Jedes Jahr im Juni passiert dasselbe. Apple zieht den Vorhang auf, Tim Cook steht auf der Bühne im Apple Park, und irgendwo auf der Welt flippen Menschen aus, weil das iPad jetzt die Taschenrechner-App hat. Das ist kein Vorwurf. Das ist Tradition.
Die WWDC 2026 findet vom 8. bis 12. Juni statt, wieder überwiegend online. Keynote am 8. Juni, danach die übliche Woche voller Sessions, die sich neunzig Prozent der Zuschauer nicht ansehen werden. Auf dem Programm: iOS 27, iPadOS 27, macOS 27, watchOS 27, visionOS 27, tvOS 27. Apple hatte, für die es noch nicht wissen, 2025 die Versionsnummern mit den Jahreszahlen synchronisiert und iOS 19 einfach übersprungen.
Wer das Update auf sein iPhone will: Entwicklerbeta direkt nach der Keynote, öffentliche Beta ist erst im Juli, finale Version im September. Also Geduld.
Aber das Datum ist nicht die eigentliche Geschichte.
Die eigentliche Geschichte heißt Siri. Seit der Kooperation mit Google und der Gemini-Integration wird erwartet, dass Siri endlich als kontextsensitiver Assistent funktioniert, das heißt endlich ein echter Chatbot, der Zusammenhänge versteht, statt jeden dritten Satz mit „Das habe ich nicht gefunden" zu beantworten. Dieses Feature hätte eigentlich schon in iOS 18 kommen sollen. Das war 2024. Jetzt schreiben wir 2026. Zwei Jahre. Für etwas, das Apple damals als revolutionär angekündigt hat.
Wenn Siri in diesem Jahr immer noch nicht funktioniert wie versprochen, wird das keine gute Woche für Tim Cook. Das ist keine Übertreibung.
Was Experten für iOS 27 und macOS 27 erwarten, klingt auf den ersten Blick unspektakulär: kein großer Design-Sprung, stattdessen Feinschliff, Stabilität, Fehlerbehebung. Intern kursiert bereits der Vergleich mit Snow Leopard: Dem macOS-Update von 2009, das kaum neue Features brachte, dafür aber die Code-Basis so gründlich aufräumte, dass Apple die nächsten Jahre davon "zehrte".
Das klingt nach wenig. Ist es aber nicht. Apple hat in den letzten zwei Jahren so viel gleichzeitig eingeführt: Liquid Glass Design, Apple Intelligence, neue Multitasking-Konzepte, dass die Software an manchen Ecken schlicht wackelt.
Am Rande, aber nicht unwichtig: iOS soll flexiblere Interface-Elemente bekommen, die dynamisch auf verschiedene Displaygrößen reagieren. Das klingt nach Vorbereitung, auf das im Herbst erwartete iPhone Fold. Faltbares iPhone. Falls die Gerüchte stimmen, ist die eigentliche Überraschung des Jahres vielleicht gar keine WWDC-Überraschung. Die kommt dann im September.
Was bleibt, ist ein einfaches Bild. Apple hat in den letzten zwei Jahren viel versprochen und weniger eingelöst. Siri hinkt ChatGPT und Gemini hinterher auf eine Art, die inzwischen peinlich ist. Liquid Glass war ein ästhetisches Experiment, über das noch immer gestritten wird. Die Software-Qualität ist spürbar gesunken, langsam, aber merklich, und die Leute, die das sagen, sind meistens keine Android-Fans, sondern Stammkunden.
Am 8. Juni zeigt sich, ob Apple das weiß. Oder ob wir wieder eine Stunde bunte Animationen sehen, während die echten Probleme weiter vor sich hin gären.
Die Jonaser Zeitung ist am 8 Juni um 19 Uhr dabei.
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