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Öl bei 116 Dollar: Warum das kein Höhepunkt ist, sondern die neue Realität

Brent-Rohöl kostete am Montag 116,10 Dollar pro Barrel, ein Plus von gut drei Prozent gegenüber Freitag. WTI folgt knapp darunter bei 102,29 Dollar. Der DAX, der bereits am Freitag 1,4 Prozent verloren hatte und bei 22.301 Punkten aus dem Handel ging, deutet zum Wochenstart einen weiteren Rückgang von rund 0,5 Prozent an. Seit Monatsbeginn summiert sich das Minus auf rund zehn Prozent.

Zehn Prozent in einem Monat. 

Der Hintergrund ist bekannt, aber er verändert sich täglich ein bisschen. Die Straße von Hormus, durch die in normalen Zeiten ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels fließt, ist durch den Iran weitgehend geschlossen. Die USA haben ihr Ultimatum an Teheran bis zum 7. April verlängert, Angriffe auf iranische Energieanlagen vorerst ausgesetzt. Gleichzeitig meldeten erstmals seit Kriegsbeginn Huthi-Rebellen Angriffe auf Israel. Die Lage wird nicht einfacher. Sie wird komplizierter, Schicht für Schicht, fast täglich.


Silhouette eines Pumpjacks vor einem intensiven orange‑roten Sonnenuntergang, die Sonne knapp über dem Horizont, dunkle Baumlinie im Vordergrund.
Die Lage ist angespannt.

An Terminmärkten wetten Händler bereits darauf, dass Öl bis April 150 Dollar erreichen könnte. Aber das zeigt, wohin die Erwartungen driften und Erwartungen bewegen Märkte oft schneller als Fakten.

Was Ökonomen gerade beschäftigt, ist weniger der Preis an sich als das, was er auslöst. Steigende Energiekosten sind nicht isoliert, sie wandern durch die gesamte Lieferkette. Transport wird teurer, Produktion wird teurer, am Ende wird der Warenkorb teurer. Das IMK rechnet im ersten Halbjahr mit einer Inflationsrate deutlich über 2,5 Prozent, für März allein erwarten Analysten einen monatlichen Preisanstieg von rund 1,1 Prozent. Das sind nicht irgendwelche zufälligen Zahlen. Das ist der Einkauf, die Tankrechnung, die Nebenkostenabrechnung.

Europa steht dabei nicht allein. Der Nikkei verlor heute 4,6 Prozent, der Topix 4,2. In den USA hatten bereits am Freitag Dow Jones und S&P 500 je 1,7 Prozent nachgegeben, der Nasdaq gut zwei Prozent. Was gerade passiert, ist kein deutsches Problem, kein europäisches Problem. Es ist ein globaler Stimmungsumschwung, ausgelöst durch einen Konflikt, dessen Ende niemand seriös vorhersagen kann.

Marktbeobachter verwenden dieser Tage oft das Wort Unsicherheit. Es ist das richtige Wort, aber es klingt zu neutral für das, was es beschreibt. Anleger wissen nicht, ob das Ultimatum vom 7. April zu einer Eskalation führt oder zu Verhandlungen. Sie wissen nicht, ob die Hormus-Blockade Wochen dauert oder Monate. Sie wissen nicht, ob 116 Dollar der Höhepunkt ist oder die Zwischenstation auf dem Weg zu 150.

Und wenn man nicht weiß, verkauft man lieber.

Was mich dabei beschäftigt, ist ein Timing-Problem, das kaum jemand laut ausspricht. Europa steckt mitten in einem industriellen Umbau: Energiewende, Dekarbonisierung, neue Lieferketten. All das funktioniert besser mit stabilen Energiepreisen und planbaren Kosten. Was gerade passiert, ist das Gegenteil davon. Jeder Monat mit Öl über 100 Dollar macht Investitionsentscheidungen schwerer, Kalkulation unsicherer, Planungshorizonte kürzer.

Das ist kein Argument gegen die Energiewende. Es ist ein Argument dafür, dass geopolitische Stabilität keine Selbstverständlichkeit ist und dass Märkte das inzwischen eingepreist haben.

Der 7. April rückt näher. Bis dahin schaut die Welt auf eine Meerenge, durch die das Öl nicht fließt, und auf einen Präsidenten, der in Großbuchstaben postet.










Von: Jonas
Quelle: Handelsblatt, Börsen-Zeitung
Bildquelle: Zbynek Burival auf Unsplash
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