Direkt zum Hauptbereich

Pahlavi in Berlin: Scharfe Kritik an deutscher Iran-Politik

Reza Pahlavi war in Berlin. Er traf Armin Laschet, sprach mit Abgeordneten, gab Interviews. Was er nicht bekam: ein Gespräch mit dem Kanzleramt. Oder dem Auswärtigen Amt. Die Bundesregierung behandelte den Sohn des letzten Schahs als Privatperson: bewusst, konsequent, und nach außen hin schweigend.

JZ-Überblick (Kurz und knackig):
  • Schah Sohn Reza Pahlavi kritisiert Bundesregierung bei Berlin-Besuch scharf
  • Zentraler Vorwurf: Pahlavi nennt es „beschämend“, dass die Bundesregierung ein offizielles Treffen mit ihm verweigert hat.
  • Forderungen: Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation, Ende der „Beschwichtigung“ und massive Unterstützung der Opposition.
  • Haltung Berlin: Die Bundesregierung stuft ihn als Privatperson ein; offizielle Gespräche wurden abgelehnt.
  • Vorfälle: Bei einem öffentlichen Auftritt kam es zu einem Protest-Angriff mit roter Flüssigkeit/Tomaten auf Pahlavi.

Die iranische Flagge weht an einem Mast vor blauem Himmel, teilweise von kahlen Ästen eingerahmt.
Iran im Fokus: Beim Berlin‑Besuch kritisiert Reza Pahlavi die deutsche Iran Politik scharf.


Pahlavi nannte das „beschämend für eine Demokratie."

Man kann verstehen, warum er so reagiert. Und man kann gleichzeitig verstehen, warum die Bundesregierung so handelt. Beides geht, auch wenn es unbequem ist.

Pahlavi ist kein gewählter Repräsentant, kein Exilpremier, kein offiziell anerkannter Oppositionsführer. Er ist der Sohn eines Mannes, dessen Regime 1979 gestürzt wurde, von einem anderen Regime, das seitdem selbst eine der brutalsten Herrschaftsformen der Region aufgebaut hat. Die iranische Opposition ist fragmentiert, ideologisch zerstritten, und Pahlavi repräsentiert für einen Teil der Exil-Iraner eine Vergangenheit, die sie nicht zurückwollen. Das zeigte sich auch in Berlin, wo er mit einer roten Substanz beworfen wurde. Nicht von Anhängern des Mullah-Regimes. Von Exil-Iranern, die eine Rückkehr zur Monarchie ablehnen.

Das ist die Komplexität, die in den meisten Berichten über seinen Besuch fehlt.

Trotzdem hat Pahlavi einen Punkt, mehrere sogar. Dass Deutschland weiterhin auf diplomatische Kanäle setzt, die das Regime in Teheran nachweislich zur Zeitgewinnung nutzt, ist keine kontroverse Einschätzung. Es ist die Erfahrung der letzten zwanzig Jahre Atompolitik. Dass die Revolutionsgarden noch immer nicht auf der EU-Terrorliste stehen, ist eine Entscheidung, die schwer zu erklären ist, und noch schwerer zu verteidigen, wenn man gleichzeitig auf Menschenrechte verweist. Hinrichtungen im Iran nehmen zu. Repressionen auch. Europa schaut zu, formuliert Erklärungen und setzt auf abgestimmte Sanktionen, die das Regime bislang nicht erschüttert haben.

Die Bundesregierung antwortete mit dem üblichen Vokabular: verantwortungsvolle multilaterale Politik, keine Alleingänge, EU-Koordination. Das sind keine falschen Begriffe. Sie sind aber auch bequeme Begriffe, sie signalisieren Ernsthaftigkeit, ohne etwas zu riskieren.

Dass sich Laschet mit Pahlavi traf, während die Regierung schwieg, ist mehr als ein protokollarisches Detail. Es zeigt, dass die Iran-Frage innenpolitisch nicht so einig ist, wie es die offizielle Zurückhaltung suggeriert. Die CDU, jetzt in der Koalition, und ihre Abgeordneten senden andere Signale als das Kanzleramt, was entweder für eine lebendige Debatte spricht oder für eine Koalition, die in Außenpolitik noch keine gemeinsame Sprache gefunden hat.

Was Pahlavi von Berlin wollte, war Symbolik. Ein Empfang, ein Foto, ein Signal, dass Europa den Wandel im Iran aktiv unterstützen will. Die Bundesregierung verweigerte dieses Signal, aus nachvollziehbaren diplomatischen Gründen, die trotzdem ein Problem haben: Sie funktionieren nur, wenn die andere Seite dieselben Spielregeln akzeptiert. Teheran tut das nicht. Das Regime verhandelt, wenn es nützlich ist, und ignoriert, wenn es das nicht ist.

Ob ein Empfang für Pahlavi daran etwas geändert hätte, ist ehrlich gesagt unklar. Symbolpolitik ist nicht nichts, aber sie ist auch kein Außenpolitikinstrument.

Was bleibt, ist das Unbehagen. Berlin hat einen Mann kommen lassen, der für Millionen Iraner im Exil eine wichtige Stimme ist, und ihn als Tourist behandelt. Man kann das verteidigen. Man sollte aber auch sagen dürfen, dass es sich merkwürdig anfühlt, wenn dieselbe Regierung gleichzeitig betont, wie sehr ihr die Menschenrechte im Iran am Herzen liegen. Worte und Empfänge sind nicht dasselbe. Manchmal aber schon.




Von: Jonas
Bildquelle: mostafa meraji auf Unsplash
JZ-App

Kommentare

Beliebte Beiträge

Zuckersteuer ab 2027: Wer zahlt, und wie viel der Staat einnimmt

Die schwarz-rote Koalition hat sich auf eine Zuckersteuer geeinigt. Ab 1. Juli 2027 werden zuckergesüßte Getränke besteuert: 26 Cent pro Liter bei fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, 32 Cent ab acht Gramm. Zwei Stufen, ein Kompromiss, wochenlange Verhandlungen, am Ende ein Kabinettsbeschluss. JZ-Überblick (Kurz und knackig - Geprüfte KI-Zusammenfassung): Union und SPD haben sich auf eine zweistufige Zuckersteuer geeinigt , Start 1. Juli 2027 . Steuersätze: 26 Cent/Liter ab 5 g Zucker/100 ml, 32 Cent/Liter ab 8 g Zucker/100 ml. Ausnahmen: Kleine Hersteller bis 1 Mio. Liter/Jahr sollen befreit werden (EU‑Genehmigung nötig). Mehreinnahmen: 690 Mio. € (2027), 925 Mio. € (2028). Politischer Hintergrund: Kanzleramt stoppte zunächst Klingbeils härteren Entwurf; Streit in der Koalition nun beigelegt. Einordnung: Die Zuckersteuer ist ein gesundheitspolitisches Lenkungsinstrument, aber auch ein Haushaltsbaustein. Die Koalition hat sich auf eine Zuckersteuer geeinigt, betroffen sind vor ...

Ära der lokalen Agenten: Nvidia und Microsoft brechen mit RTX Spark das Cloud-Monopol

Es gibt Momente in der Technikgeschichte, in denen eine Ankündigung nicht nur ein neues Produkt beschreibt, sondern eine Verschiebung. Den Walkman. Das iPhone. Den ersten Grafikprozessor, der Spiele in Echtzeit renderte. Man erkennt solche Momente meistens erst im Rückblick. RTX Spark könnte einer davon sein, oder es stellt sich heraus, dass es ein sehr leistungsstarker Chip ist, der gut vermarktet wurde. Der Unterschied zeigt sich in den nächsten drei Jahren. JZ-Überblick (Kurz und knackig - Geprüfte KI-Zusammenfassung): Nvidia und Microsoft starten mit RTX Spark eine neue PC‑Generation , die lokale KI‑Agenten direkt auf Windows‑Geräten ausführt. 1 Petaflop KI‑Leistung, Blackwell‑RTX‑GPU + Grace‑CPU, bis zu 128 GB Unified Memory, erstmals laufen große KI‑Modelle vollständig lokal. Windows wurde für Spark tiefgreifend umgebaut : neue Sicherheits‑Container (MXC), optimierter Scheduler, native Agent‑Infrastruktur. Zielgruppe: Entwickler, Kreative, Gamer, lokale KI ersetzt Cloud‑Abhängi...

Der Ruf nach der Bremse: Wenn die Entwickler Angst vor ihrer eigenen KI bekommen

Es gibt Momente, in denen ein Vorschlag mehr verrät als sein Inhalt. Als Dario Amodei, CEO von Anthropic, am Wochenende öffentlich eine koordinierte Pause bei der Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Modelle forderte, ein bis zwei Jahre, Zeit schaffen, Risiken verstehen, war das nicht irgendein Beitrag zur öffentlichen Debatte. Es war der Gründer eines der mächtigsten KI-Unternehmen der Welt, der sagte: Wir fahren zu schnell. JZ-Überblick (Kurz und knackig - Geprüfte KI-Zusammenfassung): Anthropic‑Chef Dario Amodei fordert eine ein‑ bis zweijährige KI‑Pause , um Sicherheitsrisiken besser zu verstehen und einzudämmen. Börsen reagieren sofort negativ: SoftBank verliert zeitweise über 13 %, Kioxia fast 10 %, weitere Tech‑Aktien rutschen ab. Trump winkt ab: Die USA seien „weit vor China“, KI bringe „mehr Gutes als Schlechtes“, Leitplanken reichten aus. Forscher loben den Vorstoß: Deutsche KI‑Wissenschaftler begrüßen unabhängige Kontrollinstanzen und externe Prüfstellen. Einordnung:...

FSB erklärt Telegram zur Gefahr – Folgt jetzt das totale Verbot in Russland?

Was sich seit Wochen durch Drosselungen und Fehlermeldungen angekündigt hat, ist nun amtlich: Der russische Geheimdienst FSB hat Telegram als offizielles Sicherheitsrisiko eingestuft. Damit erreicht die Eskalation zwischen dem Kreml und dem Messenger-Gründer Pawel Durow eine neue, gefährliche Stufe. Betroffen sind über 90 Millionen Nutzer in Russland, für die Telegram bisher das wichtigste Fenster zur Welt und die zentrale Informationsquelle abseits der Staatsmedien war. Die Vorwürfe: „Ukraine liest mit“ Der FSB spart nicht mit schweren Geschützen. Die offizielle Begründung klingt wie ein Spionageroman: Gefahr für Soldaten: Der Geheimdienst behauptet, die Ukraine könne Telegram-Nachrichten „innerhalb kürzester Zeit“ abfangen. Die Nutzung des Messengers an der Front habe in den letzten drei Monaten wiederholt das Leben russischer Soldaten gefährdet. Duldung von Verbrechen: FSB-Chef Alexander Bortnikow warf Durow persönlich vor, „merkantile Interessen“ über die Sicherheit zu stellen ...