Direkt zum Hauptbereich

Windows 11: Protokoll-Schleife schluckt bis zu 500 GB Speicherplatz

Es gibt eine bestimmte Art von Panik, die Windows-Nutzer kennen. Der freie Speicherplatz wird weniger, ohne erkennbaren Grund. Kein neues Programm, kein heruntergeladener Film, kein Backup, das aus dem Ruder gelaufen ist. Einfach weniger Platz. Und dann immer weniger. Und dann ist die Festplatte voll.

Was momentan auf manchen Windows-11-Geräten passiert, ist genau das, nur in einer Dimension, die selbst erfahrene IT-Leute zweimal hinschauen lässt. Nutzer im Microsoft Feedback Hub und auf Reddit dokumentieren Dateigrößen von 70 Gigabyte, 200 Gigabyte, in der Spitze über 513 Gigabyte. Eine einzige Datei. Auf einem System, auf dem sonst nichts Ungewöhnliches passiert.

JZ-Überblick (Kurz und knackig):
  • Ein Windows-11-Bug lässt eine Systemdatei auf bis zu 500 GB anwachsen.
  • Ursache ist die Protokolldatei des Dienstes Capability Access Manager.
  • Das Problem betrifft Systeme mit den Windows-11-Versionen 22H2 und 23H2.
  • Microsoft hat den Fehler im optionalen Juni-Update adressiert; der finale Patch kommt
  • am 14. Juli 2026.
  • Betroffene sollten das optionale Update KB5095093 installieren, statt Dateien manuell zu löschen.

Laptop in dunkler Umgebung; Bildschirm zeigt eine leuchtend blaue abstrakte Grafik, die Tastatur wird vom Licht leicht angestrahlt.
Windows‑11‑Bug sorgt für Speicherverlust: Ein Fehler im Backup‑Dienst kann bis zu 500 GB auf dem Systemlaufwerk belegen.


Die Datei heißt CapabilityAccessManager.db-wal und liegt versteckt unter C:\ProgramData\Microsoft\Windows\CapabilityAccessManager. Normalerweise ist sie ein paar Megabyte groß. Sie gehört zum sogenannten Capability Access Manager, einem Windows-Dienst, der im Hintergrund verwaltet, welche Apps auf Kamera, Mikrofon oder Standort zugreifen dürfen. Für die Protokollierung nutzt der Dienst eine SQLite-Datenbank. Und durch einen Software-Bug wird diese Protokolldatei fortlaufend mit redundanten Einträgen bombardiert, ohne Pause, ohne Limit, ohne dass das System selbst Alarm schlägt.

Microsoft hat das Problem inzwischen offiziell bestätigt. Betroffen sind primär Windows-11-Versionen 22H2 und 23H2, unabhängig von der verbauten Hardware. Theoretisch kann es jeden PC treffen, auf dem die entsprechenden Dienste aktiv genutzt werden. Besonders unangenehm trifft es Firmen-Laptops im Dauereinsatz, die viele Hintergrundprozesse parallel laufen haben.

Was diesen Bug so hinterhältig macht, ist nicht nur das Ausmaß, sondern die Unsichtbarkeit. Windows versteckt den angehäuften Datenmüll in der Speicherübersicht unter "System und reserviert". Für normale Nutzer ist das eine Kategorie, die man kaum je öffnet, man geht davon aus, dass Windows seinen eigenen Kram im Griff hat. Die Ursache bleibt unsichtbar, bis die Partition voll ist. Und dann passieren Dinge, die weit über Unbequemlichkeit hinausgehen.

Ein vollgelaufenes Systemlaufwerk hat ernsthafte Konsequenzen. Wichtige Sicherheitsupdates können nicht mehr installiert werden, weil kein Platz für die nötigen temporären Dateien bleibt. Programme starten nicht mehr, weil sie keinen Cache anlegen können. SSDs leiden unter dem permanenten Schreibvorgang im Sekundentakt, unzählige redundante Einträge, rund um die Uhr, verschleißen die Speicherzellen unnötig. Im schlimmsten Fall, wenn das Betriebssystem beim Neustart keine Systemdaten mehr auslagern kann, beginnt die Boot-Schleife. Der Computer startet, kommt nicht hoch, startet wieder.

Microsoft hat das Problem in den Release Notes zum optionalen Juni-Update KB5095093 aufgegriffen, dort etwas blumig als "Verbesserung der Datenträgernutzung" beschrieben, was den Ernst der Lage kaum ahnen lässt. Der automatische Fix für alle betroffenen Systeme kommt mit dem regulären Patchday am 14. Juli 2026. Wer nicht warten will oder kann, findet das Update bereits manuell in den erweiterten Windows-Update-Optionen.

Wer prüfen will, ob das eigene System betroffen ist, schaut unter dem genannten Pfad nach, wobei der Ordner versteckt sein kann. Wer es genauer wissen will, nutzt ein kostenloses Speicher-Analyse-Tool wie WizTree oder TreeSize, die die Datei direkt aufspüren. Eines ist dabei wichtig: die Datei nicht einfach löschen. Sie ist eine aktive Systemkomponente, und ein direktes Löschen kann zu Fehlfunktionen bei App-Berechtigungen führen. Wer Speicher sofort freigeben muss, benennt die Datei im abgesicherten Modus um, Windows legt dann automatisch eine saubere, kleine Version neu an.

Was mich an diesem Bug beschäftigt, ist die Ironie der Situation. Der Capability Access Manager ist ein Datenschutzdienst. Er verwaltet, wer auf Kamera und Mikrofon darf. Er soll kontrollieren, dass Apps nicht unbemerkt auf sensible Hardware zugreifen. Und ausgerechnet dieser Dienst läuft so aus dem Ruder, dass er Festplatten frisst und Systeme lahmlegt.

Es braucht keine Schadsoftware, um einen modernen PC ernsthaft zu beschädigen. Ein Protokoll-Zahnrad, das sich im Kreis dreht, reicht völlig.

Für Microsoft ist das ein unüberhörbares Signal, dass Stabilität in den Tiefen des Codes kein nachgelagertes Qualitätsmerkmal ist, sondern Grundvoraussetzung. Für Nutzer ist es eine Erinnerung, dass Vertrauen in ein Betriebssystem schneller aufgebraucht sein kann als der Speicherplatz auf der eigenen Festplatte.

Patchday 14. Juli. Bis dahin: Update KB5095093 manuell installieren, oder zumindest nachschauen, ob die Datei schon größer ist, als sie sein sollte.







Kommentar: Jonas
Bildquelle: Sunrise King auf Unsplash
JZ-App

Kommentare

Beliebte Beiträge

Der Zwei-Stufen-Plan für das Handgelenk: Wie Apple die Watch bis 2027 komplett umbaut

Apple hat seit Jahren eine klare Maxime bei der Watch: Wer ein neues Design will, wartet. Wer neue Technik will, bekommt sie früher. Und wer beides will, braucht Geduld. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Apple Watch Series 12 erscheint im September 2026, zusammen mit iPhone 18 und iOS 20. Die Series 12 bringt große technische Upgrades, aber kein neues Design. Das radikale Redesign kommt erst mit der Series 13 im Herbst 2027. Neue Sensor‑Architektur, effizientere LTPO‑Displays und Apple Intelligence prägen beide Generationen. Die Gehäusegrößen 42 mm und 46 mm sind bereits seit der Series 10 Standard. Neue Generation voraus: Mit der Series 13 plant Apple ein komplett überarbeitetes Watch‑Design für 2027. Was sich für 2026 und 2027 abzeichnet, folgt genau dieser Logik, nur deutlicher als in den meisten Jahren zuvor. Die Series 12, die im Herbst 2026 erscheint, verändert optisch kaum etwas. Wer eine Series 11 am Handgelenk hat, wird den Unterschied von außen nicht sehen. Dieselbe Silhoue...

Haushalt 2027 beschlossen: Deutschlands teuerster Überbrückungsversuch

Das Bundeskabinett hat den Haushaltsentwurf für 2027 verabschiedet. 555,4 Milliarden Euro geplante Ausgaben, deutlich mehr als die 524,5 Milliarden im laufenden Jahr. Verteidigung: 109,7 Milliarden Euro, ein Drittel mehr als 2026. Soziales: erstmals über 200 Milliarden. Investitionen: 117,5 Milliarden für Infrastruktur, Bahnnetz, Brücken, Klimaprojekte. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Das Bundeskabinett hat den Haushaltsentwurf für 2027 beschlossen, mit Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro . Die Neuverschuldung steigt massiv : insgesamt über 200 Milliarden Euro , davon 118,7 Milliarden Euro im Kernhaushalt. Der Verteidigungsetat wächst um ein Drittel auf rund 109,7 Milliarden Euro, größter Anstieg aller Ressorts. Zur Finanzierung plant die Regierung Steuererhöhungen (u. a. Alkohol, Tabak, Plastikabgabe) und Kürzungen bei Rentenzuschüssen sowie im Klima‑ und Transformationsfonds. Der Haushalt gilt als Kraftakt : Trotz Einsparungen bleiben hohe Sozialausgaben, steigende Zinsen und g...

Wegen Schul-iPads: Samsung verklagt eine NRW-Kleinstadt

Datteln, eine Stadt im nördlichen Ruhrgebiet, hat ein Problem. Mehrere hundert Tablets müssen ersetzt werden, rund 600 Schülerinnen und Schüler warten auf neue Geräte. Die Stadt hat eine klare Vorstellung, was sie kaufen will: neue iPads. Alles andere in der Schul-IT: Apps, Verwaltung, Gerätemanagement, Support, ist seit der Pandemie auf Apple ausgerichtet. Ein Systemwechsel wäre nicht einfach ein anderer Einkauf. Es wäre ein Neustart. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Samsung verklagt die Stadt Datteln (NRW) , weil sie für Schulen gezielt Apple‑iPads nachbestellen will. Im Kern geht es darum, ob Kommunen bei Nachbeschaffungen an einem bestehenden iPad‑System festhalten dürfen, oder produktneutral ausschreiben müssen. Datteln nutzt bereits rund 2.700 iPads , mehr als 600 Schüler warten wegen des Verfahrens auf neue Geräte. In erster Instanz bekam die Stadt Recht, nun verhandelt das Oberlandesgericht Düsseldorf, ein Gang zum EuGH gilt als möglich. Der Fall könnte zum Grundsatzurtei...

Das Ende des Rabatts: Spritpreise steigen sprunghaft, Bundesrat berät über Preisdeckel

Am 30. Juni endete der Tankrabatt. Wer an dem Tag noch schnell getankt hat, zahlte weniger. Wer am 1. Juli tankte, deutlich mehr. Einige Stationen zogen die Preise sogar schon am Nachmittag des 30. an, die günstig versteuerten Restbestände in den Tanklagern waren rascher aufgebraucht als üblich, weil viele Autofahrer noch schnell zugeschlagen hatten, und neue Lieferungen mit regulären Steuersätzen kamen früher in den Markt. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Nach dem Ende des Tankrabatts steigen die Spritpreise sprunghaft, teils schon vor dem Stichtag. Der Wirtschaftsausschuss des Bundesrats unterstützt eine Initiative für einen gesetzlichen Preisdeckel auf Benzin und Diesel. Vorbild ist Luxemburg , wo der Staat seit Jahren Höchstpreise festlegt. Am 10. Juli entscheidet der Bundesrat über die Initiative, der Druck auf die Bundesregierung steigt. Die Regierung warnt Mineralölkonzerne vor übermäßigen Preissteigerungen und schließt weitere Eingriffe nicht aus. Spritpreise unter Druc...