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Von zwölf auf drei Sonderfahrten: Das steckt hinter der Reform

Wer in Deutschland einen Führerschein machen will, zahlt dafür im Schnitt 3.400 Euro. In manchen Regionen bis zu 4.500. Das ist kein Luxusprodukt, das ist eine Grundvoraussetzung für Mobilität: Für Millionen Menschen, die auf dem Land leben, die pendeln müssen, die ohne Auto schlicht keinen Job erreichen. Und es wird teurer. Jedes Jahr ein bisschen mehr, fast unbemerkt, bis es irgendwann so weit ist, dass Fahrschulen Rückgänge von bis zu 58 Prozent bei Neuanmeldungen melden. Nicht weil die Leute keinen Führerschein wollen. Sondern weil sie auf bessere Bedingungen warten.

Das ist die Ausgangslage. Und sie ist tatsächlich unhaltbar.

Die Bundesregierung hat reagiert. Ab 2027 sollen die verpflichtenden Sonderfahrten von zwölf auf drei reduziert werden: Eine Überlandfahrt, eine Autobahn, eine Nacht. Was darüber hinausgeht, liegt im Ermessen der Fahrschule, abhängig vom Können des jeweiligen Fahrschülers. Der TheorieFragenkatalog wird um rund 30 Prozent verschlankt, Unterricht darf künftig hybrid oder vollständig digital stattfinden. Und das ist der umstrittenste Punkt, Eltern oder enge Vertraute sollen begleitend ausbilden dürfen, nach einer Testphase, angelehnt an Modelle aus Österreich und Luxemburg.

Eine nächtliche Autobahnaufnahme in Langzeitbelichtung zeigt weiße und rote Lichtspuren vorbeifahrender Fahrzeuge. Die Straße verläuft durch eine dunkle Landschaft, am Horizont sind vereinzelte Lichter zu sehen, der Himmel ist schwarz mit wenigen Sternen.





Klingt vernünftig. Ist es vielleicht auch. Aber es gibt einen Haken, und der sitzt tief.

Von zwölf Pflichtfahrten auf drei: Überland, Autobahn, Nacht: Situationen, die für unerfahrene Fahrer statistisch besonders gefährlich sind. Genau diese Fahrsituationen wurden bisher mehrfach verpflichtend geübt, weil man irgendwann entschieden hatte, dass einmal nicht reicht. Diese Entscheidung wird jetzt rückgängig gemacht.

Fahrlehrerverbände sprechen von einem Schlag ins Gesicht für alle, die für sichere Straßen kämpfen. Das klingt nach Berufsstandsrhetorik. Ist es vielleicht auch ein bisschen. Aber die Frage dahinter ist trotzdem berechtigt: Wenn eine Fahrstunde auf der Autobahn bisher viermal verpflichtend war: Warum war das so? Und hat sich daran etwas geändert, außer dass der Führerschein zu teuer geworden ist?

Hier liegt das eigentliche Problem dieser Reform. Sie löst ein Kostenproblem, indem sie Ausbildungsumfang streicht. Das mag funktionieren, wenn Fahrschulen verantwortungsvoll einschätzen, wer mehr Übung braucht und wer nicht. Das Wort „Ermessen" ist dabei gleichzeitig die Stärke und die Schwäche des Konzepts. Gut ausgebildete Fahrlehrer mit gutem Gewissen werden genau das tun. Andere werden den kürzesten Weg nehmen, weil das Geschäftsmodell es erlaubt.

Die Laienausbildung ist der Teil, der am polarisierendsten wirkt, aber möglicherweise am wenigsten problematisch ist. Österreich macht das seit Jahren, die Unfallstatistiken sprechen nicht gegen das Modell. Begleitetes Fahren mit erfahrenen Erwachsenen kann mehr Praxis bedeuten, nicht weniger. Vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen.

Was mich insgesamt beschäftigt: Diese Reform geht das Symptom an, nicht die Ursache. Führerscheine sind teuer, weil Fahrschulbetrieb teuer ist: Versicherung, Fahrzeuge, Kraftstoff, ausgebildete Lehrkräfte. Das wird günstiger durch weniger Pflichtstunden, ja. Aber es wird nicht günstiger, weil das System effizienter wird. Es wird günstiger, weil weniger gemacht wird.

Ob das reicht, um die Straßen sicherer zu halten, weiß man frühestens in ein paar Jahren. Dann, wenn die ersten Jahrgänge der neuen Ausbildung unterwegs sind. Und dann wird man die Zahlen auswerten: Unfälle, Beinaheunfälle, Altersgruppen, und sehen, ob die Rechnung aufgegangen ist.

Bis dahin gilt: Sparen ist legitim. Aber manchmal hat ein Preis einen Grund.










Von: Jonas
Quelle: t-online, meinauto.de
Bildquelle: Florian Steciuk auf Unsplash
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