- Robotaxis von Waymo und Zoox verletzen Testfahrer:innen immer wieder, durch abrupte Vollbremsungen und plötzliche Manöver.
- Mindestens zwei Dutzend dokumentierte Verletzungen 2024-2025: Schleudertraumata, Verstauchungen, Handgelenksbrüche, langanhaltende Rückenbeschwerden.
- Ursache sind „Nogos“ und harte Bremsmanöver bei hohen Geschwindigkeiten, wenn die Software vermeintliche Hindernisse falsch interpretiert oder sich abschaltet.
- Waymo und Zoox skalieren ihre Flotten trotzdem weiter, während Testfahrer:innen als „menschlicher Puffer“ zwischen Softwarefehlern und Realität fungieren.
- Einordnung: Die Verletzungen sind kein Randphänomen, sondern ein Symptom dafür, dass die Validierung autonomer Systeme auf Kosten der Menschen im Fahrzeug läuft.
Diese Zahl ist: über zwei Dutzend Verletzte in zwei Jahren. Testfahrerinnen und Testfahrer, die Schleudertraumata erlitten, Verstauchungen, Handgelenksbrüche, lange Rückenbeschwerden. Nicht durch Kollisionen mit anderen Fahrzeugen. Durch die Fahrmanöver der autonomen Software selbst.
Sicherheitsberichte der US-Arbeitsschutzbehörde OSHA und Recherchen mehrerer Medien zeigen ein klares Muster bei Waymo (Tochterunternehmen von Google) und Zoox (Tochterunternehmen von Amazon). Zwei der sichtbarsten Player im Robotaxi-Geschäft. Plötzliche Vollbremsungen, abrupte Spurwechsel, unerwartete Bewegungen. Ausgelöst von Systemen, die Hindernisse fälschlich als Gefahr einstufen, die Kontrolle unerwartet abgeben, die in komplexen Situationen auf eine Art reagieren, mit der der Mensch auf dem Sitz nicht gerechnet hat.
Bei Zoox, dem Amazon-Ableger, gibt es einen Begriff dafür: Nogos. Situationen, in denen sich das autonome System unerwartet abschaltet und eine plötzliche Vollbremsung auslöst. Teils bei über 70 Stundenkilometern. Testfahrende werden nach vorne geschleudert, Hände verkanten sich im Lenkrad, Körper werden in die Gurte gedrückt. Bei Waymo, der Alphabet-Tochter, beschreiben Testfahrende ähnliche Erfahrungen. Transdev, der Dienstleister, der die Fahrerinnen und Fahrer beschäftigt, meldete für 2024 und 2025 allein 16 Verletzungen, die direkt auf solche Manöver zurückzuführen sind.
Was mich dabei beschäftigt, ist nicht die Zahl selbst. Es ist, wo diese Zahl auftaucht, und wo nicht.
Die öffentliche Debatte über autonomes Fahren misst Sicherheit fast ausschließlich in Unfällen gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Weniger Kollisionen, weniger Blechschäden, weniger tote Fußgänger. Das sind die Metriken, die in Präsentationen erscheinen, in Regulierungsgesprächen, in Pressemitteilungen. Und in diesen Metriken sehen Waymo und Zoox tatsächlich gut aus, ihre Fahrzeuge verursachen in manchen Städten nachweislich weniger Unfälle als menschliche Fahrer.
Aber die Belastung der Testfahrenden taucht in diesen Kennzahlen nicht auf. Sie ist der blinde Fleck der Branche. Die Menschen, die vorne sitzen, damit die Software lernen kann, tragen die physische Last der Fehler, die das System noch macht. Das ist kein Randproblem. Es ist strukturell.
Waymo hat seine Flotte von rund 1.500 auf über 3.500 Fahrzeuge ausgebaut. Parallel dazu nahmen die gemeldeten Verletzungen zu. Bei Zoox traten mehrere Verletzungen nach einem Software-Recall auf, ein Hinweis darauf, dass die Korrekturen nicht vollständig gewirkt haben. Anonyme Quellen berichten auch 2026 noch von harten Bremsungen und Verletzungen, trotz Updates, trotz Rückrufen.
Beide Unternehmen betonen, sie nähmen Sicherheit ernst, erfüllten alle Meldepflichten, und harte Bremsungen seien in komplexen Verkehrssituationen manchmal unvermeidbar. Das ist alles wahr. Es beantwortet aber nicht die Fragen, die offenbleiben. Wie oft kommt es zu abrupten Bremsungen, die keine meldepflichtige Verletzung verursachen? Welche internen Grenzwerte gelten dafür, wie stark ein Fahrzeug Menschen im Innenraum belasten darf? Wie werden die Erfahrungen der Testfahrenden systematisch in die Softwareentwicklung einbezogen, oder werden sie das überhaupt?
Das Paradox der Automatisierung zeigt sich hier in seiner reinsten Form. Je mehr Verantwortung an Maschinen übergeben wird, desto stärker hängt die Sicherheit davon ab, wie gut diese Maschinen seltene, unerwartete Situationen erkennen. Genau dort ruckeln die Systeme noch, im wahrsten Sinne.
Das ist kein Argument gegen autonomes Fahren. Die Technologie wird besser werden, und sie wird Menschen retten, das ist wahrscheinlich. Aber es ist ein Argument dafür, ehrlicher darüber zu reden, was der Weg dorthin kostet. Nicht in Milliarden Dollar. In Schleudertraumata und Handgelenksbrüchen von Menschen, deren Namen in keiner Pressemitteilung vorkommen.
Die Frage ist nicht nur, ob Robotaxis im Durchschnitt sicherer fahren als Menschen.
Die Frage ist, wie viel abruptes Risiko sie ihren eigenen Testfahrenden zumuten dürfen, bevor man das Wort "sicher" in den Mund nehmen kann.
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