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Xbox: Microsoft feuert 3.200 Mitarbeiter und stößt fünf Studios ab

Microsoft hat den größten Umbau seiner Gaming-Sparte in der Unternehmensgeschichte angekündigt. 3.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren im Laufe des Geschäftsjahres ihren Job, 1.600 davon sofort. Die neue Xbox-Chefin Asha Sharma nennt es einen notwendigen "Reset". Das bisherige Geschäftsmodell sei nicht mehr gesund, sinkende Spielerzahlen, geringe Margen, ein System, das unter seiner eigenen Größe zu kollabieren droht.

JZ-Überblick (Kurz und knackig):
  • Microsoft startet einen radikalen Neustart der Xbox-Sparte, mit einer strategischen Neuausrichtung und 3.200 Entlassungen, von denen 1.600 sofort umgesetzt werden.
  • Betroffen sind administrative Teams aus Xbox, Bethesda und Activision Blizzard, zeitgleich trennt sich der Konzern von fünf Entwicklungsstudios wie Double Fine und Ninja Theory
  • Der Konzern will die Spieleentwicklung verschlanken, Doppelstrukturen abbauen und die Xbox‑Strategie „klarer und fokussierter“ ausrichten.
  • Der Schritt folgt auf die größte Übernahme der Gaming‑Geschichte (Activision Blizzard, 69 Mrd. USD) und soll die Integration beschleunigen.
  • Für die Branche ist es ein Signal: Microsoft setzt auf weniger Projekte, mehr Effizienz und eine neue Xbox‑Identität.

Weiße Xbox‑Konsole und passender Controller auf dunkler Oberfläche; beide leicht von blau‑rosa Licht angestrahlt.
Neustart mit Einschnitten: Microsoft beginnt die Xbox‑Neuaufstellung mit 3.200 Entlassungen in mehreren Gaming‑Teams.


Das ist ehrlich. Es ist auch ein Satz, der leichter klingt als die Realität dahinter.

Um zu verstehen, wie Xbox an diesen Punkt gekommen ist, muss man 2023 zurückdenken. Die Übernahme von Activision Blizzard für 69 Milliarden Dollar war der teuerste Deal in der Geschichte der Spielebranche. Microsoft kaufte sich damit nicht nur Call of Duty und World of Warcraft, sondern auch tausende Mitarbeiter, dutzende Projekte, parallele Strukturen, Doppelzuständigkeiten, und eine Bürokratie, die in den folgenden Jahren immer schwerfälliger wurde. Entscheidungen liefen intern durch bis zu 14 hierarchische Ebenen. Vierzehn. In einer Branche, in der Geschwindigkeit über Relevanz entscheidet.

Sharma kürzt das auf maximal fünf Ebenen. Im Idealfall drei. Das ist nicht nur eine Strukturreform. Das ist das Eingeständnis, dass die alte Struktur schlicht nicht funktioniert hat.

Was dabei verloren geht, ist schwerer wegzudiskutieren als jede Pressemitteilung es versucht. Microsoft trennt sich von fünf namhaften First-Party-Studios. Compulsion Games und Double Fine werden inklusive ihrer Markenrechte an die Gründer zurückgegeben, ein seltener, fairer Schritt, den man anerkennen kann. Ninja Theory, die Macher von Hellblade, und Undead Labs, die an State of Decay 3 arbeiten, stehen offiziell zum Verkauf. Arkane Lyon, das französische Studio, dessen Markengeschichte bis zu Arx Fatalis zurückreicht, ist noch in Klärung, das französische Arbeitsrecht gibt dem Betriebsrat Mitspracherecht, was die Situation komplizierter macht als bei den anderen.

Microsoft betont, dass alle bereits angekündigten Spiele dieser Studios fertiggestellt und finanziert werden. Das ist mehr als manche Unternehmen in ähnlichen Situationen zusagen. Aber es ändert nichts daran, dass Studios, die über Jahre aufgebaut wurden, deren Kulturen gewachsen sind, deren Entwickler bewusst zu Microsoft gegangen sind, jetzt weitergehen.

Hellblade. Psychonauts. South of Midnight. Das sind keine generischen Produktionslinien. Das sind Spiele, die Menschen geliebt haben, weil dahinter Teams standen, die etwas riskiert haben. Dieses Risiko ist jetzt weg, zumindest bei Microsoft.

Was der Neustart strategisch bedeutet, ist klarer als seine menschlichen Kosten. Neue COO Helen Chiang, bisher Chefin von Mojang, bündelt ab sofort alle Fäden: Inhalte, Plattform, Hardware, Services. Die bisherige Fragmentierung zwischen Xbox, Bethesda und Activision Blizzard hatte dazu geführt, dass die linke Hand nicht wusste, was die rechte tat. Drei große Marken, drei Kulturen, drei Kostenstrukturen, eine Rechnung am Ende des Jahres.

Der Game Pass, Microsofts großes Abo-Versprechen, hat nicht die Margen geliefert, die man sich erhofft hatte. Das gibt Microsoft intern jetzt zu, mit dem vorsichtigen Satz, die Strategie sei "hinter den Erwartungen zurückgeblieben". Wer zwischen den Zeilen lesen kann, hört: Es hat nicht funktioniert wie geplant.

Was dabei interessant ist: Microsoft spart bei Xbox, während es gleichzeitig Milliarden in KI-Infrastruktur investiert. Zeitgleich mit den 3.200 Gaming-Jobs fallen weitere 3.200 Stellen im Geschäftskundenvertrieb weg. Das ist kein isoliertes Sparpaket. Das ist eine Priorisierung. KI kommt vor Gaming. Cloud kommt vor Console. Das sagt mehr über die Zukunft von Microsoft aus als jede Keynote.

Die Branche reagiert, wie sie immer reagiert: geschockt und wenig überrascht. Die Übernahme von Activision Blizzard war nie unumstritten, die Integrationsprobleme waren von außen sichtbar, die Entlassungswellen der letzten zwei Jahre waren Vorboten. Niemand, der die Entwicklung verfolgt hat, kann jetzt sagen, das sei aus dem Nichts gekommen.

Das macht es nicht besser für die 3.200 Menschen, die jetzt ihre Stellen verlieren.

Was von Xbox bleibt, soll kleiner, straffer, disziplinierter sein. Nicht mehr jedes großartige Studio besitzen, wie Sharma formuliert, sondern die verbleibenden Ressourcen in Kernmarken und höchste Prioritäten fließen lassen. Hardware bleibt, verliert aber die Rolle als isoliertes Ökosystem. Xbox soll offener werden, auch für unabhängige Entwickler.

Das klingt nach einem vernünftigen Plan. Es klingt auch nach dem Eingeständnis, dass die vergangenen Jahre kein vernünftiger Plan waren.

Größe war keine Erfolgsgarantie. Microsoft hat das auf die teuerste mögliche Art gelernt.

Der Preis dafür sind 3.200 Jobs und Studios, die jetzt woanders oder nirgendwo sind.











Kommentar: Jonas
Bildquelle: Kamil Switalski auf Unsplash
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