- In der Schweiz beginnen heute neue Gespräche zwischen Iran und den USA, begleitet von gegenseitigem politischem und militärischem Druck.
- US‑Vizepräsident JD Vance ist am Morgen eingetroffen, die iranische Delegation bereits am Vorabend.
- Zentrale Streitpunkte: Waffenruhe im Libanon, Irans Atomprogramm, Schließung der Straße von Hormus.
- Iran warnte vor einem Scheitern, nachdem die Meerenge erneut geschlossen wurde.
- Trump droht mit einer „Hormus‑Maut“, falls die Verhandlungen scheitern.
Der Verhandlungsort ist der Bürgenstock, abgeschirmt, sicher, hoch über dem Vierwaldstättersee, seit Jahren die erste Wahl für Diplomatie, die nicht gestört werden soll. Die Kulisse ist beruhigend. Die Lage drumherum ist es nicht.
Iran hat die Straße von Hormus erneut geschlossen. Dieselbe Meerenge, die im Zuge des Rahmenabkommens wieder geöffnet worden war. Trump hat gedroht, im Falle eines Scheiterns eine eigene Maut für die Durchfahrt zu erheben: ein Schritt, der die ganze Region weiter destabilisieren würde, wenn er ernst gemeint ist. Im Libanon kämpfen israelische Armee und Hisbollah. Teheran warnt, dass diese Eskalation das gesamte Verhandlungspaket gefährden könnte.
Das alles, bevor die Delegationen überhaupt am Tisch sitzen.
Es gibt ein Muster in Verhandlungen dieser Art, das sich immer wieder zeigt: Beide Seiten versuchen, die Ausgangslage zu ihren Gunsten zu verschieben, kurz bevor das Gespräch beginnt. Iran schließt die Meerenge und verweist auf den Libanon, Signale der Stärke, die sagen: Wir brauchen dieses Abkommen nicht dringender als ihr. Die USA setzen auf wirtschaftlichen und diplomatischen Druck, ergänzt durch die Drohkulisse militärischer Optionen. Die Botschaft ist identisch auf beiden Seiten: Wer zuerst nachgibt, verliert Verhandlungsmacht.
Diese Logik ist verständlich und gleichzeitig gefährlich. Wer den Druck so weit erhöht, dass die andere Seite nicht mehr gesichtswahrend de-eskalieren kann, verhindert genau das, was Verhandlungen ermöglichen sollen. Ein Abkommen, das niemand unterschreibt, weil niemand als Erster zurückweichen will, ist kein Abkommen.
Vance hat sich vor dem Abflug „vorsichtig optimistisch" gezeigt. Das ist die diplomatische Pflichtformulierung für Momente, in denen man weder Erwartungen schüren noch sie dämpfen will. Was von diesem Optimismus bleibt, wenn die ersten echten Streitpunkte auf dem Tisch liegen, ist die eigentlich interessante Frage.
Die Streitpunkte sind bekannt und schwer. Das Atomprogramm, in früheren Verhandlungen der Punkt, an dem alles scheiterte, weil Washington Abbau fordert und Teheran Souveränität verteidigt. Die Straße von Hormus, für die Weltwirtschaft ein Nadelöhr, für Iran ein Druckmittel, das nur einmal eingesetzt werden kann, bevor die Reaktion darauf unbeherrschbar wird. Der Libanon, eine Front, die von Israel geführt wird, ohne sich an das Abkommen gebunden zu fühlen, was das ganze Verhandlungspaket zu einem Konstrukt macht, in dem eine wesentliche Partei fehlt.
Die Schweiz tut, was die Schweiz tut: moderieren, abschirmen, Vertraulichkeit gewährleisten. Der Bürgenstock hat in den letzten Jahren mehrere hochrangige Formate erlebt, darunter den Ukraine-Friedensgipfel 2024. Die Kulisse ist bewährt. Ob sie diesmal hilft, hängt nicht von der Gastgeberrolle ab.
Was in den nächsten Tagen entscheidet, ob diese Gespräche mehr sind als ein weiterer Versuch, Zeit zu gewinnen, ist eine einzige Frage: Sind beide Seiten bereit, ihre Drohkulissen abzubauen und zu den eigentlichen Kompromissen zu gelangen, oder bleibt die Verhandlung ein Schauspiel für die Öffentlichkeit, hinter dem sich keine reale Bewegung verbirgt?
Die Bilder aus dem Bürgenstock werden Handshakes zeigen, ernste Gesichter, vielleicht eine gemeinsame Erklärung zum Abschluss der ersten Runde.
Was sie nicht zeigen, ist, was in den Sitzungen wirklich gesagt wird.
Und das, nicht die Kulisse, entscheidet alles.
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