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Wende nach nur 24 Stunden: Iran macht Öffnung von Hormus rückgängig

Am 17. April gab der Iran die Straße von Hormus frei, ein Schritt, der weltweit für Erleichterung sorgte, weil die Sperrung seit Februar die Energiemärkte unter Druck setzt, Tanker auf Umwege zwingt und Preise treibt, die ohnehin schon niemand mehr erklären kann, ohne die Stirn zu runzeln. Dann, noch am selben Tag: Kehrtwende. Teheran machte die Öffnung rückgängig. Begründung: Die USA halten ihre Seeblockade iranischer Häfen aufrecht, obwohl eine Waffenruhe zwischen Iran und Libanon in Kraft getreten ist.

JZ-Überblick (Kurz und knackig):
  • Iran hat die Öffnung der Straße von Hormus nach wenigen Stunden wieder rückgängig gemacht
  • Begründung: Verstöße der USA gegen bestehende Vereinbarungen
  • Hintergrund: USA halten ihre Seeblockade iranischer Häfen weiter aufrecht Iran droht mit dauerhafter Schließung, falls die Blockade bestehen bleibt
  • Die Meerenge ist eine der wichtigsten Öl‑Routen der Welt, rund 20 % des globalen Öltransports laufen dort entlang

Ein großes Frachtschiff liegt auf ruhigem Meer. Der Rumpf ist blau mit rotem Unterteil, am Bug steht der Name des Schiffs. Im Hintergrund ist eine Küstenlinie unter klarem Himmel zu erkennen.
Die Rücknahme der Öffnung der Straße von Hormus zeigt, wie verletzlich globale Lieferketten bleiben.

Man muss sich das kurz vorstellen. Ein Konvoi von rund zwanzig Handelsschiffen, Tanker, Containerschiffe, versuchte die Meerenge zu passieren und drehte um. Zwanzig Schiffe, die kurz geglaubt hatten, es ginge wieder. Dann nicht.

Die Logik des Konflikts ist, in ihrer Kälte, fast nachvollziehbar. Trump besteht darauf, dass die Blockade iranischer Häfen solange bestehen bleibt, bis alle Vereinbarungen erfüllt sind. Für Washington ist das Druckmittel, Verhandlungsmasse, Hebel. Für Teheran ist es ein Bruch der Waffenruhebedingungen, und damit Anlass für eine „angemessene Reaktion", wie der Sprecher des iranischen Außenministeriums formulierte. Was genau angemessen bedeutet in diesem Zusammenhang, ließ er offen.

Parlamentspräsident Ghalibaf legte noch eine Schicht drauf. Die Entscheidung über Öffnung oder Schließung werde „vor Ort getroffen, nicht über soziale Medien." Eine Spitze gegen Trump, die so direkt ist, dass man kurz vergisst, dass es um eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt geht.

Und das ist sie tatsächlich. Rund zwanzig Prozent des globalen Öl- und Flüssiggastransports passieren täglich die Meerenge. Sie ist das Nadelöhr zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean, und ihre strategische Bedeutung ist so oft beschrieben worden, dass die Wiederholung fast banal wirkt, bis man an der Tankstelle steht und auf den Preis schaut.

Für Reedereien bedeutet die erneute Sperrung längere Routen, höhere Versicherungsprämien, Verzögerungen, die sich durch Lieferketten ziehen wie ein Riss im Mauerwerk. Langsam zunächst. Dann nicht mehr langsam. Europa, das seine Energieversorgung ohnehin seit Jahren mit einer gewissen Nervosität betrachtet, dürfte die Entwicklung mit entsprechender Aufmerksamkeit verfolgen. Deutschland besonders, als Industrieland mit hohem Energiebedarf und wenig eigenem.

Was auffällt: Der Rhythmus dieser Krise hat etwas fast Mechanisches. Sperrung, Verhandlung, Öffnung, Schließung. Eskalation, Signal, Reaktion, Gegensignal. Man könnte meinen, beide Seiten hätten sich auf eine Choreografie geeinigt, bei der niemand wirklich gewinnt, aber alle die Kontrolle behalten wollen. Das Problem an Choreografien ist, dass sie irgendwann aus dem Takt geraten.

Ob die Straße bald wieder öffnet, hängt nicht von Flottenbewegungen ab. Es hängt davon ab, ob Washington seine Blockadepolitik anpasst, und ob Teheran das als ausreichend betrachtet. Beides ist im Moment offen. Beide Seiten haben Gründe, hart zu bleiben. Und beide Seiten wissen, dass die Meerenge kein Symbol ist, sondern ein Instrument. Das Instrument liegt derzeit in iranischer Hand.




Von: Jonas
Quelle: Zeit, BR
Bildquelle: Scott Tobin auf Unsplash
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