Direkt zum Hauptbereich

Microsoft: Windows 11 nun mit weniger KI und einer besseren Taskleiste

Microsoft hat angekündigt, Windows 11 grundlegend umzuändern. Und das Merkwürdige daran: Es klingt tatsächlich vernünftig.

Fangen wir mit der Taskleiste an

Seit Windows 11 im Herbst 2021 erschienen ist, gehört die Frage, warum man die Taskleiste nicht mehr verschieben kann, zu den meistdiskutierten Nutzerbeschwerden überhaupt. In Foren, in Kommentarspalten, in jedem zweiten Tech-Podcast. Die Funktion war jahrelang da, selbstverständlich da, und dann hat Microsoft sie einfach gestrichen. Die offizielle Begründung damals war sinngemäß: nicht wichtig genug. Zu wenige Nutzer würden das wirklich brauchen.

Windows Chef Pavan Davuluri hat jetzt offiziell angekündigt, genau das zurückzubringen. Oben, links, rechts : Wie früher halt. Wie es sich gehört. Wie es vier Jahre lang nicht ging, obwohl es vorher ging.


Vier Jahre. Für eine Funktion, die schon da war.

Ich will das nicht übertreiben: Es ist eine Taskleiste, keine Frage von welthistorischer Bedeutung. Aber es ist symptomatisch für etwas, das Windows 11 von Anfang an falsch gemacht hat: das Gefühl, dass das Betriebssystem nicht für den Nutzer gebaut wurde, sondern für eine Produktvision, die irgendwo in einem Konferenzraum entstanden ist und mit der Realität an keinem einzigen Punkt abgeglichen wurde. Wer hat da zugehört? Und wenn ja, warum hat das denn vier Jahre gedauert?

Was mich fast mehr freut als die Taskleiste: Die Copilot Schaltflächen verschwinden. Aus dem Snipping Tool, aus der Fotos-App, aus den Widgets, aus dem Editor. Komplett Weg. Microsoft zieht sie zurück.

Wer das nicht erlebt hat, dem sei kurz erklärt, wie sich das angefühlt hat: Man will einen Screenshot ausschneiden. Einfacher Vorgang, zehn Sekunden. Und dann: Copilot-Hinweis. Man will ein Foto zuschneiden. Copilot. Man öffnet die Widgets, weil man die Uhrzeit sehen will. Copilot. Es war, als würde jemand bei jedem dritten Handgriff in der Küche fragen, ob man nicht lieber ein neues Messer kaufen möchte. Nett gemeint. Vollkommen verrückt.

KI kann sinnvoll sein. ABER es gibt einen Unterschied zwischen einem Werkzeug, das einem bei komplexen Aufgaben hilft, wenn man es will und einem Betriebssystem, das bei jeder Gelegenheit seine eigene Zusatzfunktion in den Vordergrund drängt. Das eine ist nützlich. Das andere ist Werbung. Und Windows 11 hat in den letzten Jahren sehr, sehr viel Werbung gemacht. In einem Produkt, für das man bezahlt hat.

Dann noch der Datei-Explorer. Schnellere Startzeiten, bessere Speicherverwaltung, mehr Zuverlässigkeit beim Aufwachen aus dem Standby. Klingt unspektakulär, ich weiß. Ist technisch gesehen auch keine Revolution. Aber wer schon mal morgens den Laptop aufgeklappt hat, in den Explorer geklickt hat und dann gewartet hat. Und gewartet. Und der Mauszeiger dreht sich, und das Fenster reagiert nicht, und man fragt sich ernsthaft, ob man neu starten soll: Der weiß: Das war nie ein Nutzerproblem. Das war ein Produktproblem. Und Microsoft hat vier Jahre gebraucht, um das anzuerkennen.

Ende Januar hat Davuluri öffentlich eingeräumt, dass Windows 11 vom Kurs abgekommen ist. Er hat Fehler zugegeben, Prioritäten neu gesetzt, versprochen, dass 2026 das Jahr wird, in dem Windows wieder ein Betriebssystem sein soll und kein Marketingkanal. Das ist immerhin ehrlich. Ehrlicher als das, was man die Jahre davor gehört hat.

Aber die Frage, die er nicht beantwortet und die ich für die eigentlich interessante halte, ist: Wie konnte das so weit kommen? Wie entscheidet ein Unternehmen, das Milliarden von Nutzern hat, jahrelang gegen die offensichtlichen Wünsche dieser Nutzer zu arbeiten? Wer sitzt in diesen Meetings und sagt: „Die Taskleiste festsetzen : Ja gute Idee"? Wer nickt dabei?

Irgendwo in der ComputerBase-Community hat jemand geschrieben, Microsofts Problem sei nicht, dass es zu viel KI anbiete, sondern dass es nicht verstehe, wann Nutzer gar keine KI wollen. „Wir wollen nicht weniger KI und weniger Werbung. Wir wollen keine KI und keine Werbung." Präziser lässt sich das kaum formulieren. Und ich bin ziemlich sicher, dass Microsoft diesen Satz gelesen, verstanden und trotzdem nicht vollständig internalisiert hat.

Denn die Ankündigungen klingen gut. Fast zu gut, für ein Unternehmen, das in den letzten Jahren regelmäßig Dinge versprochen und seltener geliefert hat. Bewegliche Taskleiste, weniger Copilot-Aufdringlichkeit, schnellerer Explorer, stabileres Aufwachen aus dem Ruhezustand: Das ist die Liste eines Betriebssystems, das wieder ein Werkzeug sein will. Eines, das zur Seite tritt, wenn man arbeiten möchte, statt sich dauernd selbst in den Vordergrund zu schieben.

Ob es das wird, weiß man im April. Dann kommt das Update. Dann sieht man, ob MS die Versprechen halten wird. Bis dahin abwarten und Tee trinken.









Von: Jonas
Quelle: ComputerBase, winfuture
Bildquelle: Windows auf Unsplash
JZ-App

Kommentare

  1. Antworten
    1. Ganz meine Meinung! Es hat zwar gedauert, aber es wurde ENDLICH umgesetzt. VG, Jonas

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Kommentar

Beliebte Beiträge

Spotify schafft den Benutzernamen ab: Was sich beim Login ändert

Ab dem 1. September 2026 kann man sich bei Spotify nicht mehr mit Benutzername und Passwort anmelden. Nur noch E-Mail, oder über verknüpfte Konten wie Google, Apple oder Facebook. Wer sich bisher ausschließlich mit seinem Nutzernamen einloggt, und das tun noch immer viele, besonders Nutzer mit alten Accounts, muss rechtzeitig umstellen. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Ab 1. September 2026 : Spotify schafft die Anmeldung mit Benutzername + Passwort ab. Login funktioniert dann nur noch mit E‑Mail + Passwort oder über Google/Apple/Facebook‑Konten . Wer aktuell nur den Benutzernamen nutzt, muss bis zum Stichtag eine gültige E‑Mail hinterlegen . Playlists, Musik und Abo bleiben unverändert, es geht nur um die Art der Anmeldung . Wer seine E‑Mail nicht rechtzeitig prüft oder aktualisiert, kann sich ab September nicht mehr einloggen und muss den Support kontaktieren. Login‑Umstellung: Spotify schafft die Anmeldung per Benutzername ab, künftig funktioniert der Zugang nur noch über E‑Mai...

HDMI 2.2 vorgestellt: Extreme Bildraten treffen auf die Realität des Marktes

Die HDMI-Organisation hat HDMI 2.2 vorgestellt. 96 Gbit/s Bandbreite, doppelt so viel wie der aktuelle Standard. Was das theoretisch ermöglicht, liest sich wie eine Liste aus einem Sci-Fi-Katalog: 4K mit bis zu 480 Hz, 8K mit bis zu 165 Hz, 10K mit 120 Hz unter Kompression. HDR bei extremen Bildraten. Latenzen, die noch einmal geringer werden. JZ-Überblick (Kurz und knackig): HDMI 2.2 startet 2027 und verdoppelt die Bandbreite auf bis zu 96 Gbit/s . Damit werden absurde Bildraten möglich: theoretisch 4K mit 480 Hz oder 8K mit 165 Hz . Erste Geräte sollen Ende 2027 erscheinen, vor allem High‑End‑TVs und Gaming‑Monitore. Aber: Neue Kabel, neue Chips, neue Geräte, keine Abwärtskompatibilität für die neuen Features . Hersteller warnen: Die extremen Framerates sind theoretische Maximalwerte , die in der Praxis nur selten erreicht werden. Neuer Standard in Sicht: Mit HDMI 2.2 verdoppelt sich ab 2027 die Bandbreite, passende Kabel werden erneut nötig. Beeindruckend. Und vorerst fast v...

Zehn Jahre danach: Großbritannien und die schmerzhafte Suche nach dem Weg zurück in die EU

Im Jahr 2016 hat Großbritannien abgestimmt. 52 zu 48. Leave won. Was folgte, war ein jahrelanges Chaos aus Verhandlungen, Misserfolgen, Premierministerwechseln und einer Wirtschaft, die sich nie so entwickelt hat, wie die Brexit-Befürworter versprochen hatten. Jetzt, ein Jahrzehnt später, hält laut Umfragen die Mehrheit der britischen Bevölkerung den Austritt für einen Fehler. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Eine Rückkehr Großbritanniens in die EU ist kein Randthema mehr: Eine Mehrheit der Briten hält den Brexit für einen Fehler und wünscht sich eine Wiederannäherung. Brüssel stellt klare Bedingungen: Euro‑Einführung, volle Freizügigkeit, höhere Beiträge: keine Sonderrabatte mehr. Politisch heikel: Die Labour‑Regierung steht zwischen wirtschaftlichem Druck und einer EU‑skeptischen Bevölkerung. Geopolitisch relevant: Eine Rückkehr könnte Machtverschiebungen in Europa, im transatlantischen Verhältnis und im globalen Handel auslösen. Aber: Der Weg zurück wäre lang, teuer und politis...

Das Ende der Preisstabilität: Warum das iPhone 18 spürbar teurer wird

Tim Cook hat in einem Interview mit dem Wall Street Journal etwas gesagt, das Apple-CEOs normalerweise nicht sagen: Die Kosten für Speicherchips sind so stark gestiegen, dass Apple sie nicht mehr vollständig abfedern kann. Preiserhöhungen beim iPhone 18 sind damit so gut wie angekündigt, ohne dass ein konkreter Preis genannt wurde. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Preissteigerungen treffen das iPhone 18 , das im September 2026 erscheint. Grund laut Tim Cook: dramatisch gestiegene DRAM‑ und NAND‑Preise , verursacht durch die weltweite KI‑Rechenzentrumswelle. Analysten erwarten rund 50 Dollar Aufpreis pro Modell . Das iPhone 18 Pro startet weiterhin bei 256 GB: die 128‑GB‑Option wurde bereits 2025 beim iPhone 17 Pro gestrichen. Für Deutschland sind spürbar höhere Euro‑Preise wahrscheinlich (Steuern, Wechselkurs, Speicherpreise). Teureres Kamera‑Flaggschiff: Mit dem iPhone 18 steigen die Preise: Apple verweist auf stark gestiegene Speicherchip‑Kosten. Das ist ungewöhnlich offen für e...

Zwischen Dialog und Drohung: Der riskante Verhandlungsauftakt in der Schweiz

JD Vance ist am Sonntagmorgen in der Schweiz eingetroffen. Die iranische Delegation war bereits am Samstagabend da. Pakistan und Katar sitzen mit am Tisch, als Vermittler, als Stabilisatoren, als jene, die seit Monaten versuchen, die Fronten zumindest so weit zu halten, dass Gespräche möglich sind. JZ-Überblick (Kurz und knackig): In der Schweiz beginnen heute neue Gespräche zwischen Iran und den USA , begleitet von gegenseitigem politischem und militärischem Druck. US‑Vizepräsident JD Vance ist am Morgen eingetroffen , die iranische Delegation bereits am Vorabend. Zentrale Streitpunkte: Waffenruhe im Libanon, Irans Atomprogramm, Schließung der Straße von Hormus. Iran warnte vor einem Scheitern , nachdem die Meerenge erneut geschlossen wurde. Trump droht mit einer „Hormus‑Maut“ , falls die Verhandlungen scheitern. Energie als Druckmittel: Vor Beginn der Gespräche in der Schweiz erhöhen Iran und die USA den politischen Druck, auch über die Kontrolle wichtiger Öl‑ und Handelsrouten. D...