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Trump droht Kuba: "Die Ehre haben, Kuba zu übernehmen."

Donald Trump erklärte am Wochenende öffentlich, er könne „die Ehre haben, Kuba zu übernehmen." Kuba sei ein „gescheiterter Staat". Ob er das Land „befreien" oder „übernehmen" wolle, ließ er offen, als wäre das eine Frage des Stils, nicht der Substanz.

In Havanna kam das an wie ein Donnerschlag. In Washington dürfte es kaum jemanden überrascht haben.

Frontansicht des Weißen Hauses in Washington, D.C., mit weißer neoklassizistischer Fassade, Säulen und wehender US‑Flagge auf dem Dach. Im Vordergrund liegen ein gepflegter Rasen, ein runder Springbrunnen und symmetrisch geschnittene Hecken, umgeben von Bäumen.

Was Trump vor Kameras sagt und was seine Regierung tatsächlich tut, sind seit Jahren zwei verschiedene Dinge. Während die Rhetorik eskaliert, führt Außenminister Marco Rubio nach übereinstimmenden Berichten vertrauliche Gespräche mit kubanischen Vertretern. Rubio, selbst Sohn kubanischer Einwanderer, mit einer Familiengeschichte, die seine Kuba-Politik seit Jahren emotional auflädt, hatte bereits im Februar betont, dass wirtschaftliche Reformen nur möglich seien, wenn sich auch das politische System verändere. Gleichzeitig sprach er von einem „realistischen" Zeitrahmen. Das ist Diplomatensprache für: Wir erwarten keinen schnellen Umsturz. Wir setzen auf Abnutzung.

Die Frage ist, ob diese beiden Linien überhaupt vereinbar sind.

Seit Wochen verschärft eine Ölblockade den wirtschaftlichen Druck auf die Insel. Leere Tankstellen, ausgefallene Buslinien, stundenlange Stromunterbrechungen. Kuba war vor dieser Blockade schon kein stabiles Land; jetzt wird die ohnehin erschöpfte Bevölkerung weiter ausgepresst. Die bekannte Bloggerin Yoani Sánchez beschreibt eine Atmosphäre, in der die Frage nicht mehr lautet, wann die Regierung falle, sondern ob das Land danach überhaupt noch funktionsfähig sei. Das ist kein rhetorischer Befund. Das ist eine ernsthafte Warnung vor dem, was nach einem Kollaps kommen könnte oder eben nicht kommen.

Der Schriftsteller Leonardo Padura spricht von tiefer Unsicherheit. Niemand wisse, was passieren werde, weder für das Land noch für das eigene Leben.

Havanna reagiert mit einer Mischung aus Abwehr und begrenzter Gesprächsbereitschaft, ein Balanceakt, der schwieriger wird, je lauter Trump redet. Präsident Miguel Díaz-Canel stellte klar, das politische System Kubas sei „nicht verhandelbar." Sein Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossio signalisierte zwar Offenheit für Gespräche über konkrete Themen, machte aber gleichzeitig deutlich, dass die Verhinderung ausländischer Intervention oberste Priorität habe. Das ist die klassische Position eines Regimes unter Druck: Man spricht, aber man gibt nichts auf, das zählt.

Was die Doppelstrategie aus Drohung und Diplomatie wirklich bezweckt, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist Trumps Rhetorik bewusst eskalativ, um Rubios Gesprächskanal attraktiver zu machen, der klassische Good-Cop-Bad-Cop-Mechanismus, nur zwischen Präsident und Außenminister aufgeteilt. Vielleicht glaubt Trump tatsächlich, was er sagt, und Rubio arbeitet parallel daran, den Schaden zu begrenzen. Oder und das wäre die nüchternste Interpretation; es gibt keine kohärente Strategie, sondern zwei Impulse, die nebeneinander existieren, ohne dass jemand in Washington genau weiß, welcher sich am Ende durchsetzt.

Skepsis gibt es jedenfalls auch in den eigenen Reihen. Die republikanische Abgeordnete Maria Elvira Salazar warnte vor einer „gefährlichen Illusion". Eine wirtschaftliche Öffnung ohne politische Freiheit würde das Regime in Havanna nicht schwächen, sondern stabilisieren. Das ist ein Argument, das historisch nicht ohne Grundlage ist, China und Vietnam haben gezeigt, wie wirtschaftliche Integration autoritäre Systeme festigen kann, statt sie zu untergraben.

Was mich bei dieser Geschichte beschäftigt, ist weniger die Frage, was Trump meint. Die ist ohnehin kaum zu beantworten. Es ist die Frage, was mit Kuba passiert, wenn diese Eskalation weitergeht, nicht politisch, sondern menschlich. Eine Bevölkerung, die seit Jahrzehnten zwischen einem autoritären Regime und einer amerikanischen Blockadepolitik eingeklemmt ist, erlebt gerade einen weiteren Druck von außen. Die Erschöpfung, die Sánchez beschreibt, ist real. Die Angst, die Padura benennt, ist real.

Und während in Washington Sätze über „Übernahmen" fallen und in Havanna Staatsmänner von Unnegotiables sprechen, stehen an kubanischen Tankstellen Menschen und warten auf Benzin, das nicht kommt.












Von: Jonas
Quellen: Ntv und Handelsblatt
Bildquelle: René DeAnda auf Unsplash
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