Direkt zum Hauptbereich

Wirtschaftlicher Druck: Warum 2025 über 500 Apotheken schließen mussten

Zum 31. März 2026 gab es in Deutschland noch 16.541 Apotheken. Drei Monate vorher waren es 60 mehr. Im gesamten Jahr 2025 schlossen 502 Apotheken, während 62 neu eröffneten. Seit 2013 hat rund jede fünfte Apotheke aufgegeben.

JZ-Überblick (Kurz und knackig):
  • Zahl der Apotheken sinkt weiter: 16.541 Stand Ende März 2026, 60 weniger als zum Jahreswechsel
  • 2025 schlossen über 500 Apotheken, nur 62 eröffneten neu
  • Seit 2013 hat jede fünfte Apotheke in Deutschland aufgegeben
  • Gründe: stagnierende Vergütung, Online Handel, steigende Kosten, Personalmangel, strukturschwache Regionen besonders betroffen

Regale mit zahlreichen Medikamentenschachteln in einem Apothekenlager; verschiedene Arzneimittel stehen sortiert und dicht aneinandergereiht auf Metallregalen.
Apothekensterben setzt sich fort: Immer mehr Betriebe schließen, während die wirtschaftliche Lage angespannt bleibt.


Man kann diese Zahlen lesen und sie abstrakt finden. Oder man kann sich vorstellen, was sie bedeuten, wenn die letzte Apotheke im Dorf zumacht und die nächste zwanzig Kilometer entfernt ist; für jemanden ohne Auto, im Winter, mit einem kranken Kind.

Das ist kein hypothetisches Szenario. In 48 Kommunen in NRW gibt es inzwischen nur noch eine einzige Apotheke. Eine. Wenn die schließt, ist die Versorgung weg.

Warum so viele Apotheken aufgeben, lässt sich nicht auf einen Satz reduzieren, aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Rund 80 Prozent des Umsatzes einer Apotheke entfallen auf Medikamente: Waren, die zu festgelegten Preisen verkauft werden, mit regulierten Margen. Die Vergütung für Apothekenleistungen ist seit über zehn Jahren weitgehend unverändert. Personal- und Betriebskosten sind in dieser Zeit gestiegen, wie überall. Das durchschnittliche Betriebsergebnis vor Steuern liegt bei rund 162.000 Euro, was für einen Selbstständigen mit Personalverantwortung, Nachtdiensten und Haftungsrisiken wenig ist, auch wenn die Zahl auf dem Papier nicht klein klingt. Die durchschnittliche Gewinnmarge liegt bei 4,4 Prozent.

Das ist kein Spielraum. Das ist eine Existenz auf Kante.

Verbände fordern seit Jahren mehr; konkret wäre eine Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro pro abgegebener Packung ein erster Schritt. Das ist nicht konkretisiert. Die Bundesregierung verspricht finanzielle Stärkung, ohne zu sagen, wann und wie. 78 Prozent der befragten Apothekerinnen und Apotheker glauben nicht, dass die Politik ihre Sorgen ernst nimmt.

Das ist eine Zahl, die nachhallen sollte.

Das Muster der Schließungen ist bundesweit, aber nicht gleichmäßig. Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe; überall mehr Schließungen als Eröffnungen, nirgendwo ein Gegentrend. Besonders hart trifft es ländliche Regionen und strukturschwache Stadtteile. Nicht weil die Menschen dort weniger Medikamente brauchen. Sondern weil sie weniger Kaufkraft haben, weniger Laufkundschaft bringen, weniger wirtschaftlichen Puffer bieten. Apotheken folgen der Ökonomie, wie alle anderen auch.

91 Prozent der Apothekenteams erwarten, dass die Schließungswelle sich 2026 beschleunigt. Das ist keine Panikmache. Das ist eine Einschätzung von Menschen, die täglich in diesem System arbeiten und wissen, was kommt.

Man muss dabei auch sagen, was die öffentliche Debatte oft ausspart: Online Apotheken haben den Markt verändert. Wer Medikamente regelmäßig bestellt, macht das zunehmend digital: teilweise günstiger, bequemer, ohne Öffnungszeiten. Das ist eine Entwicklung, die sich nicht rückgängig machen lässt, und die für viele Menschen tatsächlich praktisch ist. Aber Online Apotheken nehmen keine Notdienste wahr. Sie beraten nicht bei akuten Symptomen, sie können nicht einschätzen, ob eine Wechselwirkung gefährlich ist. Sie liefern und fertig. Aber sie ersetzen nicht, was eine Apotheke vor Ort leistet.

Wenn die stationäre Versorgung weiter erodiert, wird das sichtbar; nicht sofort, sondern in Momenten, in denen jemand dringend etwas braucht und niemand da ist. Notdienste, die größere Gebiete abdecken müssen. Längere Wege, die für manche Menschen echte Hürden sind. Eine Resilienz im Gesundheitssystem, die mit jeder Schließung kleiner wird.

Die ABDA sagt dazu: 

"Die Resilienz unserer Gesundheitsversorgung wird mit jeder Schließung weiter geschwächt." 

Das Apothekensterben ist kein Randphänomen und kein kurzfristiger Einbruch. Es ist ein strukturelles Problem, das sich seit Jahren abzeichnet, das gut dokumentiert ist, und auf das die Politik bisher keine konkrete Antwort gegeben hat.







Von: Jonas
Quelle: ABDA, Pharmazeutische Zeitung (PZ)
Bildquelle: Árpád Czapp auf Unsplash
JZ-App

Kommentare

Beliebte Beiträge

Spotify schafft den Benutzernamen ab: Was sich beim Login ändert

Ab dem 1. September 2026 kann man sich bei Spotify nicht mehr mit Benutzername und Passwort anmelden. Nur noch E-Mail, oder über verknüpfte Konten wie Google, Apple oder Facebook. Wer sich bisher ausschließlich mit seinem Nutzernamen einloggt, und das tun noch immer viele, besonders Nutzer mit alten Accounts, muss rechtzeitig umstellen. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Ab 1. September 2026 : Spotify schafft die Anmeldung mit Benutzername + Passwort ab. Login funktioniert dann nur noch mit E‑Mail + Passwort oder über Google/Apple/Facebook‑Konten . Wer aktuell nur den Benutzernamen nutzt, muss bis zum Stichtag eine gültige E‑Mail hinterlegen . Playlists, Musik und Abo bleiben unverändert, es geht nur um die Art der Anmeldung . Wer seine E‑Mail nicht rechtzeitig prüft oder aktualisiert, kann sich ab September nicht mehr einloggen und muss den Support kontaktieren. Login‑Umstellung: Spotify schafft die Anmeldung per Benutzername ab, künftig funktioniert der Zugang nur noch über E‑Mai...

HDMI 2.2 vorgestellt: Extreme Bildraten treffen auf die Realität des Marktes

Die HDMI-Organisation hat HDMI 2.2 vorgestellt. 96 Gbit/s Bandbreite, doppelt so viel wie der aktuelle Standard. Was das theoretisch ermöglicht, liest sich wie eine Liste aus einem Sci-Fi-Katalog: 4K mit bis zu 480 Hz, 8K mit bis zu 165 Hz, 10K mit 120 Hz unter Kompression. HDR bei extremen Bildraten. Latenzen, die noch einmal geringer werden. JZ-Überblick (Kurz und knackig): HDMI 2.2 startet 2027 und verdoppelt die Bandbreite auf bis zu 96 Gbit/s . Damit werden absurde Bildraten möglich: theoretisch 4K mit 480 Hz oder 8K mit 165 Hz . Erste Geräte sollen Ende 2027 erscheinen, vor allem High‑End‑TVs und Gaming‑Monitore. Aber: Neue Kabel, neue Chips, neue Geräte, keine Abwärtskompatibilität für die neuen Features . Hersteller warnen: Die extremen Framerates sind theoretische Maximalwerte , die in der Praxis nur selten erreicht werden. Neuer Standard in Sicht: Mit HDMI 2.2 verdoppelt sich ab 2027 die Bandbreite, passende Kabel werden erneut nötig. Beeindruckend. Und vorerst fast v...

Zehn Jahre danach: Großbritannien und die schmerzhafte Suche nach dem Weg zurück in die EU

Im Jahr 2016 hat Großbritannien abgestimmt. 52 zu 48. Leave won. Was folgte, war ein jahrelanges Chaos aus Verhandlungen, Misserfolgen, Premierministerwechseln und einer Wirtschaft, die sich nie so entwickelt hat, wie die Brexit-Befürworter versprochen hatten. Jetzt, ein Jahrzehnt später, hält laut Umfragen die Mehrheit der britischen Bevölkerung den Austritt für einen Fehler. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Eine Rückkehr Großbritanniens in die EU ist kein Randthema mehr: Eine Mehrheit der Briten hält den Brexit für einen Fehler und wünscht sich eine Wiederannäherung. Brüssel stellt klare Bedingungen: Euro‑Einführung, volle Freizügigkeit, höhere Beiträge: keine Sonderrabatte mehr. Politisch heikel: Die Labour‑Regierung steht zwischen wirtschaftlichem Druck und einer EU‑skeptischen Bevölkerung. Geopolitisch relevant: Eine Rückkehr könnte Machtverschiebungen in Europa, im transatlantischen Verhältnis und im globalen Handel auslösen. Aber: Der Weg zurück wäre lang, teuer und politis...

Das Ende der Preisstabilität: Warum das iPhone 18 spürbar teurer wird

Tim Cook hat in einem Interview mit dem Wall Street Journal etwas gesagt, das Apple-CEOs normalerweise nicht sagen: Die Kosten für Speicherchips sind so stark gestiegen, dass Apple sie nicht mehr vollständig abfedern kann. Preiserhöhungen beim iPhone 18 sind damit so gut wie angekündigt, ohne dass ein konkreter Preis genannt wurde. JZ-Überblick (Kurz und knackig): Preissteigerungen treffen das iPhone 18 , das im September 2026 erscheint. Grund laut Tim Cook: dramatisch gestiegene DRAM‑ und NAND‑Preise , verursacht durch die weltweite KI‑Rechenzentrumswelle. Analysten erwarten rund 50 Dollar Aufpreis pro Modell . Das iPhone 18 Pro startet weiterhin bei 256 GB: die 128‑GB‑Option wurde bereits 2025 beim iPhone 17 Pro gestrichen. Für Deutschland sind spürbar höhere Euro‑Preise wahrscheinlich (Steuern, Wechselkurs, Speicherpreise). Teureres Kamera‑Flaggschiff: Mit dem iPhone 18 steigen die Preise: Apple verweist auf stark gestiegene Speicherchip‑Kosten. Das ist ungewöhnlich offen für e...

Zwischen Dialog und Drohung: Der riskante Verhandlungsauftakt in der Schweiz

JD Vance ist am Sonntagmorgen in der Schweiz eingetroffen. Die iranische Delegation war bereits am Samstagabend da. Pakistan und Katar sitzen mit am Tisch, als Vermittler, als Stabilisatoren, als jene, die seit Monaten versuchen, die Fronten zumindest so weit zu halten, dass Gespräche möglich sind. JZ-Überblick (Kurz und knackig): In der Schweiz beginnen heute neue Gespräche zwischen Iran und den USA , begleitet von gegenseitigem politischem und militärischem Druck. US‑Vizepräsident JD Vance ist am Morgen eingetroffen , die iranische Delegation bereits am Vorabend. Zentrale Streitpunkte: Waffenruhe im Libanon, Irans Atomprogramm, Schließung der Straße von Hormus. Iran warnte vor einem Scheitern , nachdem die Meerenge erneut geschlossen wurde. Trump droht mit einer „Hormus‑Maut“ , falls die Verhandlungen scheitern. Energie als Druckmittel: Vor Beginn der Gespräche in der Schweiz erhöhen Iran und die USA den politischen Druck, auch über die Kontrolle wichtiger Öl‑ und Handelsrouten. D...