Microsoft hat es erneut bestätigt: Die klassische Windows-Systemsteuerung soll verschwinden. Alle Funktionen werden in die moderne Einstellungen-App überführt. Einheitlich, touch-freundlich, zeitgemäß.
Das sagen sie seit Windows 8. Das war 2012.
- Microsoft bestätigt erneut: Die klassische Systemsteuerung soll vollständig verschwinden.
- Alle Funktionen wandern in die moderne Einstellungen‑App, aber schrittweise.
- Hauptgrund für die Verzögerung: alte Drucker, Netzwerkgeräte und Legacy‑Treiber.
- Abwärtskompatibilität hat Priorität, um ältere Hardware nicht zu „zerstören“.
- Kein offizielles Enddatum, aber der Umbau läuft seit Jahren und beschleunigt sich 2026
Wer die Systemsteuerung kennt, und wer Windows länger als fünf Jahre benutzt, kennt sie, weiß, was gemeint ist. Dieses leicht angestaubte Fenster mit den kleinen Icons, das sich seit gefühlt immer nicht wirklich verändert hat. Netzwerkeinstellungen, Drucker, Benutzerkonten, Energieoptionen. Alles da, alles funktionierend, alles irgendwie aus einer anderen Zeit. Design-Direktor March Rogers erklärt, man wolle alle Optionen nach und nach in die modernen Einstellungen übertragen. Das klingt nach Plan. Es ist auch ein Plan. Nur eben einer, der schon ein Jahrzehnt läuft und noch kein Ende hat.
Warum dauert das so lange?
Die ehrliche Antwort ist: weil Windows ein Versprechen gemacht hat, das es nicht brechen kann. Abwärtskompatibilität. Wer einen Drucker aus dem Jahr 2009 hat, der damals funktionierte, soll ihn auch heute noch anschließen können. Wer Firmennetzwerke mit proprietären Treibern betreibt, wer Spezialhardware nutzt, wer auf .cpl-Modulen basierende Tools einsetzt, all das soll nicht plötzlich aufhören zu funktionieren, weil Microsoft aufgeräumt hat. Apple macht das anders. Apple schneidet alte Standards ab, wenn es Zeit ist, und wer nicht mitzieht, kauft neue Hardware oder bleibt zurück. Das ist konsequent. Es ist auch der Grund, warum IT-Abteilungen in Unternehmen oft einen grundsätzlich anderen Blick auf Apple haben als auf Microsoft.
Windows ist das Betriebssystem, das für alle funktionieren muss. Für Gamer und für Behörden. Für den Privatanwender mit neuem Laptop und für die Stadtverwaltung mit einem Netzwerkdrucker, dessen Hersteller seit 2011 keine Updates mehr liefert. Das ist Stärke und Bremsklotz gleichzeitig.
Viele der alten Systemsteuerungs-Applets greifen tief ins System ein, tiefer, als irgendjemand bei Microsoft heute noch vollständig dokumentiert hat. Es gibt Funktionen in Windows, die so alt sind, dass kaum noch jemand weiß, warum sie genau so funktionieren wie sie funktionieren. Der sogenannte God Mode, ein versteckter Ordner, der hunderte Systemoptionen auf einmal anzeigt, ist ein gutes Bild dafür, wie viel alte Logik noch im Fundament von Windows steckt. Man sieht es nicht, solange alles läuft. Man merkt es sofort, wenn man versucht, es zu entfernen.
2026 passiert deshalb das, was in solchen Übergangsphasen immer passiert: Stabilität statt Radikalschnitt. Einzelne Module wandern in die Einstellungen-App: Kontonamen-Änderung hier, Maus- und Tastaturoptionen dort. Der Datei-Explorer wird weiter optimiert. Die Systemsteuerung verliert Funktionen, eine nach der anderen, aber sie bleibt im System. Als Schatten ihrer selbst, zugänglich für alle, die sie brauchen, ignoriert von allen, die sie nicht brauchen.
Meinung: Was mich daran eigentlich beschäftigt, ist nicht die Systemsteuerung selbst. Es ist was sie repräsentiert. Windows ist das einzige große Betriebssystem, das ernsthaft versucht, niemanden zurückzulassen. Das klingt edel. Es bedeutet in der Praxis, dass man Jahrzehnte alter Entscheidungen mit sich schleppt, dass jedes Update das Gewicht der Geschichte trägt, dass Modernisierung immer Kompromiss ist.
Die Einstellungen-App wird irgendwann die Systemsteuerung vollständig ersetzen. Das ist sicher. Wann genau, weiß niemand, und Microsoft gibt zu Recht kein Datum an. Wer ein Datum nennt, muss es einhalten. Wer kein Datum nennt, kann in Ruhe weiterarbeiten.
Bis dahin lebt die Systemsteuerung weiter. Klein, unscheinbar, irgendwo im Startmenü. Für alle, die wissen, wo sie suchen müssen.
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