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Im Umfragetief: Warum Friedrich Merz nach zwölf Monaten das Vertrauen verliert

Seit 1997 messen Institute die Zufriedenheit mit amtierenden Bundeskanzlern. In diesen fast dreißig Jahren gab es schlechte Phasen, Krisen, Skandale, Koalitionsstreit, Wirtschaftseinbrüche. Keiner kam auf 16 Prozent. Friedrich Merz schafft es nach einem Jahr.

JZ-Überblick (Kurz und knackig):

  • Historischer Tiefstand: Nur 16–22 % sind mit Merz’ Arbeit zufrieden; der niedrigste Wert eines Kanzlers seit Beginn der Messungen 1997. 
  •  Breite Unzufriedenheit: Je nach Institut sind 65–83 % unzufrieden. 
  •  Schlechter als Scholz & Merkel: Merz liegt nach einem Jahr deutlich hinter den Vergleichswerten seiner Vorgänger.
  • Trend zeigt weiter nach unten: Tiefstwert im Mai 2026: 22 % Zufriedenheit, 73 % Unzufriedenheit.
  • Gründe laut Umfragen: Wirtschaftssorgen, Streit in der Koalition, enttäuschte Erwartungen und Kritik am Kommunikationsstil. 
Deutsche Flagge vor dem Reichstagsgebäude in Berlin; klassizistische Fassade mit Säulen und der Inschrift ‚Dem Deutschen Volke‘ unter blauem Himmel.
Ein Jahr nach Amtsantritt steht Kanzler Merz unter Druck; das Vertrauen in die Regierung sinkt auf historische Tiefstände.

Der ARD-Deutschlandtrend ist dabei noch das härteste der Maßstäbe. Das ZDF-Politbarometer misst 30 Prozent, die aggregierten Daten von ilium.de einen Tiefstwert von 22 Prozent. Aber selbst die wohlwollendste Lesart ergibt: Merz ist der unpopulärste Kanzler seit Beginn dieser Messungen. Nicht ein bisschen. Mit Abstand.

Zum Vergleich: Merkel hatte nach einem Jahr 53 Prozent. Schröder 41. Scholz, der am Ende mit einem Koalitionsbruch abging, kam im ersten Jahr auf 38; und seinen historischen Tiefstwert erst kurz vor dem Ende seiner Amtszeit. Merz unterbietet ihn nach zwölf Monaten.

Man sollte mit Umfragen vorsichtig sein. Sie messen Stimmung, keine Wahrheit, und Stimmung schwankt. Aber 83 Prozent Unzufriedenheit ist kein Ausreißer. Das ist Konsens.

Was ist passiert?

Die einfache Antwort: vieles gleichzeitig. Die wirtschaftliche Erholung, die viele erwartet hatten, ist ausgeblieben. Hohe Energiepreise, schwaches Wachstum, stagnierende Prognosen; das ist keine Regierungserfindung, aber es ist die Realität, in der eine Regierung gemessen wird. Merz ist mit dem Versprechen angetreten, Wirtschaft und Verwaltung zu modernisieren. Viele Befragte sehen davon nach einem Jahr wenig umgesetzt.

Dann ist da die Koalition. Union und SPD wirken zunehmend unkoordiniert: ein Muster, das sich durch mehrere Vorgänge zieht. Die Entlastungsprämie scheiterte im Bundesrat, mit eigenen Länderchefs in der ablehnenden Mehrheit. Die Rentenaussage vor dem Bankenverband löste einen Koalitionsstreit aus, den die SPD öffentlich moderieren musste. Kleinsparreformen für Behinderte und Familien kursieren in Arbeitspapeiren, bevor die Regierung sie kanalisieren kann. Das Bild ist nicht das einer Regierung, die entschlossen handelt.

Und dann ist da der Kommunikationsstil. Nur 14 Prozent halten Merz für kommunikativ überzeugend. Das ist eine Zahl, die man zweimal lesen muss. Merz galt als Redner, als jemand, der Positionen klar formuliert.

Dass er in diesem Bereich so schlecht bewertet wird, sagt etwas darüber, wie seine Aussagen ankommen; nicht wie er sie meint, sondern wie sie wahrgenommen werden. Die Bankenverband-Rede zur Rente ist das jüngste Beispiel, aber nicht das einzige.

Was dabei auffällt: Merz ist nicht an einem großen Skandal gescheitert. Kein Cum-Ex, kein Maskenaffäre, keine persönliche Verfehlung, die ihm die Werte weggezogen hätte. Was ihn begleitet, ist eine Summe aus enttäuschten Erwartungen, Kommunikationsfehlern und einer wirtschaftlichen Lage, über die er keine vollständige Kontrolle hat. Das ist in gewisser Weise unfairer als ein konkreter Fehler, weil es sich nicht mit einer Entschuldigung oder einem Rücktritt bereinigen lässt. Politikwissenschaftler sagen, Merz brauche jetzt sichtbare Erfolge. Wirtschaft, Migration, Bürokratieabbau: Bereiche, in denen er konkret liefern und kommunizieren kann. Das ist richtig. Es ist auch leicht gesagt. Die strukturellen Probleme, die das erste Jahr geprägt haben, verschwinden nicht durch eine bessere Pressekonferenz.

Was die Zahlen zeigen, ist ein Vertrauensproblem, das sich seit Herbst 2025 stetig verschärft hat; nicht plötzlich, nicht durch ein Ereignis, sondern durch Akkumulation. Jede verschobene Reform, jeder Koalitionsstreit, jede Aussage, die nachträglich eingefangen werden muss, hat ein bisschen mehr abgetragen.

22 Prozent. 16 Prozent. Je nach Institut.

Ein Wahlsieg ist kein Vertrauensvorschuss, und ein Kanzleramt kein Garant für Zustimmung. Das wäre die Lektion aus diesem ersten Jahr; falls irgendjemand sie ziehen wird.

Das zweite Jahr fängt jetzt an. Die Kurve muss irgendwann kommen.

Bis jetzt zeigt sie in die falsche Richtung.




Von: Jonas
Quelle: ARD-Deutschlandtrend, ZDF-Politbarometer, ilium.de
Bildquelle: Maheshkumar Painam auf Unsplash
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