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Großangriff auf ChatGPT: Google Gemini rüstet mit Gedächtnis-Funktion auf

Der Wettbewerb um die KI-Vorherrschaft wird gerade auf einer Ebende ausgetragen, die noch vor zwei Jahren niemand auf dem Radar hatte: dem persönlichen Gedächtnis. Google hat eine neue Importfunktion für Gemini angekündigt, die es Nutzern erlaubt, Erinnerungen, Vorlieben und komplette Chatverläufe aus anderen KI-Diensten zu übertragen : Direkt, unkompliziert, mit wenigen Klicks. ChatGPT, Grok, Claude, usw. : Alles importierbar, alles durchsuchbar, alles weiter nutzbar in Googles Ökosystem.

Das ist technisch beeindruckend. Und strategisch kein Zufall.

Nahaufnahme eines Laptops auf einem Holztisch, auf dem Bildschirm eine dunkle Benutzeroberfläche mit der Frage ‚What can I help with?‘ sowie Icons für Suche, Analyse und kreative Funktionen.
Für viele ist KI wie ein digitales Tagebuch: Gesundheitsfragen, Beziehungsprobleme, berufliche Unsicherheiten

Der Prozess ist bewusst niedrigschwellig gehalten. In den Gemini-Einstellungen erscheint ein vorgeschlagener Prompt, den man in der bisherigen KI-App einfügt. Diese erstellt daraus eine kompakte Zusammenfassung : Interessen, Beziehungen, biografische Eckpunkte, was auch immer man über Monate hinweg in Gesprächen preisgegeben hat. Die Zusammenfassung wandert zu Gemini und bleibt dort dauerhaft gespeichert. Für Chatverläufe gibt es den ZIP-Import: bis zu fünf Gigabyte, hochladen, fertig. Alte Unterhaltungen sollen nicht nur durchsuchbar sein, sondern lassen sich direkt fortsetzen.

Google hat die bisherige Funktion „Past Chats" in „Memory" umbenannt. 

Was Google hier baut, ist keine Komfortfunktion. Es ist ein Wechselwerkzeug und ein Bindungsmechanismus. Wer einmal seine persönlichen Daten, seine Gesprächshistorie, seine gespeicherten Vorlieben nach Gemini übertragen hat, wechselt nicht so leicht wieder zurück. Das Switching-Problem, das KI-Dienste bisher von Sozialen Netzwerken unterschied, man konnte jederzeit gehen, ohne viel zu verlieren, wird damit kleiner. Wer seinen digitalen Kontext in Gemini aufgebaut hat, trägt Wechselkosten. Das ist gewollt.

Für Nutzer in Europa bleibt die Funktion vorerst gesperrt. Ob und wann sie hier freigeschaltet wird, ist offen, was angesichts der datenschutzrechtlichen Fragen, die diese Funktion aufwirft, wenig überraschend ist. Denn was hier übertragen wird, ist nicht irgendeine Datei. Es sind Gespräche, in denen Menschen Dinge gesagt haben, die sie vielleicht nicht einmal Freunden erzählt haben. Gesundheitsfragen, Beziehungsprobleme, berufliche Unsicherheiten. KI Chats sind für viele Menschen eine Art digitales Tagebuch geworden, ob sie es so nennen oder nicht.

Dieses Tagebuch überträgt man jetzt zu Google.

Das sei ausdrücklich keine Warnung vor der Funktion: Wer ChatGPT nutzt, hat seine Daten ohnehin schon einem Tech-Konzern anvertraut. Google ist halt kein KI-Startup. Google ist das Unternehmen, das Suchhistorien, E-Mails, Kalendereinträge, Standortdaten, YouTube Nutzung, Chrome Nutzung und Android-Gerätedaten von Milliarden Menschen kennt. Wer nun auch noch seine KI-Gesprächshistorie hinzufügt, vervollständigt ein Bild, das bereits sehr detailliert ist.

Ob das ein Problem ist, muss jeder für sich entscheiden. Die Antwort hängt davon ab, wie viel Vertrauen man Google entgegenbringt und wie viel Gewicht man dem beilegt, was in diesen Chats steht.

Was sich unabhängig davon sagen lässt: Google hat verstanden, dass der eigentliche Burggraben im KI-Markt nicht das Modell ist. Modelle werden besser, Modelle werden ausgetauscht, Modelle konvergieren in ihrer Qualität. Der Burggraben ist der Kontext. Die Erinnerungen. Das Wissen darüber, wer jemand ist, was er braucht, wie er denkt. Wer diesen Kontext hat, gewinnt. 









Kommentar von: Jonas
Quelle: Google
Bildquelle: Aerps.com auf Unsplash
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