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Diplomatie am Elfmeterpunkt: Trump Gesandter will Iran durch Italien ersetzen

Paolo Zampolli hat einen Vorschlag. Iran soll von der WM ausgeschlossen werden. Italien soll nachrücken. Er habe darüber mit Trump gesprochen. Und mit FIFA-Präsident Infantino. Man muss das zweimal lesen, um zu glauben, dass es ernst gemeint ist.

JZ-Überblick (Kurz und knackig):
  • Trump‑Gesandter Paolo Zampolli fordert, Iran durch Italien bei der WM zu ersetzen
  • Hintergrund: diplomatisches Manöver zur Entspannung zwischen Trump und Meloni
  • Italien reagiert ablehnend: Sportminister Abodi nennt Vorschlag „unangemessen“
  • Iran betont, das Team sei „vollständig vorbereitet“ und fordert Spielverlegung von USA nach Mexiko
  • Experten: FIFA Statuten erlauben Nachrücker, aber Italien wäre sportlich nicht legitim

Ein klassischer schwarz‑weißer Fußball liegt auf einem grünen Rasen und wirft einen Schatten in der Sonne.
WM‑Debatte eskaliert: Ein Trump‑Gesandter fordert, Iran durch Italien zu ersetzen.


Zampolli ist US-Sondergesandter, enger Vertrauter des Präsidenten, und sein Vorstoß klingt auf den ersten Blick wie eine dieser Ideen, die jemand auf einer Abendveranstaltung äußert und die am nächsten Morgen niemand mehr hören will. Auf den zweiten Blick ist er das auch. Nur dass er diesmal in der Financial Times und im Guardian gelandet ist, was bedeutet, dass irgendjemand ihn ernst genug nahm, um darüber zu schreiben.

Der sportliche Sachverhalt ist schnell geklärt. Italien ist in den Play-offs ausgeschieden, dramatisch, gegen Bosnien-Herzegowina, nach einem Qualifikationsprozess, der genau dafür gemacht ist, zu entscheiden, wer teilnimmt und wer nicht. Iran hat sich qualifiziert. Ein Nachrücken Italiens hätte mit Sport so viel zu tun wie ein Elfmeter mit Münzwurf. Der italienische Sportminister Andrea Abodi sagte, der Vorschlag sei „unangemessen", und Italien selbst habe kein Interesse. Das ist eine höfliche Art zu sagen: Bitte nicht.

Was Zampolli wirklich will, ist woanders zu suchen.

Trump hatte Papst Leo XIV. öffentlich attackiert, wegen dessen Kritik am Iran-Krieg. Das sorgte in Italien für erhebliche Irritationen. Giorgia Meloni, enge Verbündete Washingtons, sitzt zwischen allen Stühlen: loyal zu Trump, aber Regierungschefin eines Landes mit einer Bevölkerung, die ihren Papst nicht gerne beleidigt sieht. Zampollis Idee ist der Versuch, diese Irritation mit einem Fußball zu glätten. Symbolisch, plump, aber in der Logik transatlantischer Gefälligkeitspolitik nicht ganz unverständlich.

Das Problem: Es funktioniert nicht, wenn die andere Seite es nicht will. Und Italien will es nicht.

Was die FIFA betrifft, gibt es wenig zu berichten. Es gibt keine Hinweise, dass der Verband den Vorschlag prüft. Artikel 6 der FIFA-Statuten erlaubt theoretisch ein Nachrücken, wenn ein Team ausgeschlossen wird, sich zurückzieht oder nicht antreten kann. Iran wird ausgeschlossen? Dafür bräuchte es Gründe, die sportrechtlich haltbar wären, nicht außenpolitische Präferenzen eines US-Sondergesandten. Experten verweisen zudem darauf, dass bei einem tatsächlichen iranischen Ausfall logischerweise der AFC, also der asiatische Verband, einen Ersatz stellen würde. Die Vereinigten Arabischen Emirate wären ein möglicher Kandidat. Italien läge in diesem Szenario nicht auf der Liste.

Aber darum geht es eigentlich nicht.

Es geht um etwas, das man in den letzten Jahren immer öfter beobachten kann: Sport als außenpolitisches Instrument, das nicht mal mehr subtil eingesetzt wird. Olympia, WM, Formel 1: es gibt kaum ein großes Sportereignis mehr, das nicht von geopolitischen Interessen umkreist wird. Manchmal ergibt das eine ernsthafte Debatte, wie beim russischen Ausschluss nach dem Einmarsch in die Ukraine. Manchmal ergibt es einen Zampolli, der mit halbfertigen Ideen Schlagzeilen produziert, während sein eigentliches Anliegen ein ganz anderes ist.

Für Iran ist der Vorschlag vor allem ein weiteres Kapitel in einer langen Geschichte der Politisierung. Das Team hat sich qualifiziert, ist laut eigenen Angaben vollständig vorbereitet, und hat bereits darum gebeten, seine Spiele von den USA nach Mexiko zu verlegen, aus Sicherheitsgründen, was angesichts der aktuellen Lage keine paranoia ist, sondern eine nachvollziehbare Vorsichtsmaßnahme. Dass nun ein US-Gesandter öffentlich seinen Ausschluss fordert, macht die Situation nicht einfacher.

Die FIFA wird diesen Druck ignorieren. Das ist das Wahrscheinlichste. Nicht weil der Verband prinzipientreu wäre, die Geschichte lehrt anderes, sondern weil ein Ausschluss Irans auf Zuruf Washingtons eine Klage nach der anderen produzieren würde und den Qualifikationsprozess für alle kommenden Turniere grundsätzlich infrage stellen würde. Das will auch die FIFA nicht.

Was bleibt, ist das Bild. Ein US-Sondergesandter, der mit Fußball Diplomatie betreiben will. Ein italienischer Sportminister, der höflich ablehnt. Eine FIFA, die schweigt. Und ein Iran, der spielt.




Von: Jonas
Bildquelle: Wesley Tingey auf Unsplash
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