Die US-Regierung macht eine massive Kehrtwende: Um die explodierenden Energiepreise nach der Blockade der Straße von Hormus durch den Iran-Krieg einzufangen, dürfen Länder für die nächsten 30 Tage russisches Öl kaufen, das bereits auf Tankern auf hoher See liegt.
Bundeskanzler Friedrich Merz findet das falsch. Während eines Besuchs im norwegischen Andöya stellte er sich am Freitag demonstrativ gegen den Alleingang aus Washington. Er bezeichnete das Vorgehen als ein Signal in die falsche Richtung. Moskau zeige im Krieg gegen die Ukraine keinerlei Verhandlungsbereitschaft, daher müsse der Druck auf den Kreml steigen; nicht sinken.
Dass Washington hier bei den G7-Partnern weitgehend isoliert agiert, macht die Stimmung innerhalb des Bündnisses spürbar angespannter. Merz betont, es habe eine klare Mehrheit gegen diesen Schritt gegeben, die das Weiße Haus letztlich ignorierte. Das russische Lager hingegen nimmt das Angebot dankend an. Der Kreml-Gesandte Kirill Dmitrijew wertete den Schritt bei Telegram als faktisches Anerkenntnis: Ohne russisches Öl bleibe der globale Markt eben instabil.
US-Finanzminister Scott Bessent versucht derweil, die Wogen zu glätten. Er spricht von einer „eng gefassten“ Maßnahme, die Russland keinen entscheidenden Vorteil verschaffe. Doch Experten sind skeptisch, ob das reicht. Denn jeder Euro, der jetzt in die russischen Staatskassen fließt, finanziert den Krieg gegen die Ukraine weiter und genau da liegt der Sprengstoff in dieser Entscheidung. Während in Washington der Blick auf die heimischen Benzinpreise und die Wählerschaft im Wahlkampf dominiert, stellt sich in Europa die Frage, was von einer Sanktionspolitik übrig bleibt, die bei der ersten globalen Turbulenz bereits bröckelt.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Kommentar