Es klang nach der Zukunft des Einkaufens: Reinlaufen, Äpfel einpacken, rauslaufen: Fertig. Doch nach drei Jahren ist das Experiment „Shop & Go“ in London offiziell Geschichte. Aldi hat den kassenlosen Testmarkt in Greenwich im März 2026 geschlossen und rüstet die Filiale nun auf herkömmliche Self-Service-Kassen um.
Was in der Theorie nach maximalem Komfort aussah, entpuppte sich in der Praxis als ein Mix aus technischer Überforderung und mangelnder Akzeptanz. Hier sind die Gründe, warum das Modell laut aktuellen Analysen (Stand 19.03.2026) gescheitert ist:
Die „Pfand“-Falle und mangelnde Transparenz
Einer der größten Aufreger für die Kunden war die Vorautorisierung. Wer den Laden betrat, musste seine Karte scannen, woraufhin pauschal 10 Pfund (ca. 12 Euro) als Sicherheit „reserviert“ wurden.
Das Problem: Dieser Betrag wurde oft erst Stunden oder gar Tage später mit dem tatsächlichen Einkauf verrechnet. Für Kunden mit knappem Budget war das ein No-Go, da das Geld kurzzeitig blockiert war.
Intransparenz: Dass dieser Betrag fällig wurde, erfuhren viele erst, nachdem sie die Karte gezückt hatten.
Zu hohe Kosten, zu wenig Nutzen
Hinter den Kulissen fraß die Technik den Profit auf. Der Laden war mit über 340 Kameras und Sensoren vollgestopft.
Laut Branchenberichten (u. a. von Retail Gazette) kostete eine Transaktion bei „Shop & Go“ im Schnitt 18% mehr als an einer normalen Kasse. Grund dafür waren die hohen Lizenzgebühren für die Software und die Wartung der sensiblen Sensorik.
Für einen Discounter wie Aldi, dessen gesamtes Geschäftsmodell auf niedrigsten Kosten basiert, war dieses Minusgeschäft auf Dauer verständlicherweise nicht tragbar.
Die „App-Hürde“ und der Cash-Faktor
Besonders in London gab es lautstarke Proteste gegen den Zwang zur digitalen Identifizierung. Aktivisten und Gelegenheitskäufer kritisierten, dass man ohne App oder registrierte Karte praktisch „ausgesperrt“ wurde. Das schloss nicht nur ältere Menschen aus, sondern nervte auch Touristen oder Kunden, die nur schnell eine Packung Milch kaufen wollten.
Das Fazit: Aldi zieht die Reißleine, bevor das Experiment zum Millionengrab wird. Das Greenwich-Modell bleibt ein Einzelfall; eine Ausweitung auf andere Standorte ist vom Tisch. Interessanterweise hat auch Aldi Nord sein ähnliches Projekt im niederländischen Utrecht bereits beendet. Es zeigt sich: Die Kunden wollen zwar schnell bezahlen, aber sie wollen dabei nicht das Gefühl haben, in einem Hochsicherheitstrakt überwacht zu werden.
Wie sieht ihr das? Würdet ihr in einem Laden einkaufen, der jeden eurer Handgriffe mit 300 Kameras filmt, nur um 30 Sekunden an der Schlange zu sparen?
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Kommentar