovic bestreitet die Vorwürfe, sein Anwalt spricht von „völliger Transparenz“, Akteneinsicht wurde bisher verweigert.
- Der Fall ist Teil eines größeren Ermittlungsnetzwerks gegen mehrere SPD‑Politiker in Niedersachsen und Berlin.
- Einordnung: Die Ermittlungen markieren eine neue Eskalationsstufe im Lehrte‑Komplex, politisch heikel, juristisch offen.
Was genau der Vorwurf ist, nennt die Staatsanwaltschaft nicht, ermittlungstaktische Gründe, wie es offiziell heißt. Aus Anwaltskreisen ist bekannt, dass es um den Verdacht der Beihilfe zu wettbewerbsverzerrenden Absprachen im Zusammenhang mit dem Verkauf des Klinikgeländes Lehrte geht. Nicht um persönliche Bereicherung, sondern um mögliche Absprachen bei Ausschreibungen oder Verkaufsprozessen, die den Wettbewerb beeinflusst haben könnten.
Ahmetovic weist die Vorwürfe zurück. Sein Anwalt betont, der Abgeordnete habe sich nichts vorzuwerfen und strebe völlige Transparenz an. Ahmetovic selbst sagt, er habe erst durch Medienberichte erfahren, dass gegen ihn ermittelt werde. Er habe sofort Kontakt zur Staatsanwaltschaft aufgenommen, kooperiere vollumfänglich, und könne sich ohne Akteneinsicht schlicht nicht gegen Vorwürfe verteidigen, die er noch nicht in ihrer Gänze kenne. Die Akteneinsicht wurde bislang verweigert.
Das alles ist rechtlich nachvollziehbar. Und es ändert nichts daran, dass der Fall politisch erheblich ist.
Denn Ahmetovic steht nicht allein. Im selben Komplex ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Steffen Krach, SPD-Fraktionschef in Berlin und früherer Regionspräsident von Hannover, wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Und gegen Stefan Politze, SPD-Fraktionschef in Niedersachsen, dessen Immunität ebenfalls aufgehoben wurde, der daraufhin zurückgetreten ist.
Drei Personen, drei Ebenen. Kommunal, regional, bundesweit. Alle im selben Verfahrenskomplex. Alle SPD. Das ist ungewöhnlich breit für einen Vorgang, der an einem einzelnen Klinikverkauf in Lehrte seinen Ausgangspunkt hat.
Was mich dabei beschäftigt, ist nicht die Schuldfragel, die ist Aufgabe der Justiz, und die Unschuldsvermutung gilt, für alle Beteiligten, ohne Einschränkung. Was mich beschäftigt, ist die Frage, was der Lehrte-Komplex über Entscheidungsstrukturen aussagt, die lange unterhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit lagen.
Kliniken sind keine abstrakte Infrastruktur. Sie sind Orte, an denen Menschen behandelt werden, in Lehrte, wie überall. Wenn ein Klinikgelände verkauft wird, hängen daran Versorgungsstrukturen, Arbeitsplätze, kommunale Planung, regionale Politik. Und offenbar auch Ausschreibungsverfahren, deren Rechtmäßigkeit jetzt untersucht wird. Das ist der Kontext, in dem dieser Fall zu verstehen ist.
Die SPD in Niedersachsen und Berlin steht unter Druck. Politze ist zurückgetreten. Krach weist alles zurück. Ahmetovic kooperiert und fordert Akteneinsicht. Wie tief der Komplex reicht, weiß man nicht. Wie lange die Ermittlungen dauern werden, auch nicht.
Was die Partei jetzt tun kann, ist begrenzt: kommunizieren ohne laufende Verfahren zu beeinflussen, Transparenz fordern ohne vorwegzunehmen, was Gerichte noch nicht entschieden haben. Das ist eine schmale Linie, und sie wird schwerer zu halten, je mehr Namen in Ermittlungsverfahren auftauchen.
Der politische Schaden entsteht oft lange bevor ein Gericht entscheidet. Das ist keine Ungerechtigkeit des Systems. Das ist die Realität demokratischer Öffentlichkeit, in der Vertrauen fragil ist und Ermittlungen allein bereits etwas verändern, unabhängig vom Ausgang.
Adis Ahmetovic ist unschuldig, bis ein Gericht etwas anderes feststellt.
Und der Lehrte-Komplex ist noch nicht abgeschlossen.

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