- Seit 2019 sind 341.500 Industrie‑Jobs verloren gegangen: das entspricht jedem 17. Arbeitsplatz.
- Autoindustrie besonders betroffen: 125.800 Stellen seit 2019 gestrichen, also jeder siebte Job.
- 2025 gingen 124.100 Industrie‑Jobs verloren, davon 32.000 in der Autoindustrie.
- Metall und Textil schrumpfen stärker als gedacht: -15 % bzw. –22 % seit 2019.
- Leichte Umsatzbelebung 2026, aber laut EY „Strohfeuer“.
Das ist die schlechte Nachricht. Und sie wiegt schwerer.
Seit 2019 hat die deutsche Industrie 341.500 Arbeitsplätze verloren. Jeder 17. Job ist weg. Nicht wegrationalisiert, nicht verlagert im buchhalterischen Sinne, einfach weg. Menschen, die morgens nicht mehr in Schichten fahren, Linien, die stillstehen, Werke, die kleiner werden oder schließen. 2025 allein: 124.100 Stellen. In den ersten Monaten 2026: weitere 127.300 im Jahresvergleich.
Die Autoindustrie bleibt das Epizentrum. 125.800 Jobs seit 2019, 14 Prozent der Belegschaft, jeder siebte Arbeitsplatz. Die Gründe sind bekannt und haben sich nicht verändert: Transformation zur Elektromobilität, Überkapazitäten, Absatzschwäche in Europa, Wettbewerbsdruck aus China. Was sich verändert hat, ist das Gefühl dafür, wie ernst es ist. Die Branche, die jahrzehntelang als Stabilitätsanker galt, ist zum Risikofaktor geworden.
Textilindustrie minus 22 Prozent seit 2019. Metallindustrie minus 15 Prozent. Beide Sektoren kämpfen gegen hohe Energiepreise, globalen Preisdruck und Verlagerungen ins Ausland; und beide verlieren schneller als es selbst pessimistische Prognosen vorhergesagt hatten.
Es gibt Lichtblicke. Chemie und Pharma haben seit 2019 drei Prozent Beschäftigung zugelegt, die Elektroindustrie zwei. Diese Branchen profitieren von globaler Nachfrage und resilienteren Lieferketten. Aber sie können nicht kompensieren, was in der Fläche verloren geht. Zwei Wachstumsinseln in einem Meer von Stellenabbau verändern die Richtung des Trends nicht.
Die Bundesregierung setzt auf Industriestrompreis, Körperschaftsteuerreform, Investitionsanreize. EY sagt: Diese Maßnahmen wirken erst mittelfristig. Für die aktuelle Lage kommen sie zu spät. Unternehmen warten nicht auf mittelfristige Wirkung. Sie verschieben Investitionen, verlagern Produktion, stoppen Neueinstellungen. Das Vertrauen in den Standort sinkt; nicht dramatisch, nicht über Nacht, sondern langsam, beständig, kaum umkehrbar.
Meinung: Was mich bei diesen Zahlen beschäftigt, ist weniger die Zahl selbst als die Frage dahinter. Deutschland hat sein Wirtschaftsmodell auf Industrie gebaut: auf Qualitätsproduktion, auf den Export, auf den Mittelstand, der Teile liefert, auf die Facharbeiter, die seit Generationen in denselben Branchen arbeiten. Dieses Modell funktioniert, wenn die Welt deutsche Industrie kaufen will und deutsche Industrie wettbewerbsfähig produzieren kann. Beides steht gerade unter Druck. Gleichzeitig, von mehreren Seiten.
Ein Umsatzplus von 1,7 Prozent klingt nach Erholung. Wenn dabei gleichzeitig 127.000 Stellen im Jahresvergleich verschwinden, bedeutet das: Die Unternehmen machen mehr Umsatz mit weniger Menschen. Das ist Effizienz. Es ist auch das genaue Gegenteil von Beschäftigungswachstum.
Die zentrale Frage, die EY stellt und die keine Regierung gerne laut beantwortet: Wie viel Industrie kann Deutschland noch halten, und wie viel will es halten?
Denn wenn ein Umsatzplus nicht mehr reicht, um Beschäftigung zu sichern, steht nicht nur eine Branche unter Druck.
Sondern das Modell, das diese Republik seit Jahrzehnten zusammengehalten hat.
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